Kurseinbruch : Heftige Kritik am Vorstand von Hypo Real Estate

Wütende Aktionäre, ein Vorstand, der sich geschockt zeigt, und ein Übernahmeangebot, das von der Verwaltung als zu gering eingeschätzt wird. Auf der Hauptversammlung der Hypo Real Estate (HRE) am Dienstag in München war für Themenvielfalt gesorgt.

München„Kein Mensch hat mehr Vertrauen in das Unternehmen“, sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Ein Anwalt sah sogar „Anhaltspunkte für Pflichtverletzungen“.

Konzernchef Georg Funke hatte die Finanzmärkte im Januar mit hohen Belastungen aus der Finanzkrise schockiert. Die Abschreibungen fielen mit knapp 400 Millionen Euro zwar geringer aus als bei vielen anderen Banken. Allerdings kamen sie völlig unerwartet. Funke hatte zuvor den Eindruck erweckt, der Immobilienfinanzierer habe in der Branchenkrise kaum Blessuren davongetragen. Der Kurs brach daher um zeitweise mehr als ein Drittel ein, und hat sich seitdem nicht wieder richtig erholt. Funke betonte, die Kursreaktion sei für die Aktionäre wie auch für den Vorstand ein Schock gewesen. „Wir bedauern den Wertverlust.“ Um Entschuldigung bat er die Aktionäre allerdings nicht.

„Für mich ist es das größte Kommunikationsdesaster, dass ich bei einem Dax-Unternehmen je gesehen habe“, sagte Petersen vor 2000 Aktionären. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rief Funke zu einer „ehrlichen Entschuldigung“ auf. Beide forderten die Aktionäre auf, die Entlastung des Vorstandes zu verweigern, was aber nicht geschah: 95 Prozent des anwesenden Aktionärskapitals stimmten später für die Entlastung.

Aufsichtsratschef Kurt F. Viermetz sprach Konzernchef Funke das Vertrauen aus. „Das Management hat äußerst gewissenhaft und richtig gehandelt.“ Dem Vorstand sei kein Fehlverhalten in den relevanten Sachverhalten vorzuwerfen.“

Aufsichtsrat und Vorstand begrüßten das Interesse des US-Finanzinvestors J. C. Flowers, verzichten aber auf eine konkrete Empfehlung, ob die Aktionäre das Angebot annehmen sollten. Eine Investorengruppe um Flowers will den niedrigen Kurs für einen Einstieg nutzen und zum Preis von 22,50 Euro bis zu 24,9 Prozent der HRE-Papiere kaufen. Das wäre der größte Einstieg eines US-Finanzinvestors in ein Dax-Unternehmen. Für die HRE-Verwaltung liegt der „innere Wert“ der Aktie deutlich über den gebotenen 22,50 Euro.

Funke erhofft sich von dem neuen Großaktionär mehr Stabilität für das Unternehmen. Durch die Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa habe die Hypo Real Estate einen großen Sprung nach vorne gemacht. „Wir sehen in allen Geschäftsfeldern gute Perspektiven.“ Eine Prognose für das laufende Jahr wagte Funke allerdings nicht. ax(HB)/Tsp

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