Krisenbank : Steigende Verluste bei IKB

Die krisengeschüttelte Mittelstandsbank IKB verbucht neue hohe Verluste und hängt weiter am Tropf der staatlichen Förderbank KfW. Die Bundesregierung beobachtet das Desaster derzeit sehr genau. Es heißt aber, man sehe keinen Handlungsbedarf.

Düsseldorf Die IKB muss weitere 590 Millionen Euro auf sogenannte strukturierte Wertpapiere abschreiben, wie sie mitteilte. Der Verkauf eines milliardenschweren Wertpapierpakets ist offenbar wegen der Lage an den Finanzmärkten ausgesetzt worden. Auch der IKB-Jahresverlust fällt deutlich höher aus als zuletzt erwartet.

Die neuen Bewertungsverluste der IKB schlagen zum großen Teil auf das Eigenkapital durch. Zum Ausgleich stellt der Großaktionär KfW der IKB wie vorgesehen 450 Millionen Euro bereit. Erst Mitte Februar hatte die IKB von der KfW eine Kapitalspritze von 600 Millionen Euro erhalten. Die Aktie wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt. Sie brach danach in der Spitze um fast 14 Prozent auf das Rekordtief von 4,36 Euro ein.

Der IKB-Vorstand erwartet nun für das Ende März ablaufende aktuelle Geschäftsjahr einen Konzernverlust in der Größenordnung von 800 Millionen Euro. Die Bank hatte ursprünglich einen Verlust von 700 Millionen Euro angekündigt. Mitte Februar wurde die Prognose dann auf 550 Millionen Euro Verlust korrigiert. Als Grund wurden damals zuvor unberücksichtigte positive und negative Bewertungseffekte genannt.

KfW will trotz Hiobsbotschaften helfen

Die KfW-Bankengruppe hält trotz der neuen Hiobsbotschaften aus Düsseldorf am Verkauf ihrer IKB-Anteile fest. "Der Verkaufsprozess geht weiter", sagte eine Sprecherin in Frankfurt. Die KfW hält gemeinsam mit einer Stiftung rund 50 Prozent der IKB-Anteile. Durch eine geplante Kapitalerhöhung könnte der Anteil auf rund 90 Prozent steigen. Die neue Finanzspritze für die IKB von 450 Millionen Euro ist Teil eines bereits im Februar vereinbarten Rettungspakets. Dem Vernehmen nach hat die KfW keine weiteren Rückstellungen für die jüngste IKB-Hilfe bilden müssen.

Von der Bundesregierung hieß es, man sehe aktuell keinen Handlungsbedarf. Die Entwicklung bei der IKB werde aber sehr genau beobachtet, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Glos ist Vorsitzender des KfW-Verwaltungsrates.

Verkauf milliardenschweren Wertpapierpakets ausgesetzt

Nach IKB-Informationen setzt der Vorstand den geplanten Verkauf eines milliardenschweren Wertpapierpakets wegen der Lage an den Finanzmärkten vorübergehend aus. An dem Plan, dieses Paket zu verkaufen, werde festgehalten. Dabei handele es sich um den risikoreichen Teil des Bestandes, der strukturierte Wertpapiere im Nennwert von 3 Milliarden Euro umfasse. Darauf müssten angesichts der Lage an den Finanzmärkten voraussichtlich weitere rund 450 Millionen Euro abgeschrieben werden. Für den als sicherer eingestuften Teil des Wertpapierbestandes im Nennwert von 2,8 Milliarden Euro würden weitere Bewertungsverluste von 140 Millionen Euro erwartet.

Die IKB war die erste Bank in Deutschland, die im Juli 2007 in den Sog der US-Hypothekenkrise geraten war. Der Großaktionär KfW startete eine großangelegte Rettungsaktion, an der sich unter anderem auch Bund und private Banken beteiligten. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank erhielt eine milliardenschwere Risikoabschirmung. Die IKB hatte mit den Zweckgesellschaften "Rhineland Funding" und "Rhinebridge" umfangreiche außerbilanzielle Risiken aufgebaut.

Für das Geschäftsjahr 2006/2007 hatte die IKB nach einer Korrektur zuletzt einen kleinen Überschuss von 37,9 Millionen Euro ausgewiesen. Die Hauptversammlung zum Geschäftsjahr 2006/2007 findet mit großer Verzögerung am kommenden Donnerstag in Düsseldorf statt. Das ist das erste Aktionärstreffen der IKB Deutsche Industriebank AG seit dem Ausbruch der internationalen Finanzmarktkrise und der IKB-Krise. (kj/dpa)

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