Planspiel Börse : Spekulieren im heißen Herbst

Charlottenburger Schüler gewinnen beim Planspiel Börse. Das Team "Die Sieger" erzielte eine Wertsteigerung von rund 30 Prozent.

Alexander Wragge

Berlin - Am Dienstag um 17 Uhr froren alle Zahlen ein. Kein Kurseinbruch, keine Ad-hoc-Mitteilung, keine Bilanzprognose konnte den Ausgang des Planspiels Börse noch ändern. Das Gewinnerteam ist ermittelt. Es heißt passenderweise „Die Sieger“ und stammt aus dem sächsischen Schwarzenberg.

In zehn Wochen erhöhten die Sachsen den Stand ihres Spielkontos von fiktiven 50 000 auf 65 322 Euro, ein Zuwachs von rund 30 Prozent. In Berlin erreichte die Gruppe „OkoTeam Olé“ vom Charlottenburger Oberstufenzentrum Recht Platz eins. Ihr Depotwert: rund 58 400 Euro (plus 17 Prozent). Damit landeten die Berliner bundesweit auf Rang 38.

Die großen Gewinne waren im Jahr des 25. Jubiläums des Spiels allerdings selten. Nur ein Drittel der rund 42 000 Teams in Deutschland schaffte es, am Ende im Plus zu landen. Der Rest verlor, zum Teil heftig. Auf dem letzten Platz landete eine Gruppe aus dem Allgäu. Sie verspekulierte seit Spielbeginn am 1. Oktober mehr als 20 000 Euro.

Der Grund für die breiten Verluste mag in den nervösen Aktienmärkten im Herbst gelegen haben. Das Spiel fiel in eine Zeit, in der die US-Hypothekenkrise, der steigende Ölpreis und Zinsspekulationen die Märkte durchschüttelten. Die Jahresendrallye kam für viele zu spät. Das von den Sparkassen organisierte Planspiel, das Schüler mit dem Aktienhandel und dem Umgang mit Geld vertraut machen soll, machte einmal mehr deutlich, wie riskant die Börse ist.

Auch die Berliner Gewinner vom „OkoTeam Olé“ mussten zeitweise Verluste von 7000 Euro in einer Woche hinnehmen. „Man kann die Börse nicht einfach lesen“ resümiert Teammitglied Simon Peschlow (18). „Wenn man das denkt, gerät man schnell aufs Glatteis.“ So erlebte die Gruppe mit Aktien der Deutschen Telekom eine ihrer größten Enttäuschungen. „Wir vertrauten dem Hype um die Einführung des Apple-Handys iPhone“, sagt Simon, „doch wir haben viel zu viel erwartet“. Am Ende gewannen die Charlottenburger wohl auch deshalb, weil sie sich ständig informierten. Im Computerraum des Wirtschaftsgymnasiums prüften sie zweimal täglich die Kursentwicklungen, studierten Finanzmagazine und Tipps im Internet. Sie kauften morgens, verkauften abends. „Tec-Dax-Aktien stiegen an einem Tag um bis zu 20 Prozent“ erinnert sich Matti Fischer (18).

Dass die Börse kein reines Glücksspiel ist, legt auch die Berliner Rangliste nahe. Unter den 15 besten Teams finden sich inklusive der Gewinner sechs Gruppen vom Oberstufenzentrum Recht. Hier wird das Planspiel intensiv von den Lehrern betreut. In den Fächern Wirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaft dient es dazu, grundsätzliche ökonomische Mechanismen praxisnah zu vermitteln. Für Fachbereichsleiter Olaf Ritz liegen die Lernziele zum Beispiel im Verständnis des Wechselspiels von Angebot und Nachfrage oder der Einflüsse ökonomischer und politischer Nachrichten auf die Aktienkurse. „Am Ende sollte es nicht immer nur um die Gewinner gehen“, sagt Ritz, „sondern darum, dass viele Gruppen Erfolge hatten und etwas gelernt haben.“ Die Wirtschaftsbildung will das Oberstufenzentrum durch Partnerschaften mit Unternehmen in Zukunft noch ausbauen.

Das Team „OkoTeam Olé“ weiß noch nicht genau, was es mit 400 Euro Siegprämie anfangen will. „Weinachtsgeschenke“ sind das erste, was Simon einfällt. Matti Fischer kann sich vorstellen, irgendwann mit echtem Geld echte Aktien zu kaufen. Er will später im „Umfeld der Börse“ arbeiten. Alexander Wragge

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