US-Notenbank : Fed-Chef Bernanke deutet Zinssenkung an

Senkt die US-Notenbank den Leitzins? Fed-Chef Bernanke signalisiert ein Überdenken seiner Zinspolitik in diese Richtung. Die Märkte reagieren negativ - und US-Präsident Bush übt sich in Zweckoptimismus.

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In großer Sorge um das Wirtschaftswachstum: Ben Bernanke, Chef der Fed. -Foto: getty

WashingtonUS-Notenbankchef Ben Bernanke hat angesichts der dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise eine mögliche Senkung des US-Leitzinses angedeutet. Während sich die Konjunkturaussichten verschlechtert hätten, habe sich das Inflationsbild etwas aufgehellt, sagte Bernanke am Dienstag in Washington. Vor diesem Hintergrund müsse die Federal Reserve prüfen, "ob ihre gegenwärtige Zinspolitik weiterhin angemessen ist".

Die Fed hatte ihren Leitzins Mitte September zum dritten Mal in Folge bei zwei Prozent belassen. "Die wirtschaftliche Aktivität wird für den Rest des Jahres und bis ins nächste Jahr hinein gedämpft sein", sagte der Notenbankchef. Die Verschärfung der Finanzmarktkrise könne "sehr wohl die Periode der Konjunkturschwäche verlängern und die Risiken für das Wachstum erhöhen". Allerdings warnte Bernanke auch davor, die Gefahren des Preisauftriebs außer Acht zu lassen. "Wir sollten sehr vorsichtig sein, bevor wir den Sieg im Kampf gegen Inflation erklären."

Nach den Worten Bernankes wirkten sich die gestiegenen Kosten für Energie und Nahrungsmittel zusammen mit der Schwäche des Arbeitsmarktes immer klarer auf die US-Verbraucherausgaben aus. "Seit Mai sind die Konsumausgaben deutlich zurückgegangen", sagte der Notenbankchef. Unternehmen schraubten zugleich angesichts der düsteren Konjunkturaussichten Investitionen zurück. Die Zahl der US-Beschäftigten war im September so stark gesunken wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr.

Dow Jones fällt weiter

An den Börsen wurde die Möglichkeit einer Zinssenkung nicht wie üblich positiv aufgenommen. Im Gegenteil: Der Dow-Jones-Index beschleunigte seine Talfahrt und fiel bei einem Minus von zeitweise 3,2 Prozent unter die Marke von 9700 Punkten.

Unterdessen äußerte sich auch US-Präsident George W. Bush: Die USA stehen nach seinen Worten vor wirtschaftlich schwierigen Zeiten. "Keine Frage, es sind harte Zeiten, aber wir werden da auch wieder herauskommen", sagte Bush am Dienstag in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Die USA hätten schon oft unter Wirtschaftskrisen gelitten und jedes Mal seien diese auch wieder überwunden worden. Er warnte davor, in diesen Zeiten Steuern zu erhöhen. (ck/dpa)

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