Konjunkturpakete : Steinbrück sieht Gefahr einer weltweiten Inflation

Dem jüngsten Tiefstand der Inflationsrate zum Trotz hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor einer weltweiten Geldentwertung gewarnt. Zumindest mittelfristig müssten den Märkten die Milliardensummen aus den Konjunkturprogrammen wieder entzogen werden.

Berlin"Es wird so viel Geld in den Markt gepumpt, dass die Gefahr einer Überlastung der Kapitalmärkte und einer weltweiten Inflation im Wiederaufschwung drohen könnte", sagte Steinbrück der BILD-Zeitung. Kurzfristig sehe er eine Inflation zwar nicht, sagte er. "Mittelfristig müssen wir uns aber darum kümmern, wie wir die Milliarden an Liquidität wieder aus der Welt bekommen, die wir jetzt in die Wirtschaft pumpen." Das werde eine besondere Herausforderung für alle Zentralbanken, also auch für die Europäische Zentralbank.

Der Steuer- und Finanzexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Ralph Brügelmann, nannte im Deutschlandradio Kultur die Sorge vieler Bürger vor einer Inflation "nicht ganz unberechtigt". Eine Hyperinflation drohe jedoch nicht, sagte der Brügelmann. Dabei handelt es sich um eine unkontrollierbare Inflation mit extrem steigendem Preisniveau. Erst vor wenigen Tagen hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bekanntgegeben, dass in Deutschland die Jahresteuerung im März auf dem niedrigsten Wert seit fast zehn Jahren lag. Die Rate von 0,5 Prozent entspricht dem Stand von Juli 1999.

Steinbrück: Vorerst kein drittes Konjunkturprogramm

Zu klugen Investitionsprogrammen gebe es derzeit zwar keine vernünftige Alternative, sagte der Finanzminister. Grundsätzlich müsse aber verhindert werden, "dass wir weltweit mit den enormen schuldenfinanzierten Gegenmaßnahmen die nächste Krise auf den Weg bringen", so Steinbrück. Forderungen nach einem dritten Konjunkturprogramm erteilte er vorerst eine Absage. "Wir sollten abwarten, welche Kraft unsere bereits beschlossenen Maßnahmen entfalten und nicht schon wieder zappelig werden", sagte er. Einen "ständigen Überbietungswettbewerb" in dieser Frage lehne er ab.

Dagegen forderte Verdi-Chef Frank Bsirske weitere öffentliche Investitionen und Steuererhöhungen für Reiche. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen, immer mehr Insolvenzen und düsterer Wirtschaftsprognosen reichten die bisherigen Konjunkturpakete nicht aus, schrieb der Gewerkschaftschef in einem Gastbeitrag für die Sächsische Zeitung. Das koste zwar Geld und werde zu neuen Schulden führen. "Aber wer jetzt knausert, wird später einen wesentlich höheren Preis zahlen müssen", schrieb Bsirske. (rf/dpa)

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