Hypo Real Estate : 3,1 Milliarden Euro Verlust – im Quartal

Die Hypo Real Estate rutscht tiefer in die Probleme – und braucht noch mehr Hilfe vom Staat.

Thomas Magenheim-Hörmann
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Düstere Prognose für die Hypo Real Estate -Foto: ddp

MünchenBeim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist kein Ende der Krise in Sicht. Zwar erwartet der Münchner Finanzkonzern an diesem Donnerstag 50 Milliarden Euro auf seinem Konto, die ihm andere Banken und der Bund nach einer dramatischen Rettungsaktion zugesagt hatten. Doch die Bank braucht weiteres Geld. Nach einem Verlust von 3,1 Milliarden Euro vor Steuern im dritten Quartal will die Hypo Real Estate zusätzlich Kapitalhilfen aus dem Rettungsfonds des Bundes beantragen, um ihr Überleben zu sichern.

Der Verlust im dritten Quartal ist rund eine halbe Milliarde Euro höher ausgefallen, als von Analysten erwartet. Ein massiver Verlust im Gesamtjahr ist damit programmiert, da auch das laufende Schlussquartal ein Minus bringen dürfte. Die neuerliche Hiobsbotschaft der HRE ließ die Aktie des Instituts im Dax einknicken. Zeitweise verlor das Papier mehr als zwölf Prozent an Wert.

Vom aktuellen Quartalsverlust entfallen 2,5 Milliarden Euro auf eine vollständige Abschreibung der irischen Tochter Depfa, die für den existenzbedrohenden Liquiditätsengpass des Mutterkonzerns verantwortlich ist. Weitere 600 Millionen Euro mussten unter anderem wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers und Geschäften in Island abgeschrieben werden. Auch im eigenen Immobilienportfolio der HRE gab es Wertverluste.

Zugleich sank die als Maß für die finanzielle Stabilität einer Bank dienende Kernkapitalquote binnen drei Monaten von 8,2 Prozent per Ende September auf besorgniserregende 6,8 Prozent. Dies bedeutet, dass die Bank nur 6,8 Prozent der Kreditsumme, die sie vergeben hat, mit eigenem Kapital unterlegen kann. Als notwendig gilt in der Branche ein Wert von mindestens neun Prozent.

Im Schlussquartal erwartet die HRE weitere Belastungen, auch wegen der anstehenden Sanierung, deren Details noch geheim sind. Dies zeigt, dass die Bank trotz aller Stützung noch nicht aus dem Schneider ist. Sie bereitet deshalb nach eigenen Angaben einen weiteren Antrag auf Staatshilfe beim Bankenrettungsfonds des Bundes (Soffin) vor. Dieser solle sowohl zusätzliche Liquidität bringen als auch „erheblichen Kapitalbedarf decken“. Eine solche Aufstockung sei für die Sanierung und den Neustart der HRE notwendig, ließ der neue Bankchef Axel Wieandt mitteilen. Welche Dimension die neuerliche Finanzspritze haben könnte, ließen die Münchner offen.

Börsianer rechnen damit, dass der Bund über eine Kapitalerhöhung bei der HRE einsteigt und mindestens zwei Milliarden Euro zuschießen muss. Es könne sich aber auch um eine weit höhere Milliardensumme handeln, sagen Experten.

Die HRE war Anfang Oktober vom Bund und einem Bankenkonsortium vor der Pleite gerettet worden. Die damals vereinbarte Kreditlinie von 50 Milliarden Euro stehe ab heute bereit, wie die Bank mitteilte. Der Kredit hat eine Laufzeit bis Ende 2009. Als Sicherheit dafür musste die HRE nicht nur Darlehen und Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro verpfänden, sondern auch die Anteile ihrer vier Tochtergesellschaften. Kann die Bank gezogene Kredite nicht mehr zurückzahlen, würden diese Sicherheiten verwertet, was das Ende der HRE bedeuten dürfte.

Derweil soll nach „Handelsblatt“-Informationen der Chef der Hertie-Stiftung, Michael Endres, neuer HRE-Aufsichtsratsvorsitzender werden.

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