Talfahr an den Börsen : Noch ein schwarzer Tag

Ausverkauf, "blinde Panik", "Käuferstreik" – entsetzt von den Kurseinbrüchen an den weltweiten Aktienmärkten, suchten die Börsenhändler am Freitag nach Worten, um die Ausmaße des Dramas zu beschreiben. Mit dramatischen Verlusten beenden die Börsen eine Horror-Woche.

Stefan Kaiser

Berlin - Ausverkauf“, „blinde Panik“, „Käuferstreik“ – entsetzt von den Kurseinbrüchen an den weltweiten Aktienmärkten, suchten die Börsenhändler am Freitag nach Worten, um die Ausmaße des Dramas zu beschreiben. In Deutschland brach der Leitindex Dax zeitweise um fast zwölf Prozent ein. Auch in London und Tokio befanden sich die Kurse teilweise im freien Fall. In Indonesien, Rumänien, Thailand, Brasilien und Österreich wurde der Börsenhandel vorübergehend ausgesetzt, um weitere Kursstürze zu verhindern.

Hinter den Turbulenzen steckt die Angst der Börsianer vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung. Experten sprechen aber auch von Kettenreaktionen, die bei großen Anlegern durch automatische Verkaufsprogramme ausgelöst wurden. Hinzu kommt, dass vielen Investoren das Geld für die Rückzahlung von Krediten ausgeht und sie deshalb in der Not Aktien verkaufen müssen.

Begonnen hat das jüngste Kapital dieses Dramas am Donnerstagabend an der New Yorker Wall Street. Kurz vor Handelsschluss war der Dow-Jones-Index in den freien Fall geraten und hatte mit einem Minus von 7,3 Prozent bei 8579 Zählern geschlossen. Am Freitag setzte sich das Börsenbeben weltweit fort.

Versicherer schockiert Tokio

Die Börse in Tokio verbuchte am Freitagmorgen zeitweilig ihren größten Verlust seit gut 20 Jahren, der Nikkei-Index beendete den Handel 9,6 Prozent im Minus. „Das ist jenseits dessen, was wir in früheren Crashs gesehen haben“, kommentierte ein Händler. Einen Schock löste der Zusammenbruch des nicht-börsennotierten Versicherers Yamato Life aus. Das mittelgroße Versicherungsunternehmen stellte wegen Überschuldung am Freitag Antrag auf Gläubigerschutz. Politiker und Experten beteuerten zwar umgehend, dass in Japan keine Pleitewelle drohe. Gleichwohl demonstriert der Zusammenbruch nach Ansicht von Experten die Empfindlichkeit der japanischen Wirtschaft. Während andere asiatische Börsen etwas geringere Verluste als Tokio verbuchten, brach der Aktienmarkt in Australien mit einem Minus von mehr als acht Prozent so stark ein wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Deutschland fällt mit

In Deutschland eröffnete der Dax bereits deutlich im Minus und baute seine Verluste bis zum Nachmittag auf 11,9 Prozent aus und notierte so niedrig wie zuletzt Mitte 2005. Am Nachmittag erholte er sich wieder etwas und lag kurz vor Handelsschluss noch 6,6 Prozent im Minus bei 4569 Punkten. Damit hat der wichtigste deutsche Börsenindex innerhalb einer Woche rund 21 Prozent seines Wertes eingebüßt. „Es wäre fast besser, wenn jetzt endlich der große reinigende Ausverkauf käme“, sagte ein Händler. „Denn erst wenn sich auch der Letzte von seinen Papieren getrennt hat, kann es wieder aufwärtsgehen.“

Zu den größten Verlierern gehörten erneut Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank und der Postbank brachen um mehr als 15 Prozent ein. Die Deutsche Bank hat seit ihrem Höchststand im Sommer 2007 fast drei Viertel ihres Wertes verloren.

Sorge um Morgan Stanley in den USA

Auch an der Wall Street setzten die Kurse ihren Fall am Freitag zu Handelsbeginn zunächst fort und rauschten um mehr als acht Prozent nach unten. Anschließend erholten sie sich jedoch leicht und konnten ihre Verluste bei drei Prozent halten. Im Blickpunkt standen erneut die Aktien der Bank Morgan Stanley, die bereits in den vergangenen Tagen dramatisch gefallen waren und am Freitag erneut um mehr als 40 Prozent einbrachen. Zwei Analysten-Gutachten sagen dem angeschlagenen US-Institut eine düstere Zukunft voraus.

„Der anhaltende Abschwung am globalen Finanzmarkt wird Morgan Stanleys Einnahmen- und Gewinnpotential für 2009 belasten, vielleicht auch darüber hinaus“, schrieb die Ratingagentur Moody’s. Sie drohte am Freitag, das Rating für Morgan Stanley und ihren Rivalen Goldman Sachs zu senken. Beide Institute hatten vor kurzem ihren Sonderstatus als Investmentbanken verloren.

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