Postbank : Ein Abschied auf Raten

Die Deutsche Post bereitet sich auf den Abschied von ihrer eigenen Bank vor. Auch wenn zunächst nur 30 Prozent verkauft werden, wird es langfristig wohl ein Komplettverkauf geben. Lange Zeit war so ein Szenario unvorstellbar, Klaus Zumwinkel nannte die Postbank noch ein "Juwel".

BonnNach langem Hin und Her nimmt der Abschied der Deutschen Post von der eigenen Bank klare Formen an. Ein Einstieg der Deutschen Bank mit einer ersten Beteiligung von unter 30 Prozent käme einem Abschied auf Raten gleich. Auf längere Sicht dürfte es wahrscheinlich zu einem Komplettverkauf der Postbank kommen. Als weltweit tätiger Logistik-Konzern könnte sich die Post dann auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Dass die Post überhaupt eine Bank hat, erklärt sich aus der Geschichte der alten Bundespost. Die Dreiteilung in Post, Bank und Telekom hob die Post wieder auf, indem sie Anfang 1999 das Geldinstitut erwarb. Sie zahlte damals dafür an den Bund 4,32 Milliarden Mark (umgerechnet rund 2,21 Mrd Euro). Insgesamt lag der Wert der Bank bei 5,2 Milliarden Mark (rund 2,66 Mrd Euro). Seither hat sich der Wert an der Börse - der Börsengang erfolgte 2004 - aktuell etwa verdreifacht.

Nachdem Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel Ende vergangenen Jahres die Möglichkeit eines Postbank-Verkaufs erstmals offen ins Spiel gebracht hatte, kannte der Kurs zunächst nur eine Richtung: Nach oben. Doch dann machte die anhaltende Finanzkrise dem neuen Post-Chef Frank Appel einen dicken Strich durch die Rechnung. Aus den erhofften rund zehn Milliarden Euro (oder sogar mehr) Verkaufserlös konnte nichts mehr werden. Die Zeiten von Kursen der Postbank-Aktie von über 60 oder gar 70 Euro waren vorbei. Der aktuelle Kurs von rund 45 Euro bedeutet einen Börsenwert bei 7,5 Milliarden Euro.

Ein Einstieg der Deutschen Bank mit weniger als 30 Prozent liesse der Post (sie hält 50 Prozent plus eine Aktie) auch noch Spielraum, später bei weiteren Verkäufen doch noch von möglichen höheren Kursen zu profitieren.

Für den wegen einer privaten Steueraffäre zurückgetretenen Zumwinkel war die Postbank viele Jahre lang ein unverkäufliches "Juwel". Unter dem Druck von Aktionärsseite signalisierte Zumwinkel dann ein Umdenken.

Die Aktionäre seien bei der Post als einem Weltkonzern aus der Logistikbranche engagiert, der bei florierendem Welthandel auch als stabile Wachstumsbranche gelte, hieß es von Analysten. Hier solle das Wachstum kapitalkräftig gefördert werden und nicht im Bankensektor, wo sich die Wettbewerber in einem engen Markt tummeln. Für die Postbank gelte auf der anderen Seite, dass weiteres Wachstum nur mit neuen Eigentümerstrukturen und neuen Investitionen zu erreichen sei.

Die Postbank sollte daher veräußert werden, damit sich der Mutterkonzern auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann, lautete das Fazit. Das sind Briefbeförderung, Paket-, Express- und Kurierdienste sowie die Logistik mit Spedition, Luft- und Seefracht. All dies betreibt die Post nach ihrer weltweiten Expansion mit Zukäufen in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro längst in globalem Maßstab.

Dabei wirkt eine eigene Bank wie ein branchenfernes und operativ nicht zugehöriges Anhängsel. Zudem hat die internationale Finanzmarktkrise gezeigt, wie abhängig das Ergebnis bei Bankgeschäften von Sondereffekten außerhalb des operativen Kundengeschäfts sein kann.

Mit dem Aktienkurs der Post können die Investoren nicht zufrieden sein. Seit Jahren dümpelt er vor sich hin. Aktuell liegt er mit etwa 16 Euro deutlich unter dem Ausgabekurs von 21 Euro vom November 2000. An einem ersten Verkaufserlös könnte die Post ihre Aktionäre mit einer Sonderdividende teilhaben lassen. Darüber würde sich auch der Bund freuen, der nach wie vor indirekt rund 30 Prozent der Anteile hält. Eine weitere Option wäre ein Aktienrückkauf.

Die Postbank hat jahrelang wesentlich und relativ stabil zu Ertrag und Gewinn des Gesamtkonzerns beigetragen. Im Jahr 2007 steuerte das Geldinstitut, das einen Jahresüberschuss von 870 Millionen Euro auswies, etwa ein Drittel des Konzern-Nettogewinns bei. Bei einem ersten Teilverkauf würde die Post einen Milliarden-Einmalertrag erzielen, in Branchenkreisen ist von gut zwei Milliarden Euro die Rede. Sie müsste aber zunächst nicht auf die Gewinne der profitablen Tochter verzichten.

Unklar sind noch die Details des erwarteten Deals mit der Deutschen Bank. Interessant wird sein, was denn später bei einer möglichen Übernahme aus den 850 Postbank-Centern werden soll, die früher große Post-Filialen waren und nach wie vor auch für die Post die wichtigsten Standorte im Kundengeschäft sind. Außerdem gibt es bereits für Tausende von Tarifbeschäftigten einen längerfristigen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Und schließlich sind bei der Postbank immer noch rund 7000 Beamte - von insgesamt 21.000 Mitarbeitern - unkündbar tätig. (dpa)

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