Finanzen : Rendite fürs Wohnzimmer

Mit Kunst lässt sich viel Geld verdienen. Doch nur wer sie liebt, sollte investieren

Corinna Visser

Berlin - Auch wenn sich die weltweiten Finanzmärkte derzeit in einer Krise befinden, dem Kunstmarkt konnte dies bisher nichts anhaben. Von den Turbulenzen unberührt, wurden bei den großen Herbstauktionen von New York bis Berlin erneut Höchstpreise bezahlt. In New York gab ein unbekannter Käufer 23 Millionen Euro für einen Henri Matisse aus. Das war der höchste Preis, der je bei einer Aktion für ein Bild des Künstlers erzielt wurde. Für den „Düsenjäger“ von Gerhard Richter fiel der Hammer bei 7,7 Millionen Euro. Damit ist Richters Bild das teuerste Werk eines lebenden deutschen Künstlers. Und in Berlin konnte auch die Villa Griesebach über einen Abend der Rekorde berichten: Für die „Frau mit Papagei“ von August Macke zahlte ein privater Sammler 2,4 Millionen Euro.

Doch es sind nicht nur die Supperreichen, die Kunst als Geldanlage kaufen. Das steigende Interesse an der Kunst insgesamt bescherte der Villa Griesebach im vergangenen Jahr mit 50,6 Millionen einen Umsatzrekord. Auch das Auktionshaus Lempertz schloss auf diesem Niveau ab. Was viele Anleger in unsicheren Zeiten lockt: Kunst kann eine erstaunliche Rendite abwerfen. 1953 kaufte ein Flüchtlingsehepaar ein Meerlandschaft von Emil Nolde für 3000 Mark (1534 Euro). 2007 kam dieses Gemälde bei Griesebach unter den Hammer – für 1,8 Millionen Euro (ohne das Aufgeld für den Auktionator). Rendite: 117 340 Prozent in 54 Jahren. Das Beispiel zeigt aber auch: Man muss einen langen Atem haben. Auch wenn Sammler für einzelne Werke zu jeder Zeit Spitzenpreise zahlen, ist der Kunstmarkt dennoch ein Spiegelbild der konjunkturellen Lage. Er folgt der Entwicklung an den Börsen meist mit ein paar Monaten Verspätung.

Wer in Kunst investieren will, braucht jedoch eine Voraussetzung: „Der sie nicht liebt, sollte die Finger davon lassen“, sagt Bernd Schultz, Geschäftsführender Gesellschafter der Villa Griesebach. „Nur der sollte Kunst sammeln, der eine Emotion für die Kunst hat.“ Man muss mit dem Herz dabei sein, so lautet auch die Empfehlung der Experten der Deutschen Bank. Denn schließlich legt man ein Kunstwerk nicht ins Depot, man lebt mit ihm. Neben der möglichen finanziellen Rendite wirft ein Ölbild, eine Skulptur oder Fotografie auch eine emotionale Rendite ab. Kunst gibt es in jeder Preisklasse. Beliebt bei Einsteigern sind häufig Fotografien.

Experten raten Einsteigern, sich zunächst viel anzuschauen – am besten Originale. „Lernen Sie sehen durch vergleichen“, rät Schultz. „Bilden Sie Maßstäbe.“ Berlin habe ausreichend Museen, Ausstellungen und Galerien. Über fast jede Kunstrichtung kann man sich informieren. Für zeitgenössische Kunst ist auch das Art Forum im Herbst eine wichtige Anlaufstelle. „Ohne Wissen ist bei der Kunst gar nichts“, sagt Schultz. „Viel Geld hilft da auch nicht.“ Schultz rät zudem den Kontakt zu anderen Sammlern und Kunstinteressierten zu suchen. Die Mitgliedschaft in einem der Freundeskreise der Museen etwa helfe Sammler und Händler kennenzulernen.

Beim Kauf sollte der Neueinsteiger sich von erfahrenen Händlern beraten lassen, das schützt vor bösen Überraschungen. Vermeintliche Schnäppchen großer Meister erweisen sich oft als Fälschung – und dann ist auch der Preis von ein paar Tausend Euro zu viel bezahlt. Hinzu kommt: Nicht alle Werke eines begehrten Künstlers sind gleich gut und erzielen die erhofften Spitzenwerte. Bei älteren Werken kommt es auch auf den Erhaltungszustand an. Werke junger unbekannter Künstler sind natürlich oft für geringe Summen zu haben. „Aber es ist schwer vorherzusagen, was von zeitgenössischer Kunst bleibt, wenn der Zeitgeist über sie hinweggegangen ist“, sagt Schultz. „Von 100 Malern bleiben wenige übrig.“ Wer in unbekannte Künstler investieren wolle, müsse begabt sein wie ein Trüffelschwein, um die richtigen zu finden.

Den wahren Preis eines Kunstwerks findet man aber erst heraus, wenn man es verkaufen will. Zum Glück ist der Markt immer transparenter geworden. Immer mehr Kunst wird über Auktionshäuser verkauft: Die Preise lassen sich dann in den Ergebnislisten nachlesen. Daneben geben verschiedene Indizes Auskunft über die Wertentwicklung. So veröffentlicht die Zeitschrift „Capital“ regelmäßig ihren Kunstkompass. Zuletzt stand dort immer Gerhard Richter auf Platz eins.

Etwa fünf bis zehn Prozent seines Vermögens könne man ohne großes Risiko in Kunst anlegen, empfehlen Experten. Bei großen Vermögen steigt der Anteil in der Regel. Wichtig ist jedoch, dass man das Investment als langfristige Anlage versteht. „Kunst ist keine Alternative zu Aktien“, sagt Schultz. „Die Aktie muss die Grundversorgung sein für jeden, der ein Vermögen anzulegen hat.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben