Riskante Finanzgeschäfte : Paris und Berlin wollen Spekulanten bremsen

Erste Staaten sagen dem riskanten Handel mit Kreditausfallversicherungen den Kampf an und drohen mit Alleingang. Auf Partner wie USA und China will Europa nicht warten.

Deutschland und Frankreich wollen Spekulationsgeschäfte gegen Staaten und große Unternehmen mit einer gemeinsamen Initiative eindämmen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist geplant, den Handel mit bestimmten Wertpapieren zu beschränken oder sogar komplett zu verbieten. Regierungsvertreter in Berlin und Paris kündigten demnach an, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy einen Brief an EU-Kommissionschef José Manuel Barroso schreiben wollen, in dem dieser zum Handeln aufgefordert werden soll.

Zu den Verfassern der Erklärung gehörten auch der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, und der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou. Ziel sei eine Richtlinie, die ungedeckte Leerverkäufe von Aktien untersagt, den Handel mit Kreditausfallversicherungen (den sogenannten CDS) eingrenzt und Finanzgeschäfte ohne Einschaltung einer Börse beschränkt.

Bei ungedeckten Leerverkäufen veräußern Banken oder Investmentfonds Aktien, die sie gar nicht besitzen, mit dem Ziel, den Börsenkurs zu drücken und die Papiere dann günstig einzukaufen. Mit einem CDS können sich Käufer einer Staats- oder Firmenanleihe gegen einen Bankrott des Gläubigers versichern. Die Papiere werden aber immer häufiger eingesetzt, um losgelöst von ihrem eigenen Zweck auf die Pleite eines Staates oder Unternehmens zu wetten. Derzeitiges Beispiel ist Griechenland. Somit steht der spekulative Einsatz von Kreditausfallversicherungen im Verdacht, zur Schuldenkrise des Landes beigetragen zu haben.

Nach Informationen der Zeitung sind Merkel, Sarkozy, Juncker und Papandreou zur Not auch zu einem europäischen Alleingang bereit, sollten wichtige G-20-Partner wie die USA und China nicht mitziehen. "Wir können nicht immer warten, bis der Letzte an Bord ist", hieß es in Verhandlungskreisen. Gänzlich verboten werden sollten die CDS allerdings nicht, da die Wirtschaft sie zur Absicherung benötige. Darauf hätten Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie hingewiesen.

Die finanzielle Rettung des mit mehr als 300 Milliarden Euro überschuldeten Griechenlands beschäftigt den gesamten Euro-Raum. Im Gespräch ist derzeit, einen Europäischen Währungsfonds zu bilden, der anstelle des Internationalen Währungsfonds eingreifen könnte. So könnten die Euro-Staaten den Einfluss der USA begrenzen. Zuvor hatten die EU-Staaten Griechenland Hilfe durch Kredit in Aussicht gestellt. Direkte Finanzzuwendungen sind laut EU-Recht ausgeschlossen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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