Geldanlage : Steigende Zinsen und wacklige Fonds

Was Bankkunden und Anleger zur weltweiten Finanzkrise wissen sollten.

Stefan Kaiser

Die Krise an den Finanzmärkten ist noch nicht ausgestanden. Nicht nur die Anleger sind nervös, auch die Banker. Sie halten jetzt ihr Geld beisammen und verleihen es nur ungern an andere Banken. Wer weiß, welche Problemkredite die Kollegen in ihren Büchern haben? Die neue Vorsicht kann auch Folgen für Bankkunden und Anleger haben. Der Tagesspiegel beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ist mein Geld bei den Banken noch sicher?

Jedenfalls sicherer als unter dem Kopfkissen. Das Geld, das Kunden von deutschen Banken und Sparkassen auf Sparbüchern, Konten oder in Sparbriefen anlegen, ist in der Regel durch die Einlagensicherungsfonds der Institute geschützt. Egal, ob Privatbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, alle drei Gruppen verfügen über ein solches Sicherungssystem, in das alle Mitgliedsinstitute einzahlen, um im Notfall einer in Schieflage geratenen Bank unter die Arme greifen zu können. Für den Kunden ist deshalb wichtig, zu wissen, ob seine Bank Mitglied in einem der Sicherungsfonds ist. Bei den allermeisten ist das der Fall. Für Kursverluste bei Wertpapieren haftet die Bank natürlich nicht. Diese Geschäfte macht der Kunde auf eigene Rechnung.

Werden jetzt die Zinsen steigen?

Volkswirt Volker Hofmann vom Bankenverband rechnet damit, dass die kurzfristigen Zinsen, die zum Beispiel auch Basis für Tagesgelder oder für Dispokredite beim Girokonto sind, noch etwas steigen dürften. Das liege aber weniger an den aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten, sondern an den ohnehin erwarteten Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank. Für Anfang September rechnen die meisten Experten mit einer Erhöhung der Leitzinsen von vier auf 4,25 Prozent. Bis Jahresende könnten sie noch einmal auf 4,5 Prozent ansteigen. In der Regel dauert es einige Tage, bis die Banken die Zinserhöhungen an die Kunden weitergeben. Abhängig sei dies vor allem von der jeweiligen Geschäftspolitik der Bank sowie von der Wettbewerbssituation am Markt, sagt Hofmann

Bei den langfristigen Zinsen, etwa für Baukredite oder Anleihen mit langer Laufzeit, werden sich die Probleme auf den Finanzmärkten nach Hofmanns Ansicht nur dann auswirken, wenn sich auch die Konjunkturaussichten eintrüben sollten. Die langfristigen Zinsen würden dann niedrig bleiben oder eher sinken. Andere Experten gehen auch hier von steigenden Zinsen aus. „Es kann sein, dass wir auf Dauer nicht mehr so billiges Geld für Immobilienkredite bekommen“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding.

Wird es schwerer, einen Immobilienkredit zu bekommen?

Das Desaster bei den Immobilienfinanzierern in den USA, die jahrelang zu leichtfertig Kredite vergeben haben, könnte auch die deutschen Banken vorsichtiger werden lassen. Experten erwarten, dass die Institute bei der Kreditvergabe künftig stärker auf die Bonität der Kunden achten.

Wie sind Lebensversicherungen von der Krise betroffen?

Die Versicherungsunternehmen dürfen das Geld der Versicherten nur zu einem geringen Teil in riskante Papiere investieren. Entsprechend gering sollte ein möglicher Schaden ausfallen. Auszuschließen sind Einbußen allerdings nicht. Auch weil die Versicherungen oft selbst nicht wissen, in welchem vordergründig harmlosen Investment noch faule Immobilienkredite versteckt sein könnten.

Welche Fonds sind in die Krise involviert?

Die Fonds, die schwerpunktmäßig in verbriefte Kredite, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), investieren, machen in Deutschland nur einen geringen Teil des Marktes aus – nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) weniger als ein Prozent. Allerdings gibt auch der BVI zu, dass solche verbrieften Kredite auch in Geldmarkt- oder Rentenfonds beigemischt sein können, ohne dass der Anleger dies auf den ersten Blick sieht.

Welche Geldanlagen sind vor den Auswirkungen der Krise geschützt?

100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Als sehr sicher gelten aber Staatsanleihen und Pfandbriefe, aber auch Tagesgeld- oder Festgeldkonten, die teilweise mit Zinsen um die vier Prozent locken. Sollten die Zinsen künftig noch steigen, erhöht sich die Rendite dieser Papiere weiter.

Was sollten Anleger tun, die ihr Geld in Aktien investiert haben?

Von Panikverkäufen raten die meisten Experten ab. Langfristig, so die fast einhellige Meinung, bleiben die Voraussetzungen für Aktien gut, weil die Konjunktur immer noch gut läuft und die Unternehmen satte Gewinne machen. Wer seine Aktien allerdings schon länger im Depot hat und damit auf dem Papier schon viel Geld verdient hat, sollte darüber nachdenken, diese Gewinne mitzunehmen, sprich: die Aktien zu verkaufen. Über Optionsscheine oder sogenannte Reverse-Zertifikate lassen sich Aktiendepots auch gut gegen Verluste absichern. Der Schutz kostet allerdings. Ein billigeres und einfacheres Instrument sind enge Stop-Loss-Limits, die dafür sorgen, dass die Aktien automatisch verkauft werden, sobald sie unter einen bestimmten Kurs fallen.

Lohnt es sich, jetzt schon wieder am Aktienmarkt einzusteigen?

Der Punkt, an dem der Markt nach einer Abwärtsbewegung wieder dreht, ist sehr schwer einzuschätzen. Einige Experten wie Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke raten schon wieder zum vorsichtigen Kauf. „Man sollte das zur Verfügung stehende Kapital in mehrere Tranchen einteilen und mit der ersten Tranche schon jetzt in den Markt einsteigen.“ Gerade Finanzwerte seien momentan zu historisch niedrigen Bewertungen zu haben. Wem dieses Risiko zu hoch ist, der sollte besser warten, bis der Markt sich beruhigt hat und die Kurse langsam wieder zu steigen beginnen.

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