Inflation : Bundesbank-Chef Weidmann für deutliche Lohnsteigerungen

Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist nun auch für deutlich höhere Löhne. Hintergrund ist die zu niedrige Inflation. Die Twitter-Aktie legt um bis zu 35 Prozent zu, der Dax liegt am Mittwochmorgen vorbörslich etwas tiefer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Nach Chefvolkswirt Jens Ulbrich und EZB-Vertretern hat nun auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann den volkswirtschaftlichen Verteilungsspielraum auf rund 3 Prozent beziffert. Dies ergebe sich überschlagsmäßig aus mittelfristig knapp 2 Prozent Inflation und 1 Prozent Produktivitätswachstum, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch).
Es gebe in einer Reihe von Branchen und Regionen praktisch Vollbeschäftigung, und es häuften sich Meldungen über Arbeitskräftemangel, sagte Weidmann. „Insofern liegt es in der Natur der Sache und ist auch zu begrüßen, dass die Arbeitsentgelte wieder stärker steigen als zu Zeiten, in denen die deutsche Wirtschaft in deutlich schlechterer Verfassung war.“ Die Bundesbank mische sich mit ihren Einschätzungen nicht in die Tarifverhandlungen ein, wies Weidmann entsprechende Kritik etwa des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall zurück. Natürlich müssten die Abschlüsse aber die jeweilige spezifische Lage der entsprechenden Branche im Blick halten. „Lohnabschlüsse, die deutlich über einen produktivitätsorientierten Anstieg hinausgingen, würden Wachstum und Beschäftigung in Deutschland schaden und dem Euroraum einen Bärendienst erweisen“, stellte der Bundesbank-Chef klar.

Richtungsänderung von Bundesbank-Chef Jens Weidmann

Die Äußerung von Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist eine weitere deutliche Richtungsänderung. Hintergrund dürfte die deutlich zu niedrige Inflationsrate sein, die zunehmend Deflationsängste schürt.

Wichtige US-Konjunkturdaten und eine Entscheidung der US-Notenbank Fed heute um 20 Uhr unserer Zeit sind die wichtigsten Nachrichten dieses Tages. Der deutsche Leitindex Dax liegt am Mittwochmorgen vorbörslich etwas tiefer. Am Dienstag hatte der Dax 0,6 Prozent höher bei 9653,63 Punkten geschlossen.
An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland nachgegeben. Der Dow Jones beendete die Sitzung 0,4 Prozent tiefer, während der Nasdaq fast unverändert bei 4442,70 Stellen blieb. Der S&P500 fiel um 0,5 Prozent.

Twitter begeistert Börsianer mit Nutzerwachstum

Die Fußball-WM hat Twitter geholfen: Ein starker Anstieg der Werbeeinnahmen und der Nutzerzahlen lässt die Aktie des Kurznachrichtendienstes durch die Decke gehen. Am Dienstag schoss das Papier nachbörslich um bis zu 35 Prozent auf mehr als 52 Dollar in die Höhe. Nach einer rasanten Berg- und Talfahrt in den vergangenen Monaten sind die Anteilsscheine damit doppelt soviel wert wie beim Börsengang im November.
Der Kurznachrichtendienst erwirtschaftete im zweiten Quartal einen Umsatz von 312 Millionen Dollar (233 Mio Euro) - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Haupteinnahmequelle ist die Werbung auf mobilen Geräten. Die Zahl der Nutzer stieg im gleichen Zeitraum um ein Viertel auf 271 Millionen.
„Wir sind überzeugt, dass wir Twitter einem noch breiteren Publikum nahebringen können“, erklärte Firmenchef Dick Costolo am Sitz in San Francisco. Alleine in den vergangenen drei Monaten kamen 16 Millionen neue Nutzer hinzu - das ist laut Costolo der stärkste Anstieg in fünf Quartalen. Zum Vergleich: Ausgerechnet in dem Quartal, in dem der Börsengang die volle Aufmerksamkeit auf Twitter gelenkt hatte, war der Dienst um lediglich 9 Millionen Nutzer gewachsen. Twitter hatte massiv auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gesetzt, um Nutzer anzulocken. Viele Spieler auch aus dem deutschen Weltmeister-Team griffen auf den Dienst zurück, um Fotos zu teilen.

Nun konnte das Management sogar seine Jahresprognose anheben. Es erwartet einen Umsatz von bis zu 1,33 Milliarden Dollar. Zuvor hatte die Erwartung bei maximal 1,25 Milliarden Dollar gelegen.
Die Anleger achten penibel auf die Nutzerzahlen, denn sie haben die grundsätzliche Sorge, dass Twitter von anderen Online-Netzwerken wie Facebook ausgebootet werden könnte. Die jetzige Begeisterung lässt sich einfach erklären: Je mehr Nutzer zu Twitter strömen, so die Logik, desto mehr Werbeeinnahmen werden auf Dauer fließen.
Facebook ist mit dieser Taktik zu einem hochprofitablen Unternehmen herangewachsen. Das größte aller Online-Netzwerke kam zuletzt auf 1,32 Milliarden Nutzer - ein Zuwachs von rund 40 Millionen im Quartal - und verdiente 791 Millionen Dollar.
Vom Geld verdienen konnte Twitter indes im vergangenen Quartal nur träumen. Wegen der aktienbasierten Vergütung der Mitarbeiter rutschte das Unternehmen sogar noch tiefer in die Verlustzone - und zwar von einem Minus von 42 Millionen vor einem Jahr auf 145 Millionen Dollar.
Ohne diese Aufwendungen wäre die Firma profitabel gewesen, rechnete Twitter vor. (mit Reuters und dpa)


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