Rentenrechner : Lohnt sich die Riester-Rente?

Wie hoch ist meine Nettorente? Sollte ich riestern? Mit einem  Rentenrechner können Sie die Zulagen für die Riester-Rente berechnen.

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Rentner in Deutschland können sich 2012 auf mehr Geld freuen.
Rentner in Deutschland können sich 2012 auf mehr Geld freuen.Foto: dpa

Lohnt sich Riestern noch? Wer im Netz einen Rentenrechner fragt, was eine Riester-Rente am Ende tatsächlich in Heller und Pfennig pro Monat abwirft, wird schnell skeptisch. Hohe Kosten fressen oft die kargen Zinsen auf, manchmal sogar den Großteil der staatlichen Förderzulagen.

2015 soll der Garantiezins in der Versicherungsvariante womöglich auf 1,25 Prozent fallen. Nun will der Staat auch noch die Beteiligung der Rentensparer an den Bewertungsreserven der Versicherer deckeln. Dies wird auch die Riesterkunden treffen. Mit welcher Zusatz- Rente kann der Sparer zum Rentenbeginn also tatsächlich noch rechnen? Machen ein reiner Fondssparplan oder ein Zinsprodukt mehr Sinn?

Wer im Alter seinen gewohnten Lebensstandard halten will, benötigt etwa 80 Prozent seiner letzten Nettobezüge. Die gesetzliche Rente schafft das nicht. Helfen hier nicht zusätzliche Einkünfte oder Erbschaften, ist private Vorsorge unverzichtbar. Wer riestert, dem hilft der Staat: Jeder Alterssparer erhält pro Jahr eine Grundzulage von 154 Euro, für jedes Kind gibt es weitere 185 Euro, ab dem Geburtsjahr 2008 sogar 300 Euro, ergeben Berechnungen mit dem Rentenrechner. Die Bedingung: Der Riester-Kunde muss vier Prozent seines Bruttoeinkommens (maximal 2100 Euro im Jahr) selbst aufbringen, wobei die Zulagen anrechenbar sind. Ein Sparer mit beispielsweise 30 000 Euro Jahreseinkommen muss also 1200 Euro pro Jahr abzweigen, kann jedoch bei zwei Kindern bis zu 754 Euro Zulagen von der Pflichtsumme abziehen. Sparen kann der Kunde mit Versicherungen, Aktienfonds, Zinskonten, Bausparplänen und Immobilien. Die eigenen Beiträge sind steuerlich anrechenbar, dafür muss später die Rente versteuert werden.

Doch schließt die Zusatzrente die Rentenlücke? „Am Markt gibt es zu wenig gute, kostengünstige und effiziente Produkte“, kritisiert Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Marktchecks belegen dies. So hat die Stiftung Warentest kürzlich 42 Rentenversicherungs-Tarife geprüft: Die Note „sehr gut“ konnten die Tester kein einziges Mal vergeben, das Gros kam über ein „befriedigend“ nicht hinaus.

Rentenrechner belegen dies: Der Rentenrechner der Cosmos-Direct etwa verspricht einer 30-jährigen Sparerin mit zwei Kindern, einem Bruttoeinkommen von 50 000 Euro und einem monatlichen Beitrag von 100 Euro ab 62 eine garantierte Rente von 185,99 Euro. Zusätzlich will der Versicherer den Kunden an den Überschüssen beteiligen, wodurch die Rente auf 555,97 Euro steigen soll. Doch Vorsicht: Diese Summe ist eine reine Prognose. Selbst eingezahlt hat die Sparerin bis zu einem Rentenbeginn 2047 also 39 600 Euro, hinzu kommen 11 742 Euro an staatlichen Zulagen. Selbst ohne Verzinsung sind dann also 51 342 Euro auf dem Rentenkonto.

Da der Versicherer eine Rente von 185,99 Euro garantiert, müssten, damit das Geld beispielsweise 30 Jahre (also bis 92) reicht, zumindest 66 956 Euro auf dem Konto sein. Verzinst man den Eigenbeitrag der Sparerin, also 100 Euro pro Monat, 33 Jahre lang mit drei Prozent, erzielt man 67 167 Euro – die staatlichen Zulagen von fast 12 000 sind da noch gar nicht mitgerechnet.

