Moral : Der ehrbare Kaufmann kehrt zurück

Die Party ist vorbei, jetzt auch in der Finanzwirtschaft. Die Moral, so ist zu vermuten, wird künftig auch in den Banken großgeschrieben.

Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns schien bis zum Ausbruch der Finanzkrise vor allem für die Industrie und – als Reflex auf den Absturz der New Economy – für Technologiefirmen zu gelten. Banker und vor allem ihre komplizierten Produkte standen häufig außen vor. Über die Zerstörungskraft von Zertifikaten machte sich kaum jemand Gedanken. „Die Ethik der Banker spielte nur am Rande eine Rolle“, sagt Josef Wieland, Direktor des Konstanzer Instituts für Werte-Management. Es sei um die Umwelt, um Gehälter, um Korruption gegangen – bei Siemens, der Bahn und anderen. „Nun steht die Finanzwirtschaft im Zentrum“, sagt Wieland. „Das wird unser Wirtschaften verändern.“

Schon seit Aristoteles gehe es um die Frage: Was machen wir mit dem Geld? „Schließlich hängt unsere Existenz daran“, sagt der Ethik-Professor. Im Corporate Governance Kodex haben sich die börsennotierten deutschen Großkonzerne (darunter auch Banken), schon Leitbilder und Selbstverpflichtungen für verantwortliches Wirtschaften gegeben. Doch in der aktuellen Krise geht es nicht mehr nur um einzelne Unternehmen – es geht um die Legitimität des gesamten Systems. Das überfordert die meisten Manager. Wieland konstatiert deshalb eine neue „moralische Unübersichtlichkeit“. Überzeugende Beiträge aus der Wirtschaft fehlten bislang – und ein internationales Regelwerk. mot

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