Hypo Real Estate : Flowers pokert weiter

Der Streit um die Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) geht in eine neue Runde. Denn das Lockangebot des Bundes vom Donnerstag genügt dem US-Investor Christopher Flowers offenbar nicht.

Thomas Magenheim

München - Der Streit um die Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) geht in eine neue Runde. Denn das Lockangebot des Bundes vom Donnerstag genügt dem US-Investor Christopher Flowers offenbar nicht. Der Bund bietet den HRE-Aktionären über den Bankenrettungfonds Soffin 1,39 Euro für eine Aktie mit dem Ziel, die Krisenbank vollständig zu übernehmen. Das freiwillige Übernahmeangebot liegt ein Zehntel über dem gesetzlichen Mindestpreis. Würden alle HRE-Aktionäre verkaufen, kostet das den Bund rund 290 Millionen Euro. Doch Großaktionär Flowers und seine Mitstreiter pokern weiter. Der US-Investor werde das Angebot erst einmal genau prüfen, habe aber weiter die Präferenz, als Miteigner im Boot zu bleiben, sagte ein Flowers-Sprecher in einer ersten Reaktion.

Flowers und seine Mitstreiter sind nun in einer Zwickmühle. Denn weigern sie sich, den Weg für den Bund frei zu machen, droht ihre Enteignung. In diesem Fall dürfte der Bund nach Einschätzung von Experten weniger als den jetzt freiwillig gemachten Übernahmepreis bezahlen. Das jetzige Angebot sei „die Gelegenheit für HRE-Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus dem Investment auszusteigen“, stellt der Soffin klar. Die gebotenen 1,39 Euro je Aktie seien unerwartet viel, kommentierte ein Finanzexperte. „Der Bund wird nicht nachbessern“, vermutet er. Im bereits beginnenden Bundestagswahlkampf werde die Politik jeden Eindruck vermeiden wollen, Investoren mit Staatsgeld aus der Patsche zu helfen. Flowers und Partner halten rund ein Viertel der HRE-Anteile und haben dafür Mitte 2008 gut eine Milliarde Euro bezahlt, die weitgehend verloren sind.

Das Übernahmeangebot des Bundes wird nun von der Finanzaufsicht Bafin geprüft und dürfte kommende Woche offiziell werden. Dann wird auch eine Angebotsfrist festgelegt, die nach Angaben von Eingeweihten zwischen zwei und vier Wochen betragen soll. Eine Mindestannahmeschwelle gibt es nicht. Der Bund wird also in jedem Fall so viele HRE-Aktien kaufen, wie ihm angeboten werden.

Nächster Schritt auf dem Weg zur Verstaatlichung der HRE ist dann die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, wo – vermutlich im Mai – eine Rekapitalisierung zur Rettung der Krisenbank beschlossen werden muss. Die dazu nötige Kapitalerhöhung könnte den Bund bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Zusammen mit Finanzinstituten stützt der Bund die HRE bereits mit 102 Milliarden Euro in Form von Bürgschaften und Garantien. Darüber hinaus könnten weitere Garantien fällig werden.

Die HRE müsse auf alle Fälle gerettet werden, weil ihr Zusammenbruch „substanzielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte“ sowie die gesamte Volkswirtschaft nach sich ziehen würde, stellt der Soffin klar. Experten vergleichen das Gefahrenpotenzial eines HRE- Untergangs mit den Schockwellen, die die Pleite der US-Bank Lehman Brothers ausgelöst hat. Um das zu verhindern, werden die HRE-Aktionäre notfalls durch den Bund enteignet, was ein soeben in Kraft getretenes und bis Ende Juni befristetes Gesetz erlaubt.

Ohne Hilfe des Bunds wäre die HRE mit 420 Milliarden Euro Bilanzsumme längst kollabiert. Sie hat 2008 rund 5,5 Milliarden Euro Verlust eingefahren und kann sich ohne Staatshilfe nicht mehr refinanzieren. Als Staatsbank wird das Institut wieder geschäftsfähig und dadurch endgültig saniert, kalkuliert der Bund.

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