US-Finanzkrise : Pleitebank lässt Börse beben

Die US-Regierung zieht die Notbremse: Anders als bei den US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac eilt sie der Investmentbank Lehman Brothers nicht zur Hilfe. Auch die Bank of America fällt als Rettungsanker aus - sie übernimmt lieber Merrill Lynch. Die Märkte reagieren nervös auf die sich überschlagenden Ereignisse in den USA.

Lehman Brothers
Die US-Investmentbank Lehman Brothers. -Foto: dpa

New York/Frankfurt am MainDie Finanzkrise in den USA hat sich dramatisch zugespitzt und die Wall Street auf einen Schlag umgekrempelt. Die Rettung der schwer angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers scheiterte trotz eines fieberhaften Verhandlungsmarathons. Sie meldete am Montagmorgen Insolvenz an. Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch wird von der Bank of America gekauft. Die Umbrüche lösten Angst vor Turbulenzen an den Finanzmärkten aus. Weltweit gingen die Börsen auf Talfahrt. Notenbanken und Finanzbehörden betonten ihre Bereitschaft, zur Stabilisierung der Märkte einzugreifen.

Die größten Bankkonzerne legten einen 70 Milliarden Dollar schweren Unterstützungfonds auf, um sich gegenseitig auszuhelfen. Damit verändert sich das Gesicht der amerikanischen Finanzbranche drastisch: An der Wall Street gibt es nun mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken statt fünf vor einem halben Jahr.

Banken legen Selbsthilfefonds auf

Lehman Brothers, die viertgrößte amerikanische Investmentbank, beantragte am Montagmorgen Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. In dem Verfahren kann sie zunächst einmal ihre Geschäfte weiterführen, ohne von ihren Geldgebern überrannt zu werden. Die verzweifelten Rettungsbemühungen für Lehman Brothers scheiterten letztlich daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss und die Branche nicht bereit war, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen. Das Problem von Lehman waren vor allem vom Ausfall bedrohte Kreditpapiere aus dem Immobiliensektor.

Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch wurde in der Nacht zum Montag von der Bank of America aufgefangen. Die Lage bei Merrill war nicht so akut wie bei Lehman Brothers, sie litt jedoch auch unter Milliardenverlusten und fallenden Aktienkursen. Die Bank of America, die lange auch als Retter für Lehman umworben wurde, zahlt für Merrill Lynch rund 50 Milliarden Dollar in Aktien.

Während Notenbanken weltweit bereitstanden, um für Stabilität an den Finanzmärkten zu sorgen, legte die Branche eine Art Selbsthilfefonds auf. Zehn internationale Bankkonzerne bildeten einen Topf mit 70 Milliarden Dollar, um sich gegenseitig bei möglichen Liquiditätsengpässen zu helfen. Hier mit dabei: die Deutsche Bank.

Der nächste Patient bitte

Unterdessen kündigt sich das nächste Drama beim amerikanischen Versicherungsriesen AIG an. Der American International Group (AIG), einer der weltgrößten Versicherer, habe die US-Notenbank um einen Überbrückungskredit von 40 Milliarden Dollar gebeten, berichtete die "New York Times".

Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist als Folge der Zuspitzung an der Wall Street am Montag kurzzeitig unter die Marke von 6000 Punkten gefallen. Das wichtigste Börsenbarometer in Frankfurt am Main erreichte damit seinen tiefsten Stand seit Oktober 2006. Direkt danach stieg der Dax wieder über 6000 Punkte - bliebt aber mit über drei Prozent im Minus. Vor allem die Aktien von Banken und Versicherungen landeten im roten Bereich. Auch weltweit verloren die Börsen am Montagvormittag deutlich.

Beruhigungspille für die Märkte: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geschäftsbanken des Euroraums am Montag kurzfristig mit liquiden Mitteln von 30 Milliarden Euro versorgt. In einem eintägigen Refinanzierungsgeschäft (Refi) wurde diese Summe den Geschäftsbanken zugeteilt.

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