Lebensversicherung : Stabile Sache

Die Lebensversicherer trotzen der Finanzkrise und halten die Gewinnbeteiligungen konstant.

Heike Jahberg

Berlin - Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten halten die deutschen Lebensversicherer die Gewinnbeteiligung ihrer Kunden für das kommende Jahr stabil. Obwohl die Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere sinken und die Aktienkurse in den Keller gerauscht sind, zahlen die meisten Versicherer auch im kommenden Jahr eine laufende Überschussbeteiligung von mehr als vier Prozent. Rechnet man die zusätzlich versprochenen Schlussüberschüsse und die seit Anfang dieses Jahres gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu, ergibt sich sogar eine Gesamtverzinsung von über fünf Prozent.

„Die Branche kommt gut durch die Finanzkrise“, sagte Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes „map-Report“, dem Tagesspiegel. „Die Versicherer haben nur noch wenige Aktien und haben auch nicht viel mit Lehman-Zertifikaten herumgezockt.“ Die Unternehmen hätten aus der Finanzkrise 2002/2003 gelernt und seien heute deutlich vorsichtiger als früher. 2003 war die Mannheimer Versicherung als Folge des Börsencrashs pleite gegangen. Die Versicherer haben seitdem ihre Aktienquote deutlich reduziert: Obwohl gesetzlich ein Aktienengagement von bis zu 35 Prozent erlaubt ist, liegt die Aktienquote im Branchenschnitt bei nur noch acht Prozent.

Auch der Marktführer, die Allianz Lebensversicherung, hat seit Mitte des vergangenen Jahres kräftig Aktien verkauft und hat heute nur noch einen Aktienanteil von rund zehn Prozent, sagte der Chef der Versicherung, Maximilian Zimmerer. Die Allianz zahlt ihren Kunden für das nächste Jahr eine unveränderte Überschussbeteiligung von 4,5 Prozent. Hinzu kommen ein Schlussüberschuss von 0,6 Prozent sowie eine Beteiligung an den Bewertungsreserven. Die Gesamtverzinsung der Sparanteile liegt nach Angaben der Versicherung im kommenden Jahr damit bei 5,2 Prozent.

Die Debeka geht für ihre Kunden für das kommende Jahr sogar von einer Gesamtverzinsung von 5,6 Prozent aus. Allerdings sind davon nur 4,8 Prozent als laufende Zinsüberschussbeteiligung und Garantieverzinsung bereits heute sicher versprochen. Die R+V-Versicherung garantiert ihren Kunden für 2009 eine laufende Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent, rechnet inklusive Schlussüberschuss und Anteil an den Bewertungsreserven mit einer Gesamtverzinsung von über fünf Prozent. Die Axa kann da nicht mithalten. Ihre Überschussbeteiligung liegt – je nach Vertrag – zwischen 3,5 und vier Prozent, die Gesamtverzinsung erreicht unverändert bis zu 4,8 Prozent.

Zu den wenigen Versicherern, die die Zinsen senken, gehören die Hanse-Merkur und die Berlin-Brandenburgische Feuersozietät. Feuersozietät-Kunden erhalten für 2009 eine laufende Überschussbeteiligung von vier Prozent und damit 0,2 Prozent weniger als in diesem Jahr. Damit reagiert die Versicherung auf die Zinssenkungen an den Kapitalmärkten. Die Umlaufrendite für börsennotierte Bundeswertpapiere ist in den vergangenen Monaten kräftig gefallen und lag am Montag unter drei Prozent.

„Für die Versicherer kann es im nächsten Jahr schwierig werden, den Garantiezins von vier Prozent zu erwirtschaften“, fürchtet Lars Gatschke, Versicherungsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Viele Unternehmen hätten in der Vergangenheit gering verzinste langlaufende Wertpapiere gekauft. „Der Markt wird enger“, sagte Gatschke dem Tagesspiegel.

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