Kreditvergabe : Banken tricksen Geschäftskunden aus

Einige Banken verteuern seit kurzem ihre Kredite: Sie fordern Zinsen für Gelder, die gar nicht abgerufen werden.

Philip Faigle

Für Stefan Schmidt* geht es um einige Hundert Euro pro Jahr. Vor wenigen Tagen hielt er ein Schreiben der Deutschen Bank in der Hand, in dem das Institut ihm mitteilte, es habe die Kreditkonditionen zu seinem Nachteil verändert: Ab dem 1. Juli müsse die Bank auf den Überziehungskredit des Geschäftskontos seiner Firma ein Prozent Zinsen berechnen – und zwar für den Teil, den Schmidt überhaupt nicht abruft.

Zum besseren Verständnis: Es geht nicht um Zinsen, die eine Bank deshalb erhebt, weil der Kunde sein Geschäftskonto überzieht. Solche Zinsen betragen ähnlich wie Dispo-Zinsen im Privatkundengeschäft oftmals zehn Prozent oder mehr. Schmidt soll künftig auch Zinsen für die Summe zahlen, die ihm die Bank zur Verfügung stellt – ohne dass er sie in Anspruch nimmt. Zur Begründung führt das Institut "veränderte Preiskalkulationen am Markt" an. Im Vergleich zu anderen Anbietern sei das aber noch günstig.

Schmidt ist hierüber verärgert. "Das ist ein Unding", sagt er. Der Chef eines Handelsbetriebs, seit Jahren Kunde der Deutschen Bank, beschwerte sich bei seinem Berater. Offenbar war er nicht der einzige unzufriedene Kunde, denn in der Zentrale der Bank in Frankfurt reagiert man nervös auf Fragen nach Schmidts Fall.

Zwar rechtfertigt eine Sprecherin das Vorgehen damit, derlei Provisionen seien im Markt "nicht unüblich". Sogleich schiebt sie aber hinterher, es habe sich lediglich um eine "regional begrenzte" Aktion gehandelt. Wie viele Kunden Post von der Deutschen Bank erhalten hätten, könne man nicht sagen.

Warum die Deutsche Bank nur im Raum Hamburg ihre Konditionen verschlechterte, ist unklar. Eine Vermutung lautet, dass andere Banken in der Region die Gebühr eingeführt hatten, woraufhin die Deutsche Bank es der Konkurrenz gleichtat. Die Hamburger Sparkasse etwa räumt ein, man kassiere seit kurzem ebenfalls 0,5 Prozent Zinsen der Summe, die man den Geschäftskunden zur Überziehung einräume.

Man komme nicht umhin, "die Kostenfaktoren, die für die Bereitstellung einer Kreditlinie eine Rolle spielen, in den Konditionen zu berücksichtigen", heißt es aus der Unternehmenszentrale. Ob auch noch andere deutsche Institute ihre Kredite auf diese Weise verteuern, weiß man beim Bundesverband der Banken nicht zu sagen. Die Banken seien für die Preisgestaltung im Kreditgeschäft selbst verantwortlich, heißt es aus der Lobbyorganisation.

Die deutschen Banken stehen derzeit ohnehin in der Kritik. Die Politik wirft ihnen vor, zu zögerlich Kredite zu vergeben. Auch die Wirtschaft klagt. "Immer mehr Unternehmen fehlt es an Liquidität", sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Heinrich Driftmann,  ZEIT ONLINE. Viele Firmen bekämen keinen Kredit mehr, weil die "Anforderungen der Banken an die Sicherheiten" gestiegen seien. Mehr als jedes vierte Unternehmen klage über zu hohe Anforderungen bei Zins und Sicherheiten.

Die Deutsche Bank bemüht sich angesichts der aktuellen Diskussion, die Wogen über die Vorfälle in Hamburg zu glätten. Man sei bemüht, mit "jedem Kunden eine einvernehmliche Lösung zu finden", teilte die Sprecherin des Instituts mit.

* Name von der Redaktion geändert

Quelle: ZEIT ONLINE, 17.7.2009

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