Konjunktur : Notenbank senkt US-Leitzins

In den USA hat die Notenbank zum ersten Mal seit vier Jahren den Leitzins gesenkt. Der Satz für Tagesgeld fiel um 0,50 Prozent auf 4,75 Prozent festgelegt. Der Schritt gilt als Folge der Hypothekenkrise.

WashingtonIn Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hat die US-Notenbank "Fed" den Leitzins deutlich gesenkt. Der Satz wurde um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gemindert. Eine Zinssenkung um mindestens einen Viertelpunkt war als Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten erwartet worden. Seit Juni 2006 hatten die US-Notenbanker den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent gelassen. In seinem Statement verwies der Offenmarktausschuss der Fed zur Begründung der Zinssenkung "Störungen an den Finanzmärkten". Direkt nach der Ankündigung stieg der Kurs des Euro in New York auf den Rekordwert von 1,3970 Dollar.

Analysten hatten übereinstimmend damit gerechnet, dass die Notenbank den Leitzins um einen Viertel- oder einen halben Prozentpunkt absenken werde, um die Schockwellen der US-Immobilienkrise für das Finanzsystem abzudämpfen. Die Fed erklärte zu ihrer Zinsentscheidung: "Der heutige Schritt soll dazu beitragen, einige der nachteiligen Folgen für die Gesamtwirtschaft abzuwenden, die andernfalls aus der Störung der Finanzmärkte erwachsen könnten." Zudem solle durch das billigere Geld ein "moderates Wirtschaftswachstum" sichergestellt werden. "Der Engpass auf den Kreditmärkten hat das Potenzial, die Korrekturentwicklung auf dem Immobilienmarkt zu intensivieren und das Wirtschaftswachstum zu beschränken", hieß es weiter in der Erklärung.

Schwere Entscheidung

Die Fed sah sich bei ihrer Entscheidung in einem Dilemma: Einerseits gelten Zinssenkungen als konjunkturfördernd, weil sie die Geldbeschaffung billiger machen. Ein rascherer Geldfluss dürfte die Schwierigkeiten bei der Kreditfinanzierung lockern, die durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt entstanden ist. Dass sich viele Banken und Fonds mit faulen Hypothekenkrediten von US-Hausbesitzern mit schwacher Bonität verspekuliert hatten, hat dazu geführt, dass sich die Banken untereinander aus Angst vor möglichen Pleiten immer weniger Geld liehen. Für die Bankkunden wird dadurch die Kreditvergabe schwieriger.

Andererseits wollte die Fed nach Einschätzung von Analysten den Eindruck vermeiden, durch die Zinssenkung Spekulanten aus der Klemme zu helfen. Gerade die Niedrigzins-Politik der 90er Jahre hatte zu einem Boom auf dem Immobilien-Markt geführt. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken bei der Notenbank Geld leihen. Da die Banken die Kosten an ihre Kunden weiterreichen, verbilligen oder verteuern sich bei einer Leitzinsänderung auch die Kredite für die Verbraucher. (mit dpa)

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