RESERVEN IN DEN USA : Öl oder Naturschutz?

Republikanische Spitzenpolitiker drängen den US-Kongress, küstennahe Meeresgebiete für die Suche nach Erdöl freizugeben. Präsident George W. Bush forderte den Kongress am Mittwoch auf, das geltende Verbot des „Offshore drilling“ aufzuheben. Mehrfach hatte Bush zudem bereits verlangt, ein Naturschutzgebiet in Alaska mit reichen Vorkommen für die Ölindustrie zu öffnen, bisher vergeblich. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain befürwortete in einer Rede zur Energiepolitik am Dienstag in Texas ebenfalls das „Offshore drilling“. Anders als Bush will er das „Arctic National Wildlife Refuge“ in Alaska aber nicht freigeben. Der demokratische Kandidat Barack Obama lehnt wie fast seine ganze Partei die verlangte Liberalisierung ab.

Angesichts der Wirtschaftskrise in den USA ist der kontinuierlich steigende Benzinpreis derzeit Hauptthema der Politik und dominiert auch den Wahlkampf. 2005 kostete eine Gallone (3,8 Liter) 2,30 Dollar, heute über vier Dollar. Benzin ist damit in den USA noch immer deutlich preiswerter als in Europa, die Amerikaner spüren aber subjektiv die annähernde Verdoppelung innerhalb von nur drei Jahren. Wegen der größeren Entfernungen und des unterentwickelten öffentlichen Nahverkehrs ist die überwältigende Mehrheit der Bürger beim Weg zur Arbeit und beim Einkaufen auf das Auto angewiesen.

Das Hauptargument für die Erschließung heimischer Reserven: Die USA wollen ihre Abhängigkeit von Öl aus dem Mittleren Osten verringern. Konservative suggerieren den Bürgern im Wahlkampf zudem, dass dann der Preisdruck rasch nachlasse. Das ist falsch. Selbst wenn der Verbot der Offshore-Förderung fällt, würden wegen der geologischen Untersuchungen und technischen Vorbereitungen Jahre vergehen, bis dort Öl sprudelt. Bush bekäme zudem ein Problem mit seinem Vater. Der hatte als Präsident das Offshore-Verbot unterzeichnet – der Natur zuliebe. cvm

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