Test: Girokonten : Über Gebühr

Girokonten sind oft nur auf den ersten Blick gratis. Die Stiftung Warentest hat 48 Kredithäuser in einer aktuellen Studie überprüft und stellte fest: Vor allem der Dispo ist teuer.

David C. Lerch
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Ein dichtes Netz. Unter den Testsiegern bietet die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam Online-Kunden die Möglichkeit, an 25...Foto: dpa

DüsseldorfWer sein Girokonto überzieht und in den Dispokredit rutscht, muss weiterhin mit hohen Kosten rechnen. Daran hat auch die Finanzkrise wenig geändert, wie aktuelle Tests belegen. Dabei können sich die Banken selbst durch die Krise zu immer günstigeren Konditionen Geld leihen. Die Europäische Zentralbank hat im vergangenen Jahr den Leitzins von vier auf inzwischen ein Prozent gedrückt. Doch diesen Vorteil reichen die meisten Kreditinstitute nicht an ihre Kunden weiter.

Von 48 Kredithäusern, die die Stiftung Warentest in einer aktuellen Studie überprüft hat, haben nur 17 seit Juni 2008 ihre Dispozinsen gesenkt. Der Bundesbank zufolge gingen die Disposätze zwischen Oktober 2008 und April dieses Jahres um 1,04 Prozentpunkte zurück, während der Leitzins um drei Prozentpunkte fiel. Im Schnitt verlangen deutsche Banken knapp zwölf Prozent Zinsen für ein überzogenes Girokonto. Verbraucherschützer kritisieren das als unverhältnismäßig. Die Geldhäuser rechtfertigen sich mit dem höheren Risiko. Ihr Argument: In der Krise würden mehr Kunden den Dispokredit in Anspruch nehmen.

Vergleichen zahlt sich aus

Auch abgesehen von den Aufschlägen für rote Zahlen lohnt sich bei Girokonten ein sorgfältiger Vergleich zwischen den einzelnen Banken. Die meisten Institute bieten inzwischen ein Gratiskonto an, allerdings oft verbunden mit Einschränkungen oder geknüpft an Bedingungen. Die Stiftung Warentest hat 141 Kontenmodelle von 67 Banken und Sparkassen unter die Lupe genommen. Drei Viertel von ihnen bieten ein kostenloses Konto. Aber nur in 17 Fällen bestätigt die Stiftung diese Einschätzung ohne Wenn und Aber. Für Filialkunden ist die Auswahl zusätzlich beschränkt.

Nur das „Top-Girokonto“ der Norisbank ist zum einen bundesweit verfügbar, und es spielt keine Rolle, ob der Kunde per Telefon, Computer oder in der Filiale das Konto nutzt. Auch die Kreditkarte zum Girokonto kostet bei der Tochter der Deutschen Bank mit bundesweit 96 Filialen nichts, genau wie das Geldabheben an rund 7000 Automaten. Ein ähnliches Angebot für Online- und Filialkunden machen sonst nur regionale Geldhäuser wie die PSD-Banken Berlin- Brandenburg oder Hessen-Thüringen. Konto und Karten sind dort ohne Einschränkung umsonst. Dazu können rund 18 600 Geldautomaten bei fast allen Genossenschaftsbanken genutzt werden.

Wer ganz auf die Filiale verzichtet, hat grundsätzlich mehr Möglichkeiten, eine Gebühr für sein Girokonto zu sparen. „Das ist häufig besonders für junge Leute interessant“, sagt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. Bei den Direktbanken schnitten im Test die ING- Diba, die Wüstenrot-Bank und die Comdirect gut ab. Bei allen drei gibt es ein kostenloses Konto, aber vergleichsweise wenige Geldautomaten. Unter den Testsiegern bieten die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam und die Saale- Sparkasse ihren Online-Kunden die meisten Gelegenheiten zum Abheben von Bargeld. Insgesamt: 25 700.

Versteckte Kosten

In vielen Fällen verlangen Banken für ihr Girokonto keine Gebühren, aber häufig versteckt sich der Preis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. 37 der geprüften Modelle ordnet die Stiftung Warentest in diese Kategorie. Meistens verlangt die Bank einen monatlichen Geldeingang, sonst wird eine Gebühr für die Kontoführung erhoben. Bei dem „Konto Giro Plus“ der Postbank sind das zum Beispiel 5,90 Euro im Monat. Bei Genossenschaftsbanken wie den Sparda-Banken muss als Bedingung für das kostenlose Konto häufig ein Anteil an der Bank erworben werden. Anders ist es bei der Berliner Volksbank. Dort bekommen Online-Kunden keinen elektronischen Kontoauszug. Sie können den Drucker in der Filiale nutzen oder sich den Auszug schicken lassen – gegen Portogebühr.

Manch einer wird bewusst auf das kostenlose Modell verzichten, etwa weil er die Beratung in der Filiale vor Ort schätzt. Doch auch in diesem Fall sollte man seine Kontogebühren überprüfen. Mehr als 80 Euro im Jahr sollte ein Filialkonto nicht kosten, urteilt die Stiftung Warentest, ein Online-Konto nicht mehr als 40 Euro. Verbraucherschützer empfehlen, zunächst auf unabhängigen Internetseiten wie www.fmh.de die Angebote der Banken genau zu vergleichen. Sollte man sich für einen Wechsel entscheiden, kann man das direkt tun. Kunden können ein Girokonto jederzeit ohne Frist kündigen und das Guthaben auf ein neues Konto überweisen lassen. „Dafür dürfen die Banken keine Gebühren erheben“, erklärt Peter Lischke.

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