Moralisch korrekt : Ethikbanken haben großen Zulauf

Banken, die sich ökologischen oder sozialen Zielen verpflichten, haben Zulauf – und verdienen gut.

Henrik Mortsiefer
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Die Rechnung muss aufgehen. Auch die Kunden der Ethikbank erwarten eine angemessene Rendite. -Foto: ddp

Berlin - Die Finanzkrise hat viele Bankkunden verunsichert und manchen Banker zum Nachdenken gebracht. Für einen Teil der Branche kam die Krise aber wie gerufen. So berichten Institute, die sich ökologischen oder sozialen Zielen verpflichtet fühlen, von einem regelrechten Kundenansturm. „Allein in den ersten beiden Monaten sind wir so stark gewachsen wie im gesamten letzten Jahr“, sagt Sylke Schroeder, Vorstandsmitglied der thüringischen Ethikbank, dem Tagesspiegel am Sonntag. „Seit Anfang des Jahres wird unser Girokonto sehr stark nachgefragt. Viele Verbraucher wenden sich bewusst von den etablierten Banken ab.“

Die Ethikbank wurde 2002 als Direktbank gegründet, die nur telefonisch oder per Internet erreichbar ist. Hinter dem Institut steht die Volksbank Eisenberg, eine der 1200 deutschen Volksbanken. Wie die größere Bochumer GLS-Bank oder die Umweltbank aus Nürnberg bietet die Ethikbank, was ihr Name verspricht: Sie investiert das Geld ihrer Kunden in nachhaltige Projekte oder „saubere“ Wertpapiere. Mit ihrem „Ethik-Research“, das von dem auf sozial-ökologische Unternehmensanalyse spezialisierten Imug-Institut eingekauft wird, gibt sich die Bank für ihre Anlagepolitik strenge Regeln. So kauft sie keine Aktien und Industrieanleihen von Unternehmen, die zum Beispiel Militärwaffen herstellen, Atomkraftwerke besitzen oder betreiben, Pflanzen oder Saatgut gentechnisch verändern oder Kinderarbeit zulassen.

Mit 8000 Kunden – davon 1500 Firmenkunden (vor allem Kleinunternehmen, gemeinnützige Organisationen, Stiftungen) – und einer Bilanzsumme von nur 75 Millionen Euro ist die Ethikbank die kleinste unter den Spezialisten. Die 1974 entstandene GLS-Bank zählt 66 000 Kunden, die an der Börse notierte und 1997 gegründete Umweltbank 74 000 Kunden.

„Es geht uns nicht um Größe“, sagt Sylke Schroeder. Aber: „Nachhaltigkeit heißt, dass ein wirtschaftlicher Anspruch erfüllt sein muss. Wir haben kein Kreuz auf dem Dach und wollen schwarze Zahlen schreiben.“ Das Ergebnisziel der Thüringer ist durchaus anspruchsvoll: Das Betriebsergebnis nach Bewertungen muss jedes Jahr bei 1,5 Prozent der Bilanzsumme liegen. In den vergangenen zwei Jahren ist dies gelungen. Auch 2009 wird gut laufen, versichert Sylke Schroeder. „Wir rechnen mit zweistelligem Wachstum.“

Nach ihrer Rechnung müsste die Deutsche Bank (Bilanzsumme: 2,2 Billionen Euro) pro Jahr 33 Milliarden Euro verdienen. Das schafft selbst Josef Ackermann nicht. Die öffentliche Erregung über sein Ziel, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreichen zu wollen, sieht die Ethikbankerin gelassen. „Unser Ziel ist auch nicht bescheiden, es liegt bei 20 Prozent – aber die Eigenkapitalrendite ist nicht die Größe, mit der wir die Bank steuern.“

Die drei Exoten der Bankbranche legen Wert darauf, dass man sie nicht mit „grünen“ oder anderen nachhaltigen Investmentfonds verwechselt, die auch von den meisten anderen deutschen Banken angeboten werden. Was dort mit dem Geld auf dem Girokonto oder dem Tagesgeldkonto passiert, bleibt Sache der Bank. „Die Kunden kommen nicht in erster Linie wegen der Konditionen zu uns oder weil sie ihr grünes Gewissen beruhigen wollen“, sagt Sylke Schroeder. „Es ist beides: die ökologisch-ethischen Kriterien, nach denen wir unser Geld anlegen, und eine halbwegs vernünftige Rendite.“

250 000 Euro will die Bank 2009 für Werbung ausgeben. „Wegen der Finanzkrise findet aktuell ein Umdenken in den Köpfen statt. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir für unser Angebot werben?!“, sagt Schroeder. Man wolle „den Rückenwind der Krise nutzen“. Das Ziel der Bankerin: „Ich fände es gut, wenn ethische Banken in fünf Jahren eine so große Bekanntheit wie Biolebensmittel hätten.”

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