Nach der Überweisungspanne : Suspendierte KfW-Vorstände bekommen weiter volles Gehalt

Weiche Landung: Die beiden wegen einer millionenschweren Überweisungspanne suspendierten Vorstände der bundeseigenen KfW Bankengruppe erhalten auch weiterhin ihre vollen Bezüge. Derzeit wird geprüft, ob der Fehler noch ein juristisches Nachspiel hat.

BerlinDie Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer seien bis zur endgültigen juristischen Klärung des Sachverhalts lediglich "beurlaubt", sagte eine KfW-Sprecherin am Mittwoch in Frankfurt am Main. Dies bedeute zwar, dass die Manager "von ihren arbeitsvertraglichen Pflichten freigestellt" seien. Jedoch bekämen sie weiterhin ihre bisherigen Gehälter in Höhe von jeweils 466.000 Euro, sagte die Sprecherin. Zusätzlich zu ihren regulären Bezügen erhielten die beiden Top-Manager geldwerte Vorteile und sonstige Bezüge in Höhe von 127.000 Euro, sagte die KfW-Sprecherin weiter. Bei den sonstigen Bezügen handle es sich um Nebenkosten wie die Beiträge des Arbeitgebers zur Sozialversicherung und Kfz-Nutzung.

Am Montag vergangener Wochen hatte die KfW kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Zuge eines Währungstauschgeschäfts 300 Millionen Euro an Lehman überwiesen. Aufgrund von Wechselkurseffekten entstand der Bank dadurch ein Verlust von 350 Millionen Euro. Die KfW hatte die Überweisungspanne mit einer Fehleinschätzungen der finanziellen Lage von Lehman Brothers seitens der verantwortlichen Mitarbeiter der bundeseigenen Förderbank begründet. Der KfW-Verwaltungsrat hatte Fleischer und Leinberger sowie den verantwortlichen Bereichsleiter für die Risikobewertung wegen der Überweisungspanne vom Dienst freigestellt.

Die KfW prüfe derzeit weiter, ob die Überweisungspanne eine juristisches Nachspiel für die Vorstände und den Bereichsleiter haben werde, sagte die KfW-Sprecherin weiter. Bei der internen Aufarbeitung der Angelegenheit seien bislang jedoch "keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten von Mitarbeitern gefunden" worden. Die KfW habe in den vergangenen Tagen "der Presse entnommen", dass bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige wegen des Verdachts auf Untreue gestellt wurde. Die interne Aufarbeitung der Frage habe jedoch "bereits begonnen, bevor die Anzeige erstattet beziehungsweise bevor davon in der Presse darüber berichtet wurde". Die KfW habe der Staatsanwaltschaft ihre "Kooperationsbereitschaft zugesichert", sagte die Sprecherin weiter. Die Ermittlungsbehörde prüfe derzeit noch ob ein Untreue-Verfahren gegen die KfW eingeleitet werde. Ein Berliner Anwalt hatte am Montag Strafanzeige wegen des Anfangsverdachts auf Untreue gegen Fleischer und Leinberger sowie gegen Unbekannt erstattet. (mfa/AFP)

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