Kreditangebote : Banken kassieren bei Kunden ab

Obwohl die Banken von der Europäischen Zentralbank mit billigem Geld überschüttet werden, müssen die Kunden für einen Ratenkredit immer mehr ausgeben.

Heike Jahberg
310200_0_e3225ac8.jpg
Leicht zu haben, aber teuer: Je höher die Summe, desto teurer der Kredit. Auch Alter und Einkommen spielen eine Rolle. -Foto: ddp

Berlin - Für einen fünfjährigen Konsumentenkredit mussten die Verbraucher im Oktober über sieben Prozent Zinsen zahlen, im April waren es noch sechs Prozent gewesen, Tendenz steigend. „Im November haben die Zinsen weiter angezogen“, sagte Finance-Scout-Chef Errit Schlossberger dem Tagesspiegel. „Wir rechnen damit, dass dieser Trend anhält.“ Verbraucherschützer sind empört. „Die Banken bekommen das Geld günstig von der Europäischen Zentralbank und geben es teuer an die Verbraucher weiter“, kritisierte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV).

Über 500 Milliarden Euro hat die EZB den Banken in diesem Jahr zur Verfügung gestellt – zum historisch niedrigen Zinssatz von einem Prozent. Die Institute sollten dieses Geld günstig an Geschäfts- und Privatkunden weiterreichen und so die Wirtschaft am Laufen halten. Bei den Verbrauchern sind die Entlastungen aber nicht angekommen. „Für Schuldner sind Überziehungs- und Ratenkredite teurer geworden, für Anleger sind die Spar- und Einlagenzinsen niedrig geblieben“, ärgert sich Pauli. „Die Banken haben sich mit diesem Geld günstig refinanziert.“

Dass Kredite demnächst noch teurer werden, dürfte feststehen. Denn jetzt will die EZB den Geldhahn allmählich zudrehen. Am Montag forderte Bundesbank-Chef Axel Weber einen Ausstieg aus den immensen Soforthilfen. Derzeit gebe es durch die „ultraexpansive“ Geldpolitik sehr viel Liquidität am Markt, kritisierte Weber. Die EZB, bei der Weber Ratsmitglied ist, werde Anfang Dezember darlegen, welche Maßnahmen in der Geldpolitik eingeleitet würden. Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Anfang des Monats bereits angekündigt, die „unkonventionellen Maßnahmen“ auslaufen zu lassen.

Die Bedeutung der EZB bei der Refinanzierung der Banken werde überschätzt, sagte Lars Hofer vom Bundesverband deutscher Banken und wies die Kritik der Verbraucherschützer zurück. „Der Anteil der Notenbank liegt unter zehn Prozent.“ Wenn sich Banken untereinander Geld leihen, seien die Zinsen höher. Zudem seien wegen der Kurzarbeit und der steigenden Arbeitslosigkeit die Risiken gestiegen, dass Kredite nicht zurückgezahlt werden. Das führe zu steigenden Zinsen.

Wie hoch die Zinsen tatsächlich sind, hängt vom Einzelfall ab. Nach der Untersuchung von Finance Scout zahlen Gutverdiener für einen Kredit weniger als Menschen mit geringem Einkommen, ältere Kunden kommen günstiger davon als junge. Der Internetdienst hat die Kreditabschlüsse von zehn Top-Banken untersucht. Diese Institute haben nach Angaben des Internetportals im Geschäft mit Ratenkrediten einen Marktanteil von 30 Prozent.

Verbraucherschützer Pauli rät Kunden dazu, die Kreditangebote zu vergleichen. Doch das ist schwer. Die meisten Banken werben mit Zinsspannen. Die dort genannten günstigsten Zinsen bekommen Verbraucher aber so gut wie nie. Das soll sich ändern. Im Sommer nächsten Jahres tritt die neue Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft. Danach dürfen Kreditinstitute nur mit solchen Zinssätzen werben, die mindestens zwei Drittel der Kunden auch tatsächlich bekommen können.

310202_0_465e9b97.jpg
310303_0_123dddb2.jpg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben