Soziale Banken : Gutes tun und daran verdienen

In der Finanzkrise wächst der Markt für soziale Banken. Die Kunden investieren in nachhaltige Projekte.

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Striegeln statt spekulieren. Sylke Schröder, Vorstand der Ethikbank, mit Azubis auf dem Naturhof Gut Etsdorf. -Foto: dpa

Frankfurt am Main - Renate Wahl steht kurz vor der Rente. 25 Jahre hat die 65-Jährige in einem sozialpädagogischen Zentrum in Frankfurt am Main gearbeitet. Das Geld, das sie für den Ruhestand gespart hat, liegt seit einem Jahr auf einem Tagesgeldkonto der Gemeinschaftsbank Leihen und Schenken (GLS). Die ethisch-ökologische Bank lockt Kunden nicht mit hohen Renditen, sondern mit Transparenz und Investitionen in nachhaltige Projekte.

„Mir war wichtig mitzubestimmen, was mit meinem Geld passiert“, sagt Renate Wahl. Von Anfang an habe sie mitentscheiden dürfen, wofür ihr Geld bevorzugt verwendet werden soll. So hat sie in ein Projekt für neue Wohnformen im Alter und in ein Kinderprojekt investiert. Dass ihr Konto nur 1,1 Prozent Zinsen bringt, ist ihr egal. „Dafür mache ich einen doppelten Gewinn. Ich bekomme zwar weniger Zinsen, kann aber etwas verwirklichen, wohinter ich voll stehe.“

Viele Kunden denken so, und auf diese Zielgruppe haben sich soziale Banken spezialisiert. Institute mit Namen wie Paxbank, Umweltbank oder Ethikbank werben mit dem Faktor Nachhaltigkeit. Anstatt Gelder auf der Suche nach größtmöglichem Profit über den ganzen Erdball zu schieben und in riskante Papiere zu investieren, vergeben sie Kredite an deutsche Unternehmen oder Initiativen, die einen ökologischen, sozialen oder kulturellen Mehrwert schaffen. Sie kommen unter anderem aus den Bereichen Ernährung, Bildung und Sozialwirtschaft, Gesundheitspflege, Kunst- und Kreativwirtschaft oder Umwelttechnik.

  Sylke Schröder, Vorstand der Ethikbank, schätzt den Marktanteil dieses Bankgeschäfts in Deutschland zurzeit noch auf unter ein Prozent. Künftig seien aber drei bis vier Prozent möglich, glaubt sie. „Es gibt etliche Menschen, die die Macht der Konzerne hinterfragen“, sagt Schröder. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Konzerne zu disziplinieren.“ So investiert die Bank, eine Tochter der Volksbank Eisenberg, nicht in Unternehmen, die Waffen herstellen, Saatgut gentechnisch verändern oder Atomkraftwerke betreiben; auch werden keine Anleihen von Ländern erworben, die Menschenrechte verletzen.

Nach Untersuchungen der Beratungsgesellschaft Zeb hat das Segment der ethisch-ökologischen Banken insbesondere seit der Finanzmarktkrise länderübergreifend an Akzeptanz und Zulauf gewonnen. „Viele Menschen haben das Vertrauen in die traditionellen Banken verloren. Hinzu kommen ein übergreifender Wertewandel und ein verändertes Verbraucherverhalten“, sagt Ulrich Hoyer, Partner bei Zeb. Diese Kunden legten Wert darauf, ihr Geld für soziale und ökologische Produkte einzusetzen. Das sehe man beispielsweise am Boom der Biolebensmittel. „Die Angebote der sozialen Banken, die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten auf diesen Bereich konzentriert haben, treffen jetzt die Bedürfnisse der Nachfrager auf den Punkt.“ Die Institute bieten in der Regel gängige Finanzdienstleistungen wie Girokonto und Sparbriefe, Investmentfonds und Altersvorsorge bis hin zum Vermögensmanagement an. Doch ob Eigen- oder Kundenanlage, Investition oder Kreditvergabe, die Banken besitzen eine ganze Reihe von Ausschlusskriterien, für die Geld prinzipiell weder verliehen noch investiert wird. Dazu gehören unter anderem Kinderarbeit, Tierversuche, Alkohol, Atomenergie, Rüstung und Pornografie, bedenkliches Umweltverhalten, kontroverse Wirtschaftspraktiken und Menschenrechtsverletzungen. Außerdem werden Spekulationen gemieden und der Transparenz ein hoher Stellenwert eingeräumt. So führt die GLS Bank beispielsweise in ihrer Kundenzeitschrift „Bankspiegel“ regelmäßig auf, an wen sie Kredite vergibt und wo sie investiert. Genau wie die niederländische Triodos Bank und die Noah Bank stellen sie sich in einem Internetblog Fragen von Kunden.

Die Niederländer haben im vergangenen November ihr Geschäft in Deutschland eröffnet. 2009 ist Triodos von der „Financial Times“ und der Weltbanktochter IFC zur „Sustainable Bank of the Year“ (Nachhaltige Bank des Jahres) gekürt worden. Gegründet wurde sie bereits 1980. Mit weltweit knapp 200 000 Kunden ist sie Marktführer in dem Segment. Danach kommen die Umweltbank mit 75 000 und die GLS Bank mit 66 000 Kunden.

Während viele traditionelle Banken während der Finanzkrise Verluste hinnehmen mussten, stehen die ethisch-ökologischen Häuser gut da: Statt Verlusten konnten sie ihre Bilanzsumme sogar binnen eines Jahres zwischen 15 und 30 Prozent ausweiten. Die kleine Ethikbank steigerte im vergangenen Jahr die Zahl ihrer Konten um 17 Prozent auf 8900, das Volumen der Kundeneinlagen um gut ein Viertel auf etwa 90 Millionen Euro. 2010 wollen die Eisenberger die Marke von 10 000 Kunden und 100 Millionen Euro an Einlagen erreichen. Die Noah Bank, die erst im Dezember an den Start ging, gewann innerhalb von vier Wochen 2500 Kunden.

Die Finanzkrise habe den Trend zur Nachhaltigkeit auf dem Bankenmarkt beschleunigt, sagt Berater Hoyer. „Nach unseren Berechnungen haben etwa sieben Millionen Menschen eine hohe Affinität zum Social Banking, sind aber noch an ihre traditionellen Bankinstitute gebunden.“ Die Frage sei, ob diese Kundschaft sich zu einer eigenen Zielgruppe entwickle und die Nachfrage nach nachhaltigen Bankprodukten weiter steige. Denn trotz der Zuwachsraten geht es bisher nur um eine Nische in der Finanzwelt.

Offen ist auch, ob die großen Banken auf den Zug aufspringen und sich künftig stärker an Nachhaltigkeitsaspekten orientieren werden. Hoyer kann sich vorstellen, dass die traditionellen Banken ihr Angebot mit nachhaltigen Produkten aufstocken oder sogar eine soziale Bank als Zweitmarke gründen – ähnlich wie das Bioregal im Supermarkt. Nicht zu erwarten sei allerdings, dass alle Institute komplett ins soziale Banking einsteigen. „Dafür ist der Markt auf absehbare Zeit zu klein.“

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