Hedgefonds : 1000 Prozent Rendite

Manche Hedgefonds erzielen im Zuge der Finanzkrise astronomische Gewinne. Doch es gibt Anzeichen, dass dieser Boom sich seinem Ende nähert.

Udo Rettberg (HB)

Frankfurt am Main - So schlecht das alte Jahr für die Hedgefonds-Branche auch war – wo Verlierer sind, gibt es auch große Gewinner. Denn diese Finanzinvestoren nutzen einen großen Vorteil, den traditionelle Manager von Investmentfonds nicht haben: Sie gehen „long“ und „short“, setzen also auf steigende und fallende Preise und bestimmen so das Risiko ihrer Investments selbst.

Einige bisher im Schatten der Weltöffentlichkeit stehende Experten dieser Zunft haben zuletzt beeindruckende Resultate erzielt, etwa die Man Group, die weltgrößte bankenunabhängige Hedgefonds-Gesellschaft. „Wir sind ein Gewinner der Krise“, sagte deren Vorstandschef Peter Clarke dem „Handelsblatt“. Nach kleineren Verlusten im Monat August ist Man wieder in der Erfolgsspur. „Es ist uns gelungen, Anlagestrategien recht rasch an aktuelle Markttrends anzupassen“, sagte Clarke. Daraus resultierten zuletzt kräftige Wertsteigerungen.

Im Gegensatz zu Man meiden als Privatfirmen aufgestellte Hedgefonds oft die Öffentlichkeit. Von ihren Ergebnissen erfährt das Publikum oft nur aus spät veröffentlichten offiziellen Dokumenten oder von in diesen Fonds engagierten Anlegern. Dass einige der Akteure im Rahmen der Finanzkrise Wertsteigerungen von 500 bis 1000 Prozent erzielten, wird – im Gegensatz zu hohen Verlusten und Pleiten von Hedgefonds populärer Investmenthäuser wie Bear Stearns und Goldman Sachs – nur selten an die große Glocke gehängt.

Einer der zu den Gewinnern der Finanzkrise zählenden Geister ist John Paulson, Gründer der in New York ansässigen Hedgefonds-Gruppe Paulson & Co. Schon 2006 hatte er auf kommende Verwerfungen am Markt für Wohnimmobilien und Hypothekenkredite hingewiesen und mit diesem Hintergrund zwei neue Hedgefonds aufgelegt. Rund zwei Milliarden Dollar sammelte er ein. „John hat uns seinerzeit erzählt, er habe im Verlauf seiner Karriere noch nie zuvor eine solch einmalige Gelegenheit gesehen“, sagt einer der Fonds-Anteilseigner. Paulsons Strategie für die beiden neuen Hedgefonds war, auf sinkende Kurse von Hypothekenanleihen und Kreditderivaten in den USA zu setzen. Die Rechnung ging auf. Die sich mit der Zeit verstärkende Finanzkrise spielte ihm voll in die Karten. Wertsteigerungen von über 550 Prozent konnten Paulson und seine Fondsanteilseigner verbuchen.

Über einen Mangel an Anerkennung kann sich auch Andrew Lahde nicht beklagen. Im Jahr 2006 gründete er in der kalifornischen Sonnenstadt Santa Monica seine Hedgefonds-Gesellschaft Lahde Capital, die praktisch aus dem Stand heraus zum Gewinner der Finanzkrise wurde. Der von ihm 2006 lancierte „US Residential Real Estate Hedge V Class A“ erzielte seither eine Wertsteigerung von mehr als 1000 Prozent und setzt sich damit an die Spitze der Gewinner. Lahde hat bei der Umsetzung seiner Anlagestrategie unter anderem konsequent auf sinkende Kurse von Immobilien, Hypothekenanleihen und Kreditderivaten gesetzt. Zuletzt hat er einen Teil der Gewinne an Anteilseigner ausgeschüttet und diese wissen lassen, dass das Risiko-Ertrags-Verhältnis der Märkte inzwischen weniger attraktiv sei als in der Vergangenheit. Nach Ansicht Lahdes ist das gesamte Bankenwesen in einem desolaten Zustand. Einen Teil seines eigenen Geldes hat er inzwischen in Edelmetalle investiert.

Zu den Gewinnern der Finanzkrise zählen aufseiten der Hedgefonds neben Paulson und Lahde auch die Fachleute von Hayman Capital und Corriente Advisor, die gemeinsam den „Subprime Credit Strategies Fund“ managen, der in diesem Jahr mit einer Wertsteigerung von mehr als 500 Prozent auf sich aufmerksam machte. Udo Rettberg (HB)

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