US-Börsen : Schnäppchenjäger retten Dow Jones

Die Händler schöpfen wieder Hoffnung: Eklatante Panikverkäufe blieben aus und kurz vor Handelsschluss griffen Schnäppchenjäger munter zu, so dass der US-Leitindex Dow Jones im Plus schloss. Die US-Bank J.P. Morgan konnte von der Übernahme von Bear Stearns kräftig profitieren.

New YorkDer Notverkauf der US-Investmentbank Bear Stearns als neuer Höhepunkt der Finanzmarktkrise hat die US-Börsen am Montag zeitweise deutlich belastet. Allerdings reduzierten die meisten Indizes ihre Verluste im Tagesverlauf, der Leitindex Dow Jones drehte sogar ins Plus und schloss gut behauptet, nachdem Händlern zufolge wieder Schnäppchenjäger unterwegs gewesen seien. Die überwiegend schwachen Konjunkturdaten fanden kaum Beachtung.

Der Dow Jones ging vor der am Dienstag anstehenden Leitzinsentscheidung der Notenbank Fed mit einem Plus von 0,18 Prozent auf 11 972,25 Punkte aus dem Handel. Die Schwankungsbreite im Tagesverlauf betrug rund 314 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,90 Prozent auf 1276,60 Zähler. An der Technologiebörse fiel der Nasdaq 100 um 1,55 Prozent auf 1687,19 Punkte. Der Nasdaq-Composite-Index sank um 1,60 Prozent auf 2177,01 Zähler.

Dass es nicht zu richtigen Panikverkäufen gekommen sei und der Dow sogar zum Handelsende wieder zugelegt habe, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bodenbildung kurz bevorstehe, sagten Händler am Markt. Schnäppchenjäger hätten rund eine Stunde vor Handelsschluss zugegriffen. Gekauft wurden vor allem Pharmawerte, aber auch Technologie- und Telekomaktien im Leitindex.

Bear-Stearns-Papiere verlieren fast 90 Prozent

Bereits vor dem Wochenende hatte die Nachricht über den Zustand von Bear Stearns und deren möglicher Pleite deutlich belastet. Die Bear-Stearns-Titel, die am Freitag bereits rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hatten, verloren weitere 84,54 Prozent auf 4,77 Dollar, als bekannt wurde, dass J.P. Morgan die Bank für 0,05473 eigene Aktien übernehmen will.

Andere Finanztitel mit Ausnahme von J.P. Morgan gaben ebenfalls nach: Citigroup verloren 6,01 Prozent auf 18,62 Dollar, American International Group (AIG) sanken um 3,52 Prozent auf 39,73 Dollar. Lehman Brothers brachen um 19,13 Prozent auf 31,75 Dollar ein. Die Bank wird am Dienstag Zahlen zum ersten Quartal vorlegen. Morgan Stanley büßten 8,02 Prozent auf 36,38 Dollar ein und Merrill Lynch 5,36 auf 41,18 Dollar.

Die drittgrößte US-Bank J.P. Morgan profitierte kräftig von der Übernahme von Bear Stearns: Das Papier sprang im Dow Jones um 10,32 Prozent auf 40,31 Dollar nach oben. Analysten schätzten den Kauf zu einem "Spottpreis" von gut 2 US-Dollar je Aktie als langfristig positiv für J.P. Morgan ein. Dadurch könne die US-Bank ihr Geschäft strategisch vorteilhaft zu einem geringen Preis erweitern und ausbauen, hieß es.

Schlechte Zeiten für General Motors

General Motors (GM) verloren als Schlusslicht im Dow Jones 7,23 Prozent auf 17,83 Dollar. S&P erwägt eine Abstufung der Kreditwürdigkeit des Autobauers, da bei der Zulieferfirma American Axle weiterhin gestreikt wird. Dadurch musste GM bereits Werke stilllegen.

Die führende US-Derivatebörse CME will den weltgrößten Energiehandelsplatz, die New York Mercantile Exchange (NYMEX), für 9,48 Milliarden Dollar (6,15 Mrd Euro) übernehmen. Ein entsprechender Vertrag wurde an diesem Tag von beiden Seiten unterzeichnet. Infolge der Finanzmarktturbulenzen fand dies keine Beachtung. CME sanken um 7,58 Prozent auf 449,20 Dollar und die NYMEX-Titel gaben um 11,26 Prozent auf 84,30 Dollar nach.

Am US-Rentenmarkt setzten die Anleihen zur Rallye an. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen stiegen um 1 2/32 Punkte auf 101 15/32 Punkte. Sie rentierten sich mit 3,324 Prozent. Der Euro, der in der Nacht zum Montag auf ein neues Rekordhoch von 1,5906 US-Dollar gestiegen war, gab bis zum Abend einen Teil der Gewinne wieder ab und notierte bei 1,5736 US-Dollar. (imo/dpa)

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