LBB : Landesbank rutscht ins Minus

Die Berliner LBB schreibt im dritten Quartal deutliche Verluste. Die Lehman-Pleite kostet 90 Millionen Euro.

Stefan Kaiser
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Berlin - Die weltweite Finanzkrise hat nun auch die Landesbank Berlin (LBB) mit voller Wucht getroffen. Das Institut, das zum Großteil aus der Berliner Sparkasse besteht, ist in die roten Zahlen gerutscht. Für die ersten neun Monate des Jahres weist die LBB einen Verlust von elf Millionen Euro aus. Zum Halbjahr hatte sie noch deutlich im Plus gelegen.

Der Absturz kam im dritten Quartal, in dem die Bank einen Verlust von 128 Millionen Euro schrieb. „Die internationale Finanzkrise hat sich in der zweiten Septemberhälfte noch einmal deutlich verschärft“, ließ Konzernchef Hans-Jörg Vetter am Freitag mitteilen. „Infolge der Insolvenz von Lehman Brothers kam es zu einer dramatischen Zuspitzung der Situation.“ Allein die Pleite der US-Investmentbank hat die LBB 90 Millionen Euro gekostet, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Auch auf ihre Engagements in Island und bei der US-Sparkasse Washington Mutual, die Ende September zusammengebrochen war, musste die Landesbank Abschreibungen vornehmen. Alles in allem brachten die Finanzgeschäfte der Bank in den ersten neun Monaten Verluste von 470 Millionen Euro. Der Großteil davon fiel im dritten Quartal an.

In den Kerngeschäftsfeldern der Bank, bei Privatkunden, Firmenkunden und Immobilienfinanzierungen, seien dagegen „ordentliche Ergebnisse“ erzielt worden, teilte Bankchef Vetter mit. Der Zinsüberschuss stieg um 51 Prozent auf 878 Millionen Euro. Das Einlagevolumen erhöhte sich um 200 Millionen Euro. Deutlich besser als geplant sei das Geschäft mit der Finanzierung von Gewerbeimmobilien gelaufen. Hier habe man gegen den negativen Markttrend in den ersten neun Monaten eine Milliarde Euro Neugeschäft erreicht.

Ursprünglich hatte die LBB geplant, 2008 einen Gewinn vor Steuern von 250 Millionen Euro einzufahren, nach 291 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Nun liegt der Vorsteuergewinn nach neun Monaten bei gerade mal drei Millionen Euro. Seine Prognose aus dem Juli hatte Vetter deshalb bereits in der vergangenen Woche wieder kassiert. Nun sei „in der aktuellen Situation eine Vorhersage auf das Gesamtjahr seriös nicht möglich“, schrieb er am Freitag in einem Brief an die Aktionäre.

Die LBB, die bis 2006 Bankgesellschaft Berlin hieß, gehört seit dem vergangenen Jahr den 450 deutschen Sparkassen. Das Land Berlin hatte seinen Anteil von 81 Prozent für 5,3 Milliarden Euro an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) verkauft. Der Verkauf war auf Druck der EU-Kommission nötig geworden. Diese hatte die Milliardenhilfen moniert, die das Land der Bank 2002 gewährt hatte, um sie vor dem Bankrott zu retten.

An einer ähnlichen Rettungsaktion hat sich nun auch die LBB beteiligt. Wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, beteiligt sich die Bank mit bis zu 800 Millionen Euro an den Notkrediten für den angeschlagenen Dax-Konzern Hypo Real Estate. Der Immobilienfinanzierer war Ende September in Schieflage geraten und musste von einem Bankenkonsortium mit Krediten über insgesamt 50 Milliarden Euro vor dem Ruin gerettet werden. Die Kredite der Banken sind dabei größtenteils durch eine Bürgschaft des Bundes gesichert. Die LBB geht deshalb davon aus, dass sie das Geld zurückbekommt.

An den Fusionen im Landesbankensektor soll die LBB nach den Plänen der Sparkassen zunächst nicht teilnehmen. In einem jetzt bekanntgewordenen Beschluss der Verbandsvorsteher der regionalen Sparkassenverbände, der dem Tagesspiegel vorliegt, wird sie nicht erwähnt (siehe Kasten). DSGV-Präsident Heinrich Haasis hatte in der Vergangenheit betont, die LBB frühestens in einen zweiten Schritt des Fusionsprozesses einbringen zu wollen. „Wir haben die Bank nicht in einem Kraftakt erworben, um sie dann in einem Versuch der Neuordnung der Landesbanken untergehen zu lassen“, hatte Haasis im Frühjahr gesagt.

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