Konjunkturprognose : Beim Schwarzmalen in Führung

Volkswirt Norbert Walter revidiert seine Prognose. Er sieht die Aussichten für die Konjunktur noch düsterer als zuvor. Doch das Orakel der Deutschen Bank liegt keineswegs immer richtig.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Neben Josef Ackermann ist Norbert Walter wohl der bekannteste Mitarbeiter der Deutschen Bank. Anders als sein Chef bewegt sich der 64-jährige Vollbartträger aber gern und häufig auf der öffentlichen Bühne. Am Montag wurde der Chefvolkswirt wieder einmal von Sender zu Sender gereicht. Der Grund: seine neue, sehr düstere Konjunkturprognose. „Die deutsche Wirtschaft wird nur dann 2009 um lediglich fünf Prozent schrumpfen, falls wir ab Sommer einen richtigen Aufschwung haben“, gab er in „Bild“ bekannt.

Walter bleibt damit an der Spitze der Schwarzseher. Zuletzt hatte er das Minus auf vier Prozent beziffert. „Alle bisherigen Konjunkturprognosen werden bis Ostern überholt sein“, sagt er nun. Regierungssprecher Thomas Steg erwiderte, der Bund halte an einem Minus von 2,25 Prozent fest, weil belastbare Daten fehlten. „Da setzen wir doch auf eine gewisse Stetigkeit und nicht auf eine kurzatmige Anpassung von irgendwelchen Prognosen“, ätzte Steg. In der Tat nennt Walter weder konkrete Daten noch Gründe für seinen krassen Pessimismusschub.

Seit fast 19 Jahren leitet er die volkswirtschaftliche Abteilung der Bank. Der einstige Vorstandssprecher Hilmar Kopper hatte ihn vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel geholt, wo er 16 Jahre lang tätig war. Walter gibt weder den nüchternen Ökonomen noch den zurückhaltenden Bankier. Er stehe mit beiden Beinen im Leben, sagt er von sich selbst. Als Ältester von fünf Geschwistern in einer armen Familie in Unterfranken geboren, habe er als Schüler beim Bauern gearbeitet, später als Student in einem Chemiewerk. Das habe ihm Bodenhaftung, Demut, aber auch Managementkompetenz gelehrt, erzählt der gläubige Katholik. Und die Überzeugung, dass man Dinge beim Namen nennen muss. „Eine so dramatische Situation wie heute habe ich in meinen 64 Jahren nicht erlebt“, sagte er vor zwei Monaten – und nun findet er alles noch dramatischer.

Mag sein, dass er diesmal recht behält. Doch das Orakel der Deutschen Bank – unter dem Logo des Instituts betreibt er seine eigene Homepage „Walters Web Winkel“ – liegt keineswegs immer richtig. Es ist gerade mal ein Jahr her, dass er unter dem Titel „Kein Grund zur Panik“ erläuterte, warum die Krise in den USA auf die Banken und die Baubranche beschränkt bleibe. Auch werde es keinen dramatischen Abschwung der Weltwirtschaft geben, schrieb er. „Wir wollen mal hoffen, dass 2009 keine Rezession kommt“, sagte er erst vor einem halben Jahr und sprach sich gegen ein Konjunkturprogramm aus. Rolf Obertreis

www.norbert-walter.de

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