Das heißt: Auch über so lange Zeiträume von mehr als drei Dekaden führt eine Rentenversicherung in diesem Rechenbeispiel nur zu einer sehr niedrigen garantierten Beitragsrendite. „Die private Rentenversicherung ist ein unflexibles, intransparentes, teures und kompliziertes Produkt“, sagt Verbraucherschützerin Mohn. Die meisten Kunden verstünden Kosten und Funktionsweise nicht genau. Einen Preiswettbewerb gebe es nicht.

Wer 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, soll ohne Abzüge in Rente gehen können – so heißt es im überarbeiteten Rentenkonzept.
Wer 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, soll ohne Abzüge in Rente gehen können – so heißt es im überarbeiteten Rentenkonzept.Foto: dpa

Grundsätzlich abzulehnen sei das Produkt dennoch nicht. Wer sich neutral beraten lasse, dadurch ein Produkt mit möglichst hoher Garantierente und möglichst geringen Kosten herauspicke, wer keine Brüche in seiner Biographie erwarte und Planungssicherheit bevorzuge, könne eine Riester-Rentenversicherung wählen. Aber: Weil der Garantiezins, den Versicherer ihren Kunden maximal versprechen dürfen (aber nicht müssen), wohl bald von 1,75 auf 1,25 Prozent sinken wird und dann auch für die gesamte, meist sehr lange Laufzeit gilt, werden die Ablaufleistungen wohl zurückgehen.

Rentenrechner zeigen: auch über lange Zeiräume nur niedrige Beitragsrendite

Doch auch die Fondsvarianten rentieren nicht immer gut. Auch hier ein Beispiel: Corinna P. hat vor neun Jahren einen Vertrag über die „Toprente Balance“ bei der Deutschen Bank abgeschlossen. Ende 2013 hatte die Bank das eingezahlte Geld inklusive Zulagen um 7,5 Prozent gemehrt. Damit liegt die Jahresrendite deutlich unter einem Prozent. Dies hat mehrere Gründe: Zum einem tauschen die Riester-Fonds-Anbieter gekaufte Aktien stets beim kleinsten Abwärtsrutsch an den Börsen in Anleihen, vor allem bei älteren Kunden. Grund dafür ist die Garantie, die die Fondsgesellschaft für die Beiträge aussprechen muss. Zum anderen deckeln auch hier die laufenden Fondskosten, die Depotgebühren oder die Ausgabeaufschläge den Ertrag. Nach Meinung der Verbraucherschützer eignen sich echte Fondsverträge eher als die Fondsvarianten im Versicherungsmantel. Mohn: „Davon raten wir insbesondere wegen der doppelten Kostenbelastung durch Fonds und Versicherung grundsätzlich ab.“ Für empfehlenswert hält die Stiftung Warentest den „Wohn-Riester“. Dabei können Immobilienbesitzer ein Riester- Guthaben zur Tilgung von Hypotheken nutzen bzw. Zulagen und Sparbeiträge in die Finanzierung fließen lassen.

Damit entschulden sie sich schneller und günstiger. Zur Wahl stehen Bausparverträge und Bankdarlehen mit direkter Tilgung. Allerdings: Bausparkassen verzinsen das Guthaben noch schlechter als Fonds. Zudem wird eine Abschlussgebühr fällig, die leicht bei 500 Euro liegen kann.

Am kostengünstigsten lässt sich mit Banksparplänen riestern. Hier fallen geringe bis gar keine Kosten an, weshalb diese Variante im Vertrieb meist gar nicht zur Sprache kommt. Allerdings bleiben auch die Renditen in der gegenwärtigen Zinsdürre niedrig. Geeignet ist die Sparplanvariante vor allem für ältere Sparer, denen die bei Versicherungen und Fonds sinnvolle, längere Anlagezeit fehlt.

Grundsätzlich gilt also: Weil die meisten geförderten Produkte sehr teuer sind, lohnt sich das Riestern nur wegen der Fördergelder. Dennoch sollte der Sparer die Kostenseite nicht aus den Augen verlieren. Denn gerade bei langjährigem Einzahlen ist die Wirkung enorm: Ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger kann schnell ein paar 1000 Euro ausmachen. Eine Rechnung mit dem Rentenrechner kann sich lohnen. 

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