Finanzen : Vollbremsung für die Autobanken

Finanztöchter der Hersteller geraten doppelt in die Krise – auf dem Kapital- und dem Automarkt

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Finanztöchter der Autohersteller geraten wegen der anhaltenden Finanzkrise und der Flaute auf dem Automarkt doppelt in Schwierigkeiten. Experten erwarten bei den Autobanken in den kommenden Monaten massive Gewinneinbrüche und eine Neuordnung der Branche. Für die ohnehin angeschlagenen Autohersteller hat die Krise fatale Folgen: weil sich auch ihre Banken kaum noch am Geldmarkt refinanzieren können, fällt es ihnen sehr viel schwerer, potenziellen Autokäufern günstige Kredit- und Leasingkonditionen anzubieten.

Ihre Rolle als Gewinnbringer für die Hersteller werden die Spezialbanken verlieren: „Wenn die Institute 2008 überhaupt noch Gewinn machen, wird ihr Beitrag in den Konzernrechnungen massiv schrumpfen“, sagte Klaus-Peter Gushurst von der Unternehmensberatung Booz & Company dem Tagesspiegel. Bei einigen Banken lag dieser Anteil früher bei bis zu 40 Prozent. Bei VW steuerte die Volkswagen-Bank 2007 noch knapp 16 Prozent des operativen Konzerngewinns bei, die BMW-Bank lieferte mehr als 19 Prozent ab. „2009 und 2010 werden sich die Vorzeichen ändern“, glaubt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Gelsenkirchener Forschungsinstituts CAR. „Aus Gewinnbringern könnten dann Verlustbringer werden.“

Die Bedeutung der Autobanken für den Vertrieb von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Noch in der ersten Jahreshälfte wurden in Deutschland rund 668 000 Neuwagen für 14,6 Milliarden Euro über die Banken verkauft. Hinzu kamen 312 000 Gebrauchte. Die Finanzinstitute, die sich im Arbeitskreis der Autobanken (AKA) zusammengeschlossen haben, kamen zuletzt auf eine Bestandssumme aus Forderungen in Höhe von 87,5 Milliarden Euro. Gut 80 Prozent der Firmenwagen werden in Deutschland geleast, auch bei Privatkunden gewinnt das Finanzierungsinstrument an Bedeutung.

Die Autokonzerne nutzten dabei ihre Finanztöchter, um sich im Preiskampf mit niedrigen Leasingraten und Null-Prozent-Krediten gegenseitig zu überbieten. Der Spielraum ist aber deutlich kleiner geworden. So sind vor allem im Leasinggeschäft in den USA die Restwerte großer Limousinen, Pickups oder Geländewagen dramatisch gesunken. Auch in Europa wird mit einem Preisverfall gerechnet – nicht zuletzt, weil Firmenkunden auf emissions- und verbrauchsgünstige Autos Wert legen. Konnten die Autobanken früher gut von ihrem Bestand leben, erweist sich die Leasingflotte nun als teure Last. „Wenn in den kommenden zwei Jahren die Flottenfahrzeuge aus Leasingverträgen frei werden, füllen sich die Parkplätze bei den Autohändlern“, sagt Berater Gushurst. Nach Analysen von CAR beträgt der bisherige Abschreibungsbedarf der deutschen Hersteller in den USA aufgrund des Verfalls der Gebrauchtwagenpreise mindestens 1,5 Milliarden Dollar.

Gestiegene Kapitalmarktzinsen, die Vertrauenskrise zwischen den Banken sowie der Kollaps der Kreditverbriefungen schränken die Refinanzierungsmöglichkeiten der Autobanken zusätzlich ein. „Die Konditionen haben sich verschlechtert, aber das trifft alle“, sagte ein AKA- Sprecher. Der Wettbewerb verbiete es den Instituten allerdings, höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben. „Ziel der Autobanken ist es, den Autoabsatz zu fördern, nicht den Gewinn zu maximieren.“

Experten erwarten dennoch, dass sich die Konditionen verschlechtern. „Neukunden werden höhere Anzahlungen leisten und sich auf kürzere Laufzeiten einstellen müssen“, sagte Dudenhöffer. Niedrigzinskredite werde es angesichts der Absatzflaute weiter geben. „Die werden von den Autokonzernen subventioniert.“ Insgesamt steht die Branche nach Meinung von Klaus-Peter Gushurst vor großen Umwälzungen. „Ich erwarte, dass einige Autokonzerne ihre Finanztöchter verkaufen oder fusionieren werden.“ Denkbar sei auch eine Auslagerung des Back-Office (Kredit- und Leasingabwicklung) an größere Banken oder Kreditfabriken.

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