Rohstoff Wasser : Blaues Gold

Wasser könnte der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts werden. Anleger können von gigantischen Investitionen profitieren.

Veronika Csizi
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Das Problem. Das verfügbare Süßwasser ist ungerecht verteilt. 60 Prozent befinden sich in nur zehn Staaten. Foto: dpaEPA

BerlinAnders als Öl, Holz, Weizen, Reis oder Baumwolle ist Wasser durch nichts zu ersetzen. Das blaue Gold ist ein ganz besonderer Rohstoff: Es ist im Prinzip in gleichbleibend großer Menge vorhanden, hat keinen Weltmarkt-Preis und wird nicht gehandelt. Dennoch könnte es sich zu einem der wichtigsten Rohstoffe des 21. Jahrhunderts entwickeln.

Zwar befinden sich auf der Erde circa 1 386 000 000 000 Kubikkilometer Wasser. Doch nur drei Prozent davon sind Süßwasser, wovon nach Abzug gefrorenen Wassers in Gletschern und Polen nur ein knappes Prozent als Trinkwasser übrig bleibt. Dieses wird in der Summe zwar nicht knapper, die Nachfrage aber größer und der Rohstoff darum teurer. Gleichzeitig werden neue Technologien zur Nutzung teurerer Wasserquellen, etwa der salzhaltigen Ozeane oder aufbereiteter Abwässer, immer wichtiger. 1,4 Milliarden Menschen haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Allein die Landwirtschaft verbraucht rund 75 Prozent des verfügbaren Süßwassers. Wer ein Kilo Rindfleisch isst, „verbraucht“ auch 6000 Liter Wasser, die zur Produktion erforderlich sind.

Das verfügbare Süßwasser ist außerdem ungerecht verteilt: 60 Prozent befinden sich in nur zehn Staaten (vor allem den USA, Russland und Brasilien), während es umgekehrt Länder gibt, die ihr Wasser komplett importieren müssen. Zudem gehören die wasserreichen Länder auch zu den Hauptverschwendern, wie die Umweltorganisation WWF gerade festgestellt hat. Hinzu kommt die teilweise marode Infrastruktur: In London und Teilen der USA gehen durch veraltete Technik und jahrhundertealte Rohre bis zu 50 Prozent der transportierten Wassermenge verloren. Allein die Erneuerung der Wasserinfrastruktur der USA, so glauben Fachleute, erfordere Investitionen von einer Billion Dollar. Deswegen hat Washington ein Gesetz zur Schaffung eines zehn Milliarden Euro schweren Wassertreuhandfonds auf den Weg gebracht. Aus dem Konjunkturpaket der Regierung sollen zudem 14 Milliarden Dollar in die Erneuerung der Wasserinfrastruktur fließen. Die Branche steht also vor einer Auftragsflut.

Weltweit, so glaubt die Unesco, wird sich das Wasserproblem verschärfen: 2050 werden sieben Milliarden Menschen mit Wasserknappheit konfrontiert sein. Gleichzeitig wachse die Nachfrage doppelt so schnell wie die Bevölkerung, sagt Hans Peter Portner, Manager des ersten Wasserfonds der Welt, des Water Fund der Privatbank Pictet (Wertpapierkennnummer 933349). Auch die Verstädterung oder der steigende Tourismus in wasserarme Gebiete werden Investitionen erfordern: Recycling, Desinfektion, der Bau von Kanalisationen und Versorgungsnetzen, Techniken zur energiesparenden Entsalzung und zum Wassermanagement sind Schlüsseltechnologien der kommenden Jahrzehnte.

Da ein direktes Investment in Wasser nicht möglich ist, bleiben Privatanlegern nur Fonds oder Aktien, die mit Wasser Geschäfte machen. Neben dem Pictet- Fonds, in den Anleger bisher gut zwei Milliarden Euro gesteckt haben, ist auch der Sustainable Water Fund (WKN 763763) des Schweizer Vermögensverwalters SAM auf dem Markt, der vor allem in Wasserreinigung, Bewässerungstechnik, Verteilung und Verbrauchsreduzierung investiert. Portfolio-Manager Dieter Küffer ist dabei überzeugt, dass vor allem „innovative Lösungen zur effizienten Verwendung von Wasser überdurchschnittlich wachsen werden“. Ein Kerninvestment beider Fonds ist die französische Veolia Environnement (WKN 501451), deren Wassersparte Weltmarktführer ist und auch in Deutschland fast fünf Millionen Menschen versorgt. Auf Platz zwei steht die ebenfalls französische Suez Environnement (WKN A0Q418), die Wasser- und Entsorgungstochter des Versorgers Gaz de France-Suez. Suez setzt auf die Teilprivatisierung der Wasserversorgung, die trotz leerer öffentlicher Kassen weltweit nur zu acht bis zehn Prozent in privater Hand ist. Zu Suez gehört auch die Berliner Tochter Eurawasser, die unter anderem in Rostock und Schwerin 700 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Viele andere der rund 200 an Börsen notierten Unternehmen im Wassergeschäft sind einer breiten Öffentlichkeit noch eher unbekannt. Wer in die 21 Aktien des „World Water Index“ direkt investieren möchte, kann dies über einen Exchange Traded Fund, also einen Aktienfonds, aus dem Hause Lyxor tun. Dem Markt folgend liegt der Lyxor-ETF World Water (WKN LYX0CA) auf Jahressicht gut 15 Prozent im Minus. Bei den traditionellen Fonds hat das Pictet- Produkt mit minus 14,3 Prozent deutlich besser abgeschnitten als der SAM-Fonds mit minus 19 Prozent. Um gut 16 Prozent liegt der zweite Wasser-ETF auf Jahressicht im Minus, der Powershares Palisades Global Water (ISIN IE00B23D9026) der US-Investmentgesellschaft Invesco. Der ETF investiert in den „Palisades Global Water-Index“, für dessen Zusammensetzung auch Steve Hoffmann verantwortlich ist, der Autor des Buches „Planet Water“. Hoffmann glaubt, dass sich der Wasserpreis weiter verteuern muss, um die Menschen in wasserreichen Ländern zum Sparen zu motivieren, aber auch, um Investitionen zu finanzieren. Wegen der Wasserknappheit empfiehlt er Anlegern vor allem Firmen, die sich auf die Einsparung des Rohstoffs spezialisieren. Dazu gehören Anbieter intelligenter Technik wie Consolidated Water, die Meerwasser zur Deckung des Wasserverbrauchs karibischer Inseln entsalzen und immer mehr Kunden an Land ziehen.

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