Pressespiegel : Europa sorgt sich um Stabilität auf den Finanzmärkten

Die Finanzmärkte auf der Welt erlebten gestern bereits einen turbulenten Tag. In Europa wächst die Furcht vor einem nachhaltigen Niedergang auf den Kapitalmärkten aufgrund der Hypothekenkrise in den USA.

London/Mailand/Paris Zu den Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten infolge der US-Immobilienkrise schreibt die ausländische Presse:

"La Repubblica" (Italien): "Einen so dramatischen und hektischen Tag wie gestern hat man an den Aktien- und Finanzmärkten schon lange nicht mehr erlebt. Von Frankfurt bis zur Wall Street, von London bis Mailand - über Paris, Zürich und Amsterdam - haben alle Börsen deutliche Rückschritte gemacht. (...) Dass der von den amerikanischen Hypothekenmarktproblemen hervorgerufene Sturm weite Kreise ziehen würde, war klar. Aber vielleicht konnte sich keiner so recht vorstellen, dass er auch außerhalb der amerikanischen Grenzen so bedrohlich sein könnte. Die Illusion, dass Europa noch einmal billig davonkommen könnte, ist bereits zu den Akten gelegt."

"Corriere della Sera" (Italien): "Das Erdbeben der amerikanischen Hypotheken hat mittlerweile bereits roten Alarm ausgelöst. Jetzt reagieren die Zentralbanken. Um zu verhindern, dass die Kapitalabflüsse sich nach Europa ausbreiten (...), hat die EZB zusätzliches flüssiges Geld in Höhe von 94,8 Milliarden Euro ins Bankensystem injiziert (...). So einen Noteingriff hatte es bisher nur einmal gegeben, und zwar nach den Terrorattentaten am 11. September 2001 (...)."

"Financial Times" (Großbritannien): "Es besteht das Risiko einer wirklichen Finanzkrise. Aber wenn Zentralbanken Geld zuschießen, und wenn Banken und Regulationsbehörden schnell reagieren, gibt es keinen Grund zur Panik. (...) Was jetzt nötig ist, ist Ruhe. Wenn wir von dem ausgehen, was wir bisher wissen, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass ein großes Finanzinstitut in Gefahr ist. Zentralbanken sollten kurzfristig Geld zur Verfügung stellen, wenn es gebraucht wird, aber sie sollten nicht panikartig die Zinsen senken."

"Times" (Großbritannien): "Die Liquiditäts-Spritze der EZB erleichtert sicherlich das drängendste Problem, aber sie löst auch eine andere Angst aus. Wenn die Zentralbank solch eine Maßnahmen, wie sie zuletzt nach dem 11. September zum Einsatz kam, für nötig hält, dann denken viele, dass es es schon ziemlich schlimm um die Dinge bestellt sein muss."

"Daily Telegraph" (Großbritannien): "Um Panik auf den Finanzmärkten zu verhindern, hat die EZB versucht, ein bisschen Vertrauen zu verabreichen. Das ist aber vollkommen künstlich. Denn das Problem, dass sich Investoren und Verbraucher zu viel Geld geliehen haben, wird nicht über Nacht verschwinden."

"El País" (Spanien): "Die Intervention der Zentralbanken auf den Finanzmärkten wird wahrscheinlich die Investoren beruhigen und ihnen die Angst nehmen, aber nur für kurze Zeit. Das eigentliche Problem ist die Überlappung zwischen solventen und insolventen Krediten. Die Finanzinstitutionen sind heute kaum in der Lage, zwischen guten und ruinösen Krediten zu unterscheiden. Die Ungewissheit ist die wichtigste Ursache dieser Krise der Angst. Das Wichtigste wird daher sein, dass die Finanzinstitutionen die Spreu vom Weizen trennen."

"El Mundo" (Spanien): "Die Intervention der Europäischen Zentralbank ist ein erstes Zeichen, dass der Zyklus des wirtschaftlichen Wachstums sich dem Ende zuneigen könnte. Die EZB wollte ein Signal der Beruhigung setzen. Aber gleichzeitig sprach sie eine Serie von Warnungen aus. Dies deutet darauf hin, dass ein rapider Rückgang des Wachstums befürchtet wird. Es ist noch nicht absehbar, wie die Situation sich weiter entwickelt. Aber niemand sollte die Alarmsignale auf die leichte Schulter nehmen."

"Libération" (Frankreich): "Die Krise sollte in den USA eingedämmt werden, wenn man den Zentralbanken Glauben schenken darf. Sie ist dabei, die europäischen Geldmärkte anzustecken. Wird der Cash-Regen jetzt löschen können, was mehr und mehr nach einem größeren Flächenbrand auszusehen scheint?" (mit dpa)

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