US-Immobilienmarkt : Deutsche Bank trotz der Krise

Der Gewinn bei dem Institut steigt um 30 Prozent. Die Deutsche Bank hilft bei der Rettung der IKB.

Stefan Kaiser

Berlin - Die Deutsche Bank trotzt der Krise am US-Immobilienmarkt und steuert auf das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte zu. Im ersten Halbjahr 2007 hat sie netto 3,9 Milliarden Euro verdient – und damit rund 30 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, das bisher als Rekordjahr gilt.

Vorstandschef Josef Ackermann sprach von einem „exzellenten Halbjahresergebnis“. Auch die Entwicklung im zweiten Quartal sei „außerordentlich gut“. Von April bis Juni steigerte die Bank ihren Gewinn um 31 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Zuletzt war darüber spekuliert worden, die Deutsche Bank könnte auch von der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt betroffen sein, die am Montag die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB erfasst hatte. Ackermann räumte zwar schwierige Bedingungen ein. Die Unsicherheit an den weltweiten Finanzmärkten werde kurzfristig anhalten. Hinzu komme die zunehmende Zurückhaltung von Investoren gegenüber dem hohen Einsatz von Fremdkapital bei Fusionen und Übernahmen. Das Geschäftsmodell der Bank sei aber „darauf ausgerichtet, auch unter solchen Bedingungen erfolgreich zu sein“. Ein Sprecher der Bank sagte dem Tagesspiegel, man habe bereits früher Anzeichen einer Krise gesehen und daraus die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Auch im Juli, der im Berichtszeitraum nicht erfasst ist, sei man mit der Entwicklung sehr zufrieden, hieß es.

Trotz aller Beteuerungen der Bank blieben die Anleger skeptisch. Die Aktie wurde von den schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche mit nach unten gerissen und startete mit einem Minus von 3,5 Prozent in den Tag. Später erholte sie sich aber wieder. Analysten warfen der Bank eine schlechte Kommunikationspolitik vor. „Sie tut nichts um die Unsicherheit rauszunehmen“, sagte Dieter Hein von Fairesearch. Die vorgelegten Zahlen zeigten, dass die Krise in den USA bisher nicht auf die Bank durchgeschlagen habe. „Das heißt aber nicht, dass sie im Verlauf des restlichen Jahres keine Schieflage haben wird.“ Weil die Bank ihr Engagement im kritischen Sektor zweitklassiger Immobilienkredite nicht offengelegt habe, könnten „noch Überraschungen schlummern“. Am Montag hatte die Mittelstandsbank IKB wegen ihrer Verwicklung in die US-Krise ihre Gewinnprognose gesenkt und ihren Chef ausgetauscht. Nur durch das Eingreifen der Staatsbank KfW, die der IKB 8,1 Milliarden Euro Kredit bereitstellte, konnte nach Meinung der meisten Beobachter die Insolvenz der IKB verhindert werden.

Die Deutsche Bank beteiligt sich offenbar an der Rettung der IKB. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hätten sich private Banken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, bereits am Sonntag mit der KfW und dem Bundesfinanzministerium darauf verständigt, 30 Prozent der Kreditlinie zu übernehmen. Jochen Sanio, Präsident der Finanzaufsicht Bafin, habe vor einer „systemischen Krise“ gewarnt, sollte die Rettungsaktion ausbleiben. „In Deutschland droht die schlimmste Finanzkrise seit 1931“, soll Sanio nach Angaben aus Teilnehmerkreisen während einer Telefonkonferenz gesagt haben. Auslöser der IKB-Krise soll allerdings auch Deutsche-Bank-Chef Ackermann gewesen sein, der am vergangenen Freitag angekündigt habe, der Mittelstandsbank kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen.

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