USA : US-Notenbank senkt erneut Leitzins

Innerhalb weniger Tage setzt die amerikanische Notenbank den Leitzins noch einmal herab. Sie reagiert damit auf die schlechte Konjunktur und das geringe Wirtschaftswachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte weiterhin "unter beträchtlichem Stress".

WashingtonAngesichts der Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten hat die US-Notenbank binnen weniger Tage ihren Leitzins erneut kräftig gesenkt. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve nahm den Satz für Tagesgeld um 0,5 Punkte auf 3 Prozent zurück, wie die Notenbank mitteilte. Erst vergangene Woche hatten die Währungshüter den Leitzins überraschend um 0,75 Prozentpunkte verringert. Beide Schritte zusammen sind US-Medien zufolge die stärkste Zinssenkung der Fed in einem solch kurzen Zeitraum seit Anfang der 80er Jahre.

Die jüngsten Entscheidungen der Notenbank sollen "im Zeitverlauf maßvolles Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaft mindern", teilte die Fed mit. Dennoch gebe es weiterhin Gefahren für das Wachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte weiter "unter beträchtlichem Stress". Haushalte und Unternehmen hätten noch stärker Probleme, an Kredite zu gelangen. Jüngste Daten wiesen zudem auf eine Verschlechterung der Lage auf Immobilien- und Arbeitsmarkt hin. Allerdings seit zu erwarten, dass sich der Inflationsdruck in den nächsten Quartalen abschwäche, hieß es von der Notenbank.

Abkühlung der US-Wirtschaft

Neue Konjunkturdaten offenbarten unterdessen eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Im vierten Quartal 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,6 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Im Vorquartal lag das Wachstum noch bei robusten 4,9 Prozent. Die jüngsten Angaben sind allerdings nur eine erste Schätzung, die sich noch deutlich ändern kann. Auf Basis dieser vorläufigen Daten wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent und damit so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Wirtschaftskommentatoren unterstrichen nach den Konjunkturdaten vom Mittwoch, dass sich das Wachstum trotz aller Rezessionsgefahren immer noch im positiven Bereich bewegt. Die ersten beiden Quartale werden nach Einschätzungen von Ökonomen ebenfalls schwach ausfallen. Frühestens vom Sommer an könne die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen.

Derweil verabschiedete das US-Abgeordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit ein 146 Milliarden Dollar (98,6 Mrd Euro) umfassendes Konjunkturprogramm, um der schwächelnden Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Das Paket sieht Steuerrückzahlungen für Privatbürger zwischen 300 und 1200 Dollar sowie Investitionsanreize für Firmen vor. Präsident George W. Bush will das Programm noch im Februar in Kraft setzen. Zustimmen muss auch noch der Senat. Dort streben Republikaner sowie Demokraten eine Ausweitung des Programmes an.

Greenspan: Rezessionswahrscheinlichkeit bei 50 Prozent

Der frühere Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", er glaube, "dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mindestens 50 Prozent beträgt, doch bisher gibt es wenig Hinweise dafür, dass wir schon in einer stecken". Allein die Mittel der Notenbanker und Haushaltspolitiker könnten eine Rezession allerdings nicht verhindern. "Weltwirtschaftliche Einflüsse sind heute stärker als fast alles, was die Geld- oder die Fiskalpolitik ihnen entgegensetzen kann", sagte Greenspan. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass die Schwäche der US-Wirtschaft eine weltweite Rezession hervorruft. "Doch das globale Wachstum wird sich wahrscheinlich recht deutlich verlangsamen." Nach einer gängigen Definition sind die USA in eine Rezession gerutscht, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpft.

Der Internationale Währungsfonds hatte am Dienstag seine Prognose zum US-Wachstum für 2008 um 0,4 Punkte auf 1,5 Prozent zurückgekommen. Als Folge der Turbulenzen an den Finanzmärkten erwartet der IWF überdies ein schwächeres globales Wachstum von nur noch 4,1 Prozent. Zuvor war der Fonds von 4,4 ausgegangen.(sba/dpa)

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