Finanzen : Qualität hat ihren Preis

Deutsche Autoaktien sind beliebt. Mit der richtigen Auswahl sind weitere Kursgewinne möglich

Henrik Mortsiefer

Berlin - Eine große Branchenmesse ist gut für die Aktien der beteiligten Hersteller. Obwohl viele Autokonzerne auf der IAA 2007 über eine flaue Nachfrage nach ihren Produkten klagen, erfreuen sich ihre Aktien großer Beliebtheit. Die Neuheitenschau sorgt für Aufmerksamkeit, die Innovationen beim Thema Klimaschutz machen Hoffnung auf künftige Geschäfte. Am Montag und Dienstag, den beiden Pressetagen der Internationalen Automobil-Ausstellung (13. bis 23. September), stiegen die Kurse zum Teil kräftig. Auch die Zwölf-Monats-Entwicklung kann sich sehen lassen. Anders als Finanzaktien haben sich Autowerte in der Krise zuletzt stabil gehalten. VW stieg in einem Jahr um 137 Prozent, Daimler und Porsche um jeweils 68 Prozent. Einzig BMW enttäuschte trotz einer Produktoffensive in der zweiten Jahreshälfte 2007 mit einem moderaten Anstieg um knapp acht Prozent.

Anleger, die sich für die Branche interessieren, sollten jedoch – wie beim Autokauf – auf Qualität und Preis achten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 12 auf Basis der für 2008 erwarteten Gewinne ist der deutsche Automobile-Index insgesamt im Vergleich zu anderen Branchen-Indizes relativ moderat bewertet. Hier besteht also Aufholpotenzial. Innerhalb der Branche sind die Bewertungsunterschiede allerdings groß.

So ist VW mit einem 2008er KGV von 14,8 unter den Dax-Autoaktien am teuersten. Die anhaltenden Marktgerüchte, Porsche werde in nächster Zukunft seinen 31-Prozent-Anteil an Europas größtem Hersteller aufstocken, haben den Kurs nach oben getrieben. Fantasie weckt VW gleichwohl immer noch: sinkende Kosten, sehr gute Absatzzahlen und zahlreiche IAA-Premieren lassen den Wolfsburger Konzern aktuell sehr gut aussehen. Aber Vorsicht: Nach einem Kursanstieg von knapp 350 Prozent seit Januar 2005 ist VW nur etwas für Optimisten. Porsche (KGV 2008: 14) scheint angesichts der enormen Profitabilität des Sportwagenkonzerns noch zurückhaltend bewertet. Auf der IAA kündigte Vorstandschef Wendelin Wiedeking beim Vorsteuergewinn einen „Ausreißer nach oben“ im eben zu Ende gegangenen Geschäftsjahr an. Trotz stagnierender Absatzzahlen konnte der Zuffenhausener Hersteller auch den Umsatz auf 7,4 Milliarden Euro steigern.

Gemessen an seinen Modellneuheiten müsste das auch bei BMW so sein. Die Bewertung ist zudem mit einem KGV (2008) von 9,9 weitaus attraktiver als die von VW. Die schwachen Zahlen für das zweite Quartal, der niedrige Dollarkurs und die hohen Investitionen in neue Motoren und Modelle drücken aber Margen und Stimmung. Glaubt man den Gerüchten, will BMW-Chef Norbert Reithofer nach der IAA die Strategie des Konzerns neu definieren. ABN Amro sieht die Aktie bei 40 Euro – aktuell notiert sie bei 42,70 Euro. Spekulativ orientierte Anleger setzen bei BMW auf eine Trendwende.

In einem neuen Licht erscheint Daimler-Chrysler. Nach der Trennung von der US-Tochter Chrysler, die nicht so teuer wird wie zunächst befürchtet, kann die geschrumpfte Daimler AG eigene Wege gehen. Effizienzgewinne im Konzern, die Erholung von Mercedes und das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm machen das Daimler-Papier zum Favoriten vieler Analysten. Dies nicht zuletzt wegen der günstigen Bewertung von 11,8 (2008er KGV). Allerdings ist der Konzern nun auf den Erfolg der Kernmarke Mercedes angewiesen. Größenvorteile lassen sich nicht mehr in den früheren Dimensionen realisieren. Beobachter halten deshalb eine engere Kooperation mit dem Premiumhersteller BMW für denkbar.

Anleger, die von den deutschen Herstellern nicht überzeugt sind, finden am ehesten im Nachbarland Frankreich Alternativen. So werden etwa Renault bei niedriger Bewertung (2008er KGV: 7,3) die besten Chancen für steigende Aktienkurse ausgerechnet. Björn Rosentreter, Analyst von Independent Research, empfiehlt, die Aktie zu kaufen. So habe das Unternehmen auf der IAA abgekündigt, der Absatz solle bis 2009 verglichen mit 2005 (2,53 Millionen Fahrzeuge) weiterhin um 800 000 Einheiten gesteigert werden. Für Europa, wo tendenziell teurere und margenstärkere Fahrzeuge abgesetzt würden, sei dies zwar kein besonders ambitioniertes Ziel. Mit seinen günstigen Fahrzeugen sei Renault aber besonders in Schwellenländern stark vertreten. Ein Markt, in den auch VW-Chef Martin Winterkorn mit dem auf der IAA präsentierten Kleinwagen „up!“ vorstoßen will. Anders als Renaults Billig-Modell Logan ist der „up!“ allerdings noch ein Prototyp.

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