Rekordhoch : Goldpreis überspringt erstmals 1000-Dollar-Marke

Der Goldpreis ist in den vergangenen Monaten unaufhaltsam gestiegen. Am Donnerstag hat er ein neues Allzeithoch erreicht und eine magische Marke geknackt.

London/New York/FrankfurtDie Flucht aus dem Dollar treibt Euro, Rohöl und Gold auf immer neue Rekordstände. Angeheizt wurde der Trend am Donnerstag von neuen Hiobsbotschaften aus den USA. Der Euro markierte seinen Höchststand bei 1,5627 Dollar, zum Yen rutschte die US-Währung auf den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Rohöl der US-Sorte WTI erreichte den Rekordpreis von fast 111 Dollar je Barrel (159 Liter). Gold stand unmittelbar vor der Marke von 1000 Dollar je Feinunze, der Future-Kontrakt für April kletterte bereits auf 1001 Dollar. Die Börsen knickten ein. Für neue Unsicherheit sorgte das Scheitern der Rettungsbemühungen für den mehr als 20 Milliarden Dollar schweren US-Fonds Carlyle Capital, der als nächstes Opfer der US-Immobilienkrise wahrscheinlich aufgelöst wird.

Die Anleger ziehen sich aus dem Dollar zurück, weil sie eine stärkere Abschwächung der Konjunktur und ein Anziehen der Inflation in den USA befürchten sowie noch schlimmere Folgen der US-Hypothekenkrise. Das Geld fließt damit verstärkt in den Euro mit seinem höheren Zinsniveau sowie in "sichere Häfen" wie Gold. Auch der Rohöl-Markt ist verstärkt zu einer Arena für Spekulanten geworden. Versuche, die Stimmung zu beruhigen, verpufften bisher schon nach kurzer Zeit, so wie die Ankündigung milliardenschwerer Finanzspritzen für den Geldmarkt durch führende Notenbanken.

Euro auf Rekordjagd

Der Euro hatte am Donnerstag erstmals die Marke von 1,56 Dollar überschritten. Auch im Vergleich zu anderen Währungen verlor der Dollar weiter an Wert. Er sank zeitweise auf bis zu 99,75 Yen und näherte sich erstmals der Parität mit dem Schweizer Franken an.

Die Rekordjagd des Euro schürt Sorgen in der deutschen Wirtschaft, weil dadurch ihre Waren im außereuropäischen Ausland teurer werden. Schlüsselbranchen wie Autohersteller und Maschinenbau fürchten um ihre Exportchancen. Viele Unternehmen beschleunigen ihre Pläne für eigene Werke in den USA, um den Wechselkursnachteil auszugleichen.

Seit dem Ausbruch der amerikanischen Hypothekenkrise im vergangenen Sommer hat der Dollar zu vielen wichtigen Währungen dramatisch an Wert verloren. So gewann der Euro zum Dollar seit August 2007 um über 20 Cent oder rund 15 Prozent an Wert. Experten rechnen mit weiteren Zinssenkungen in den USA, was die Talfahrt des Dollar weiter anfeuern dürfte. Zugleich versicherte US-Präsident George W. Bush am Vortag, er sei "absolut" für einen stabilen Dollar.

Keine guten Prognosen für US-Wirtschaft

Jüngste Analysen zur Entwicklung der US-Wirtschaft sehen nicht rosig aus. Die Postbank rechnet bis zum späten Frühjahr mit einer Konsumflaute in den USA: "Angesichts der Eintrübung am Arbeitsmarkt und Rekordständen beim Ölpreis wird sich die Laune der Konsumenten wohl nicht so schnell deutlich heben." Auch die Commerzbank rechnet mit einem schwachen Konsum. Dabei spielen die amerikanischen Verbraucher eine entscheidende Rolle für die US-Konjunktur.

Für weiter steigende Ölpreise sorgt laut Experten derzeit vor allem Spekulation. So hätten die großen Fondsgesellschaften Rohstoffe als Anlagemöglichkeit entdeckt. Der WTI-Preis für ein Barrel zur Auslieferung im April kletterte bis auf 110,98 Dollar. Auch die Nordseesorte Brent erreichte mit 107,88 Dollar einen Rekordstand. "Fundamentaldaten spielen im aktuellen Marktumfeld kaum eine Rolle", sagte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. So sprächen die robusten Öllagerbestände aus den USA eigentlich für sinkende Ölpreise.

Fallende Kurse an der Börse

An den Börsen sorge die schlechte Stimmung für fallende Kurse. Der Dax verlor 1,50 Prozent auf 6500,56 Punkte nach. Der Dow Jones lag zum Börsenschluss in Europa um 0,74 Prozent im Minus bei gut 12 000 Punkten.

Ein neuer schmerzhafter Rückschlag ist das Scheitern der Rettung des Fonds Carlyle Capital, der nun auf eine Auflösung zusteuert. Man rechne mit dem Einzug des verbleibenden Anlagevermögens durch die Kreditgeber, teilte Carlyle Capital mit. Die in Amsterdam notierten Aktien des Fonds fielen am Donnerstag um bis zu 70 Prozent. Der Fonds hatte mit geliehenem Geld in Anleihen von Hypothekenfinanzierern investiert. Im Zuge der Immobilien- und Kreditkrise sank der Wert der Anleihen drastisch und Carlyle Capital konnte Forderungen der Investoren nach einer Aufstockung der Sicherheiten nicht nachkommen. Auf einen eigenen Dollar kommen bei dem Fonds 31 geliehene. Der Fonds gehört zur Carlyle Group, einem der führenden Finanzinvestoren. Er war erst vor weniger als acht Monaten an die Börse gebracht worden. (saw/dpa)

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