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Ukraine und Irak : Politische Krisen drücken Dax unter 9000 Punkte

Der Dax ist am Freitagmorgen unter die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten gefallen. Viele Anleger suchen sichere Häfen auf und kaufen deutsche Bundesanleihen.

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Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Der Dax ist zum ersten Mal seit knapp fünf Monaten wieder unter die Marke von 9000 Punkten gerutscht. Die
zahlreichen internationalen Krisen drückten den Deutschen Aktienindex am Freitag zum Handelsbeginn auf 8936,81 Punkte.

Meldungen, nach denen US-Präsident Barack Obama Luftschläge im Irak gegen das Vorrücken der Extremistengruppe "Islamischer Staat" (IS) angeordnet hat, und die anhaltenden Spannungen mit Russland nach dem Importstopp von Lebensmitteln verunsichern die Märkte.

Am Donnerstag hatte der Dax ein Prozent auf 9038,97 Punkte verloren. Seit Wochenanfang kommt er auf ein Minus von 1,9 Prozent.

Viele Anleger suchen sichere Häfen auf. Die Rendite der deutschen Bundesanleihe, die sich umgekehrt zu ihrem Kurs verhält, sank auf ein Rekordtief von 1,07 Prozent.

Auch die Wall Street musste Verluste hinnehmen: Der Dow-Jones-Index und der Nasdaq-Composite gaben am Donnerstag jeweils 0,5 Prozent nach. Der S&P 500 ging mit einem Minus von 0,6 Prozent aus dem Handel. Noch deutlicher bergab ging es in Japan: Der Nikkei-Index verlor am Freitag 2,4 Prozent. Der Shanghai-Composite rückte dagegen um 0,5 Prozent vor.

Die Frage ist, warum die Krisenherde und die verschlechterten Handelsbeziehungen mit Russland nicht noch stärker auf die Börsen drücken. Die Rückgänge an den Aktienmärkten sind kein Crash, sie bewegen sich in der Dimension einer ganz normalen Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend. Eine solche Korrektur war längst überfällig. Eine Erklärung für die relative Stabilität ist die anhaltend lockere Geldpolitik. Andererseits drohen in den USA und in Großbritannien ein vorzeitiger Beginn von Leitzinserhöhungen.

Allianz mit Gewinnsprung

Die geringen Katastrophenschäden im zweiten Quartal heben laut dpa die Stimmung bei Europas größtem Versicherer Allianz. Von April bis Ende Juni verdiente der Dax-Konzern unter dem Strich 1,76 Milliarden Euro und damit 10,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der Versicherer am Freitag mitteilte. Der operative Gewinn sprang um gut 17 Prozent auf fast 2,77 Milliarden Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Branchenexperten. Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Michael Diekmann weiter mit einem operativen Ergebnis von 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro, sieht nun aber das obere Ende der Prognosespanne in Reichweite.


Exportweltmeister China hat seine Ausfuhren im Juli überraschend kräftig gesteigert. Die Exporte legten um 14,5 Prozent zu, wie die Zollbehörde am Freitag mitteilte. Damit verdoppelten sie sich im Vergleich zum Juni und übertrafen die Expertenerwartungen von 7,5 Prozent deutlich. Die Importe sanken dagegen unerwartet um 1,6 Prozent, was zu einem Rekordüberschuss in der Handelsbilanz von 47,3 Milliarden Dollar führte. Während es eine starke Nachfrage aus dem Ausland gebe, deute der Rückgang der Einfuhren auf ein weiterhin maues Binnenwachstum, sagte Analyst Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole. Dies schüre Sorgen um das Wirtschaftswachstum und könne Chinas Zentralbank zu neuen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur veranlassen.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hatte im ersten Quartal mit 7,4 Prozent die schwächste Zuwachsrate seit eineinhalb Jahren erreicht. Im Frühjahr reichte es immerhin zu einem Plus von 7,5 Prozent. Diese Zahl peilt die Regierung auch für das Gesamtjahr an. (mit dpa und Reuters)

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