Konjunktur : Deutschland droht historische Rezession

Die Prognosen der Konjunkturforscher für das kommende Jahr werden immer düsterer. Die deutsche Wirtschaft stehe vor einer Rezession historischen Ausmaßes und werde um zwei Prozent schrumpfen, prognostiziert das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung aus Essen.

Berlin - Derzeit sinke das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schon das dritte Vierteljahr in Folge, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin schätzt. Allerdings geht es von einer Besserung der Lage ab Mitte 2009 aus.

Ein Rückgang der Summe aller neuen Produkte und Dienstleistungen um zwei Prozent wäre der schlechteste Wert seit Gründung der Bundesrepublik 1949. Noch im Oktober hatte das RWI ein Plus von 0,2 Prozent vorhergesagt. Seither sind nahezu alle Ökonomen deutlich pessimistischer geworden. Die Finanzkrise wirke sich weitaus stärker auf die Weltwirtschaft aus als zuvor absehbar, sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Der Export, bisher Stütze der Wirtschaft, werde zurückgehen. Erst gegen Jahresende sei mit einer Erholung zu rechnen. Zudem würden die Firmen ihre Investitionen um zehn Prozent zurückfahren.

Daher rechnet das RWI auch mit deutlichen Konsequenzen für den Jobmarkt. „Die Zahl der Arbeitslosen dürfte bis zum Jahresende um fast 600 000 zunehmen“, schreiben die Ökonomen. Entlastung versprechen sie sich aber durch den geringeren Preisdruck – die Inflationsrate werde wegen der gefallenen Rohstoffpreise nur noch bei 0,9 Prozent liegen, hieß es.

Angesichts der trüben Aussichten forderte das RWI die Regierung auf, ihr Konjunkturpaket nachzubessern. Die Bürger könnten etwa über eine Reform der Einkommensteuer um 25 Milliarden Euro entlastet werden. „Dadurch könnte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder ein positives BIP-Wachstum erreicht werden“, heißt es. Die Politik habe es in der Hand, den Abschwung zu begrenzen.

Auch das DIW schätzt die Lage schlimmer ein als noch vor einem Monat. Für das vierte Quartal erwarten sie nun kein Plus von 0,2 Prozent, sondern ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Bereits zwischen April und Juni und zwischen Juli und September war das deutsche BIP geschrumpft. Allerdings könne es von Mitte nächsten Jahres an wieder aufwärts gehen, dann sei mit einer Trendwende zu rechnen, sagte Konjunkturexperte Stefan Kooths.

Das findet auch Allianz-Chefökonom Michael Heise. Zwar sei 2009 ein BIP-Minus sogar von mehr als zwei Prozent möglich, wenn der Export weiter so stark zurückgehe. Für wahrscheinlich hält er aber „eine kurze scharfe Rezession mit einer Erholung im Verlauf von 2009“. Dafür sprächen der schwache Euro, das billige Öl, die niedrigen Zinsen und die weltweiten Konjunkturpakete. brö/dpa

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