Interview mit Rolf Christof Dienst : „Wir sind nicht am Ende“

Der Private-Equity-Experte Rolf Christof Dienst über teure Kredite, sinkende Renditen und die Rolle der Banken.

Rolf Christof Dienst
Der Private-Equity-Experte Rolf Christof Dienst. -Foto: Promo

Herr Dienst, wird die Krise auf dem amerikanischen Immobilien- und Kreditmarkt den Finanzinvestoren einen Strich durch die Rechnung machen?

Von dieser Krise sind nicht nur die Private-Equity-Gesellschaften betroffen, sondern die gesamte Finanzbranche ist involviert. Erschreckend ist, dass auch eine deutsche Mittelstandsbank wie die IKB sich mit amerikanischen Hypothekenkrediten verspekuliert hat. Aber die Probleme sind erkannt. Ich glaube nicht, dass sich die Krise ausweitet. Die Banken sind vorsichtiger geworden und werden Risiken anders einschätzen.

Es gibt keine Kreditklemme bei der Finanzierung von Fusionen und Übernahmen (M&A)?

Nein, allerdings werden sich die Finanzierungsbedingungen ändern, sowohl für Private-Equity-Gesellschaften als auch für strategische Investoren. Schon seit Herbst 2006, als klar wurde, dass sich die Situation auf dem US-Häusermarkt verschärfen wird, sind einzelne Finanzierungen schwieriger geworden. Das hat sich in den letzten Wochen ausgeweitet. Das ist eine gesunde Zäsur, ein natürlicher Marktmechanismus.

Manche sagen, es könnte viel mehr werden: ein Kollaps des weltweiten M&A-Geschäfts…

Das glaube ich nicht. Wir sind nicht am Ende. Es ist weiterhin viel Geld auf dem Markt und es wird weiter gekauft und verkauft werden.

Aber zu anderen Konditionen?

Sicher werden wir andere Finanzierungskonditionen sehen, da sich hier die geänderten Bedingungen und die neu bewerteten Risiken niederschlagen werden. Es wird mehr Eigenkapital ins Spiel kommen – vom privaten Hausbau bis zur großen Private-Equity-Transaktion. Das heißt, die Banken werden nicht mehr mit 70 oder 80 Prozent ins Risiko bei Unternehmenskäufen gehen, sondern nur noch mit 60 oder 70 Prozent. Die Fonds werden mehr eigene Mittel aufbringen müssen.

Das macht die Unternehmen, die übernommen oder fusioniert werden, billiger und drückt zugleich die Renditen für die Finanzinvestoren.

Ja. Der Druck auf die Renditen wächst. Aber das ist kein Kollaps, sondern eine natürliche Marktreaktion nach den äußerst lukrativen vergangenen Jahren. Die Banken und Private-Equity-Gesellschaften gehen einigen Risiken aus dem Weg, die man bis vor Kurzem noch eingehen konnte. Es hat vereinzelt Übertreibungen gegeben, die nun ein Ende haben. Die Renditeerwartungen werden auf ein Normalmaß zurückgehen.

Heißt das, dass die Investoren mehr Verantwortung für das Management der Firmen übernehmen müssen, die sie kaufen – statt auf die Hebelwirkung ihrer Fremdfinanzierung zu setzen?

Natürlich, aber das war in der Vergangenheit nicht anders. Reines „Financial Engineering“ bringt keine ausreichende Rendite. Die Unterstützung des Managements und die strategische Beratung gehören zu jeder Transaktion, denn hierdurch werden Werte gesteigert. Es wird im übrigen – unter verschärften Bedingungen – so sein wie immer: Wer seinen Anlegern nach fünf oder sieben Jahren keine ordentliche Rendite vorweisen kann, wird künftig kein Geld mehr bekommen.

Werden die internationalen Finanzinvestotoren, die gerade erst den deutschen Markt entdeckt haben, sich jetzt wieder zurückziehen?

Die zu erwartenden Änderungen der Finanzierungsbedingungen bei Übernahmen und Fusionen sind eine weltweite, kein deutsche Entwicklung. Die Private-Equity-Gesellschaften werden wie beschrieben vorsichtiger und konservativer agieren und finanzieren. Aber deswegen werden sie keinen einzelnen nationalen Märkten den Rücken kehren.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Rolf Christof Dienst ist seit April 2007 Vorstandschef des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und Mitgründer der Beteiligungsfirma Wellington.

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