Ökonom Burda : "Rezession tiefer als vom IWF erwartet"

Obama muss den Irak-Krieg schon aus finanziellen Gründen stoppen, sagt der US-Ökonom Michael Burda.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeichnet die wirtschaftliche Lage nach Einschätzung des in Berlin lehrenden US-Ökonomen Michael Burda eher noch zu optimistisch. "Deutschland und Europa stehen eindeutig vor einer Rezession, die auch noch tiefer ausfallen könnte, als der IWF jetzt prognostiziert", sagte Burda, der an der Humboldt-Universität lehrt. Der IWF hat gerade seine Prognose für 2009 nach unten korrigiert und erwartet nun, dass die Industrieländer erstmals seit 1945 in eine Rezession rutschen. In Deutschland soll das Minus 0,8 Prozent betragen.

Burda empfahl dem designierten US-Präsidenten Barack Obama, sich "nicht von den Banken über den Tisch ziehen lassen". So müsse der Rettungsfonds der amerikanischen Regierung geändert werden, damit die teilnehmenden Banken nicht weiter Dividenden und Boni zahlen könnten. Der politische Spielraum sei aber begrenzt. "Es werden noch viele Tränen fließen, und Obama kann kaum etwas tun, weil der amerikanische Staat so hoch verschuldet ist und die Steuereinnahmen in der Rezession zurückgehen." Mittelfristig müsse Obama die Militärausgaben senken, um den Haushalt zu entlasten. "Das Ende des Irak-Kriegs ist auch aus finanziellen Gründen zwingend."

In Europa könne es schon 2010 wieder aufwärts gehen. "Amerika bleibt Ausgangspunkt und Zentrum der Krise. Europa wird mittelfristig nicht so stark betroffen sein." Vor allem Deutschland könne vom EU-Binnenmarkt profitieren, "weil das Land für den Handel mit den aufstrebenden osteuropäischen Staaten perfekt positioniert ist". Hilfreich sei auch die Gemeinschaftswährung. "Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn alle europäischen Staaten ihre eigenen geld- und zinspolitischen Antworten hätten finden müssen. Der Euro verhindert Chaos."

Die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um einen halben Prozentpunkt, die an den Märkten auf Enttäuschung gestoßen war, nannte Burda ausreichend. "Die EZB muss ihr Pulver trocken halten. Jetzt hat sie noch immer viel zinspolitischen Spielraum, denn sie sicher geschickt ausnutzen wird. Die Fed ist schon fast am Ende der Fahnenstange - viel tiefer geht es nicht mehr." (Tsp)

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