Verbraucher : Beipackzettel für Finanzprodukte

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie ihren Beipackzettel: Die ING-DiBa führt als erste Bank handliche Informationsblätter für Finanzprodukte ein. Die Bundesregierung ist erfreut.

Daniel Gratzla
299964_0_0828c87c.jpg
Zu Risiken und Nebenwirkungen gibt in Zukunft auch die Bank Auskunft. -Foto: dpa

Berlin - Wen man zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten befragt, weiß in Deutschland jedes Kind. So geläufig ist der Warnhinweis auf Arzt und Apotheker. Bei Finanzprodukten ist die Sache ungleich schwieriger. Risiken und Nebenwirkungen gibt es zwar zuhauf. Doch viel zu oft versäumen es Bankberater, ihre Kunden darüber aufzuklären, wie Lehman und andere Fälle zeigten. Der Finanzdoktor ist zwar noch nicht erfunden, dafür gibt es aber jetzt immerhin einen Beipackzettel für Finanzprodukte.

Die Direktbank ING-DiBa stellte am Dienstag, dem Jahrestag der Lehman- Pleite, die ein- bis zweiseitigen Informationsblätter vor, die sie künftig jedem Finanzprodukt beifügen will. Auf diesen sind das Produkt und dessen Risiken, Renditechancen und Kosten kurz beschrieben. So soll der Anleger künftig alle Risiken und Nebenwirkungen beispielsweise eines Aktienfonds auf einen Blick erkennen können. „Wir begrüßen es sehr, dass die erste Bank unserer Empfehlung folgt und den Verbrauchern eine verständliche Produktinformation an die Hand gibt“, erklärte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums am Dienstag. Ministerin Ilse Aigner (CSU) hatte vor einigen Wochen ein Beispiel für einen solchen Beipackzettel vorgelegt und die Banken gebeten, dieses zu verwenden. Die ING-DiBa hat diese Vorlage fast eins zu eins übernommen. So erfährt der Anleger auf dem Zettel für einen Aktienfonds, dass durch die negative Entwicklung einzelner Aktien oder durch schlechte Managementleistungen Verluste entstehen können. Auch Fragen nach der Einlagensicherung, dem Währungsrisiko und dem Ausgabeaufschlag beantwortet der Waschzettel.

Verbraucherschützer begrüßten das Angebot. „Der Text ist so geschrieben, dass ihn auch ein Verbraucher versteht“, sagte Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. „Sehr übersichtlich, kurz und prägnant“, ergänzte sein baden-württembergischer Kollege Niels Nauhauser. Er glaube aber nicht, dass viele Banken diesem Beispiel freiwillig folgen werden. Allenfalls bei anderen Direktbanken, die nicht auf einen eigenen Vertrieb setzten, könne er sich dies vorstellen. Die Direktbanken DAB und Cortal Consors erklärten auf Anfrage, ein solches Informationsblatt sei nicht unmittelbar geplant. Der Deutsche Bankenverband betonte, die Institute gäben auch heute den Kunden bereits Kurzinformationen zu den Produkten mit auf den Weg. „Mittelfristig rechnen wir allerdings damit – auch infolge weiterer EU-Vorgaben im Fondsbereich –, dass wir standardisierte Produktinformationen bekommen werden. Die aktuelle Entwicklung ist erst der Anfang“, erklärte ein Sprecher des Verbandes.

Handlungsbedarf ist da: Der Stiftung Warentest zufolge bieten Banken ihren Kunden weiterhin so hochkomplexe Produkte an wie vor der Krise. So wird in der neuen Ausgabe von „Finanztest“ insbesondere vor schlechten Produkten der Zertifikatebranche gewarnt.

Verbraucherschutzministerin Aigner forderte unterdessen die Banken zur Rückerstattung auf, „wo offensichtlich Falschberatung stattgefunden hat“, wie Aigner in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte. Sie appellierte an die Geldhäuser, großzügigere freiwillige Entschädigungen an Lehman-Opfer zu zahlen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben