Kapitalmarkt : Globale Geldvernichtung an den Aktienmärkten

Weltweit haben die Börsen teils dramatische Kursverluste wegstecken müssen. Die US-Hypothekenkrise verstärkt die Verunsicherung an den Börsen und führt zu Panik-Reaktionen.

Peter Bauer[dpa]

New YorkDie amerikanische Hypothekenkrise hat den globalen Aktienmärkten seit ihrem Hoch im Juli Billionen-Verluste gebracht. Die Verkaufswelle an den Börsen hat sich noch weiter beschleunigt. Es gab gewaltige Kursverluste in praktisch allen Märkten.

Allein an der Wall Street hat es seit dem Höhepunkt der langjährigen Hausse im Juli bisher Gesamtverluste von mehr als zwei Milliarden Dollar gegeben. Der Dow-Jones-Index ist um über acht Prozent auf unter 13.000 Punkte abgesackt. Die Billionen-Gesamtverluste an den Börsen in Europa, Asien und Lateinamerika dürften insgesamt noch höher sein als die der Wall Street, da die US-Aktienbörsen nicht einmal mehr die Hälfte der globalen Börsenwerte repräsentieren. Ein Ende der weltweiten Talfahrt ist noch nicht abzusehen.

Die Krise an den Finanzmärkten hat die Angst vor Auswirkungen auf die amerikanische und die bisher auf Hochtouren laufende Weltwirtschaft verstärkt. Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson hat im Interview des "Wall Street Journals" erstmals konzediert, dass der scharfe Abschwung der Finanzmärkte "bei der Wachstumsrate der amerikanischen Wirtschaft eine Strafe fordern wird". In anderen Worten: Die weltgrößte Industriemacht, deren Wirtschaftswachstum in diesem Jahr nur noch etwas mehr als zwei Prozent erreichen dürfte, befindet sich in der konjunkturellen Gefahrenzone. Allerdings glaubt Paulson, ein früherer angesehener Investmentbanker von der Wall Street, dass die Wirtschaft und die Märkte stark genug sind, die Verluste aufzufangen ohne eine Rezession in den USA auszulösen.

Leitzins in den USA soll gesenkt werden

Wirtschaftsexperten fordern angesichts der Gefahren für die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft von US-Notenbankchef Ben Bernanke und seinen Kollegen eine sofortige starke Senkung der seit mehr als einem Jahr bei 5,25 Prozent liegenden Leitzinsen. Bernanke befindet sich jedoch in einem Dilemma. Er zögert wegen der unübersehbaren Inflationsgefahren im eigenen Land. Außerdem wollen Paulson und Bernanke offensichtlich den Investoren aus aller Welt nicht aus der Patsche helfen, die mit ihrer Sucht nach höheren Gewinnen riskante Investments bei den inzwischen unverkäuflichen US-Hypothekenpapieren niedriger Bonität und bei anderen risikoreichen Anlagen gemacht hatten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Notenbanken in aller Welt hatten in den vergangen Tagen mehr als 300 Milliarden Euro als kurzfristige Finanzspritzen in die Geldmärkte gepumpt, um die beispiellosen kurzfristigen Liquiditätsengpässe zu beseitigen. Dies hat aber die Kreditvergabe-Bereitschaft der Banken und anderen Geldgeber sowie der institutionellen Anleger nicht erhöht.

Staatsanleihen im Trend

Im Gegenteil: Sie vermeiden jegliche Titel mit dem geringsten Bezug auf US-Hypotheken um jeden Preis. Es gibt momentan einen beispiellosen Ansturm auf die als sicher eingeschätzten kurzfristigen festverzinslichen Staatstitel in den USA und in anderen Ländern. Dagegen müssen kurzfristige und längerfristige Schuldscheine und Unternehmensanleihen nun viel höher verzinst werden, um Abnehmer zu finden. Der noch im Juni voll geöffnete Geldhahn für spekulative Hedge Fonds und für Mammut-Akquisitionen der Privatinvestoren in aller Welt ist inzwischen fast völlig zugedreht worden.

Deutsche Exporteure wie beispielsweise die Luxuswagenanbieter Mercedes, BMW, Audi und Porsche, die bisher im amerikanischen Markt toll zugelegt hatten, müssen sich nach Ansicht von Marktbeobachtern langsam über die Entwicklung im wichtigen US-Markt Sorgen machen. Was geschieht mit ihren US-Verkäufen, wenn der Kurseinbruch an der Wall Street, der scharfe Rückgang der US-Immobilienpreise, die beispiellose Kreditverknappung und andere negative Trends mit harten Auswirkungen auf die amerikanischen Konsumenten weitergeht und die Konsumenten bei ihren meist auf Pump erfolgten Käufen Zurückhaltung üben? Die US-Verbraucher repräsentieren mit ihren Ausgaben zwei Drittel der US-Gesamtwirtschaft. Igeln sie sich mit ihren Ausgaben ein, ist es um die US-Konjunktur schlecht bestellt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben