Vermögen : Feste Anlage, kurze Bindung

Die Zinsen für Festgeld sind im Keller, lukrative Angebote rar. Es lohnt nicht, sich längerfristig festzulegen.

Veronika Csizi

Die Jagd nach der „drei vor dem Komma“ gleicht derzeit der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. Anleger, die 10 000 Euro für sechs Monate fest auf die hohe Kante legen wollen, erhalten etwa bei der Deutschen Bank und der Berliner Bank nur die Hälfte des Leitzinses, der seit Anfang Mai bei einem Prozent verharrt. Magere 0,5 Prozent für den Festgeldkunden – das bedeutet bei 10 000 Euro in einem halben Jahr 25 Euro Rendite, wovon sich jenseits der Freibeträge der Finanzminister noch gut 25 Prozent Abgeltungssteuer reserviert.

Da lohnt sich ein Vergleich. Im Schnitt liegt der Zinskupon für sechsmonatige Festgelder derzeit bei 1,24 Prozent pro Jahr, hat Max Herbst von der FMH-Finanzberatung festgestellt. Verzichtet der Anleger ein Jahr auf sein Geld, kann er im Schnitt mit einem Plus von 1,43 Prozent kalkulieren. Wer sich nach attraktiveren Festgeldrenditen umsieht, wird vor allem auf Offerten ausländischer Banken und Lockangebote deutscher Institute stoßen, die Neukunden anwerben sollen und an diverse Bedingungen geknüpft sind. Zinsspitzenreiter bei Festgeldern ist neuerdings die niederländische NIBC-Bank, die 2,6 Prozent feilbietet. Mehr als zwei Prozent zahlen auch die türkische Is-Bank, die Garanti-, Ziraat- und Deniz-Bank. Deutsche Institute machen sich dagegen rar auf den vorderen Plätzen: Mit attraktiven Sätzen über einem Prozent locken etwa die Bausparkasse Mainz (zwei Prozent), die Nordfinanz-Bank (1,9) und einzelne Institute aus dem Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken.

In puncto Sicherheit kann der Anleger mit normalen Geldvermögen inzwischen bei allen Instituten zugreifen: Die NIBC etwa, sichert Kundengelder nach der staatlich garantierten niederländischen Einlagensicherung bis zu 100 000 Euro voll ab. Türkische Institute gewähren entweder die europäische Einlagensicherung (bis 50 000 Euro pro Person) oder sind als Mitglieder des Bundesverbandes deutscher Banken je nach Grundkapital noch deutlich höher abgesichert. Zu ihnen gehört auch die indische ICICI- Bank, die derzeit auf Neukundenfang in Europa unterwegs ist. Deutsche Kunden der größten indischen Privatkundenbank, deren europäische Sparte der britischen Finanzaufsicht unterstellt ist, erhalten drei Prozent, wenn sie ihr Erspartes zwölf Monate fest bei der Bank deponieren.

Leicht höhere Zinsen bekommt, wer sein Erspartes auf Tagesgeldkonten parkt. „Banken nutzen Tagesgelder häufig als Marketinginstrumente, um Neukunden zu gewinnen“, sagt Zinsexperte Herbst zur Begründung. Da Tagesgelder zwar täglich verfügbar und damit sehr flexibel, dafür aber auch variabel verzinst sind, sei der Wettbewerb unter den Anbietern deutlich höher. Im Schnitt wirft Tagesgeld aktuell 1,5 Prozent ab. Auch hier ist ein Blick auf das Kleingedruckte sinnvoll: Ganz oben auf dem Zinstreppchen etwa steht die 1822 direkt. Der bundesweit aktive Online-Arm der Frankfurter Sparkasse zahlt den Bestzins von 2,75 Prozent aber nur bis zu 10 000 Euro und nur für neue Kunden. Die Luxemburgische Advanzia-Bank lockt gar mit einer Vier vor dem Komma, doch gilt der Zins nur für den laufenden Kalendermonat, fällt danach auf 2,05 Prozent. Ohne Fußnoten und Sternchentexte kommt dagegen die 2,5-prozentige Verzinsung der Bank of Scotland aus. Sie schützt ihre Kundengelder nach britischen Vorgaben: 50 000 Pfund sind pro Kunde maximal zu 100 Prozent abgesichert, das sind derzeit knapp 57 000 Euro. Bei der ING-Diba dagegen ist Eile geboten: Wer bis 25. September dort Tagesgeld deponiert, erhält bis 31. Januar 2010 garantiert einen Zinskupon von 2,5 Prozent.

Ob dieser Satz bis zum Herbst kommenden Jahres konkurrenzfähig bleibt, ist unsicher. Derzeit geht die große Mehrheit der Bank-Volkswirte davon aus, dass bis weit ins Jahr 2010 hinein die Konjunktur durchwachsen und die Inflation niedrig bleiben wird, somit keine Notwendigkeit zu einer Zinserhöhung besteht. Selbst auf Jahressicht rechnet nur eine Minderheit der Banker mit höheren Leitzinsen in den USA und in Europa. „Wer sich nun fest und auf längere Zeit mit seinem Geld bindet“, gibt Zinsfachmann Herbst da zu bedenken, „der läuft Gefahr, mit seinem Festgeld dann nicht auf höhere Zinsen reagieren zu können.“ Die niedrigen Sätze nun für ein oder gar mehrere Jahre festzuzurren, hält Herbst also für wenig sinnvoll.

So argumentiert auch Tom Friess vom Münchner VZ-Vermögenszentrum. Sein Rat: „Kurz binden“. Eine Alternative zu den Tagesgeldern der Banken sieht Friess in Bundesanleihen mit kurzen Restlaufzeiten. Wer sich die Auswahl nicht selbst zutraut, kann auf einen Exchange Traded Fund (ETF) zurückgreifen, der deutsche Staatsanleihen, nach Laufzeiten gestaffelt, bündelt. Dazu zählt beispielsweise der „ishares Government Germany 1,5–2,5“ (WKN 628 947), der große, liquide deutsche Bundesanleihen mit höchstens zweieinhalb Jahren Restlaufzeit in sich vereint. Seit Januar liegt der Fonds 2,16 Prozent im Plus. Als Kosten muss der Anleger hier neben den normalen Bankgebühren für einen Fondskauf nur eine sehr geringe Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs hinzurechnen (0,05 Prozent). „Der Vorteil ist, dass man da problemlos taggleich kaufen und verkaufen kann“, sagt Friess. Steigen die Zinsen, könne der Anleger rasch in höher verzinste Anlagen wechseln. Alternativ steht der „Lyxor ETF Euro MTS 1-3 Jahre“ (WKN A0HGFC) zur Verfügung, der auch in Staatsanleihen anderer Euro-Länder investiert und 2009 bisher 2,63 Prozent abgeworfen hat.

Bei seinen nicht börsennotierten Papieren ist der Bund jedoch insgesamt sehr zugeknöpft. Leiht der Anleger dem Staat für zwei Jahre Geld, etwa über einen Finanzierungsschatz, kostet dies den Finanzminister gerade mal 1,1 Prozent pro Jahr. Für Bundesschatzbriefe, die sieben Jahre laufen, zahlt der Bund im ersten Jahr gar nur 0,5 Prozent. Erst mit dem letzten Anlagejahr steigt die Rendite durch den Staffelzins dann auf 2,74 Prozent pro Jahr. Und für seine Tagesanleihe wirbt der Bund zwar mit flotten Sprüchen wie: „Ich komme immer an meine Kröten. Deswegen bin ich auch ganz entspannt.“ Ob der Anleger dies bei einer Rendite von 0,38 Prozent indes witzig findet, darf bezweifelt werden.

Allerdings: So niedrig, wie sie dem Anleger erscheinen mögen, sind die Sparzinsen unter dem Strich derzeit gar nicht. Tagesgelder, die 1,5 Prozent abwerfen, rentierten zwar vor einem Jahr noch mit 3,5 Prozent. Wichtig ist jedoch nicht der nominale Zinssatz, sondern der reale Wert des Zinskupons. Häufig vergisst der Anleger nämlich, die Inflationsrate mitzurechnen: Sie lag im September 2008 noch bei 2,9 Prozent, derzeit jedoch bei null – wenn auch mit leicht ansteigender Tendenz. Berücksichtigt man den realen Zinsgewinn, so kann sich der Anleger folglich sogar über recht ansehnliche Erträge freuen. Anders als in den meisten Zeiträumen in der Vergangenheit, bestätigt Finanzberater Herbst, liege der durchschnittliche Festgeld- und Tagesgeldzins aktuell deutlich über dem Leitzins.

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