Steuerskandal : Schweizer Bankier: Deutsche Fahnder wie Gestapo

Der oberste Schweizer Banker schwingt die Nazi-Keule: Pierre Mirabaud, Vorsitzender der Bankiervereinigung, fühlt sich vom Vorgehen deutscher Behörden an "Gestapo-Methoden" erinnert. Allerdings entschuldigt sich Mirabaud anschließend für die "unglückliche Formulierung".

BernDer Vorsitzende des Schweizer Bankenverbands hat das Vorgehen der deutschen Behörden bei der Suche nach mutmaßlichen Steuersündern mit Nazi-Methoden verglichen. Die Art, wie sich die Behörden Daten deutscher Kunden liechtensteinischer Banken beschafft hätten, erinnerten ihn "leider an Methoden, die jenen der Gestapo würdig sind", zitierte die Schweizer Nachrichtenagentur SDA am Donnerstag aus einem Interview. Dieses hatte der Chef der Schweizer Bankiersvereinigung, Pierre Mirabaud, am Mittwochabend dem französischsprachigen Schweizer Fernsehsender TSR gegeben hatte.

Laut SDA ruderte Mirabaud am Donnerstag zurück: Seine Äußerungen seien "unglücklich". Er habe lediglich sein Unbehagen über die Methoden ausdrücken wollen, mit denen Geheimdienste gegen befreundete Staaten vorgingen. Mirabaud, der in der Führung der Privatbank Mirabaud & Cie tätig ist, steht seit dem Jahr 2003 an der Spitze des Schweizerischen Bankiersverbands.

Informant war "Selbstanbieter"

Medienberichten zufolge ist der Informant, der dem Geheimdienst die Informationen über Steuersünder zugespielt hat, ein klassischer "Selbstanbieter": Er hatte sich per E-Mail an den BND gewandt. Liechtensteins Behauptung, es handle sich um einen verurteilten Betrüger, entpuppte sich bereits als falsch. Der Geheimdienst hatte sich den Berichten zufolge sogar ein polizeiliches Führungszeugnis der Person verschafft.

Neben Lichtenstein gilt auch die Schweiz landläufig als Steueroase. Steuerflüchtlinge können, wenn sie ihren Wohnsitz in die Schweiz verlagern, mitunter ein Pauschalabkommen mit den Steuerbehörden aushandeln. Reiche Prominente wie beispielsweise Michael Schumacher können so Steuern sparen. (ck/AFP)

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