Vor Börsenbeginn : Actionkamera-Anbieter GoPro begehrt bei Anlegern

Vor gut einem Jahrzehnt wollte sich ein Kalifornier selber beim Surfen filmen. Am Ende startete er die Produktion von Videokameras für Sportler. Jetzt geht GoPro an die Börse und ist Milliarden wert. Der Dax zeigt sich vorbörslich leicht erholt.

Von Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die für ihre Hero-Actionkameras bekannte US-Firma GoPro kann sich beim Börsengang über einen Geldsegen freuen. Insgesamt flossen 427 Millionen Dollar (313 Mio Euro) zur Hälfte ans Unternehmen und an einige Alteigentümer. Die Kalifornier brachten einen ersten Schwung Aktien zum anvisierten Höchstpreis von 24 Dollar unter die Anleger. Damit wird das Unternehmen zum Börsengang mit rund drei Milliarden Dollar bewertet. Der Handel mit den Aktien solle am Donnerstag beginnen, teilte GoPro am Vorabend mit. Das Unternehmen geht unter dem Kürzel „GPRO“ an die Technologiebörse Nasdaq. GoPro hatte im Vorfeld einen Preis pro Aktie von 21 bis 24 Dollar angepeilt.

Hero-Kameras von GoPro unter Sportlern beliebt

Die Hero-Kameras erfreuen sich besonders unter Sportlern großer Beliebtheit. Die kleinen, robusten Geräte lassen sich beispielsweise an Helmen befestigen und nehmen Videos oder Fotos in voller Fahrt auf. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich der Umsatz des Unternehmens nahezu auf rund eine Milliarde Dollar und der Gewinn auf 61 Millionen Dollar.
Gründer und Chef Nicholas Woodman ist der starke Mann bei GoPro mit 49 Prozent der Stimmrechte. Unter den weiteren Anteilseignern ist neben Finanzinvestoren auch der chinesische Auftragsfertiger Foxconn, der vor allem als Hersteller von Apple-Geräten bekannt ist. Für die Leitung des operativen Geschäfts holte sich GoPro kurz vor dem Börsengang den ehemaligen Skype-Chef Tony Bates, der zuletzt bei Microsoft arbeitete.
Woodman hatte GoPro vor gut zehn Jahren gestartet, nachdem er sich selber beim Surfen filmen wollte und von verfügbaren Kameras enttäuscht war. Er und seine Frau finanzierten die Firma der Legende nach zunächst unter anderem mit dem Verkauf von Muschel-Halsbändern und Gürteln. Die erste Version der Kameras lief noch mit analogem Film, jetzt nehmen die Geräte digitale HD-Videos auf.

New Yorker Staatsanwalt wirft Barclays Irreführung von Kunden vor

Die britische Barclays Bank sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, Kunden beim Aktienhandel hinters Licht geführt zu haben.
Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York kündigte am Mittwoch eine Klage an. Eric Schneiderman sprach von „systematischem Betrug und Täuschung“. Die Bank äußerte sich zunächst nicht.
Konkret geht es um den bankeigenen Handelsplatz, den sogenannten Dark Pool. Die Staatsanwaltschaft wirft Barclays vor, Anleger mit falschen Versprechen hierher gelockt zu haben - insbesondere, dass sie besser gegenüber Hochfrequenzhändlern geschützt seien. Genau das Gegenteil sei jedoch der Fall gewesen, sagte Schneiderman. „Barclays Dark Pool war voll mit Raubtieren - dort hin gekommen auf Einladung der Bank.“ Barclays habe zudem bei der Abwicklung von Kauf- und Verkaufsaufträge seiner Kunden bevorzugt seinen Dark Pool gewählt.
Dark Pools sind Handelsplätze abseits der Börse, die von Außen kaum kontrollierbar sind. Hochfrequenzhändler wiederum bedienen sich spezieller Computertechnik, um einen Zeitvorsprung vor anderen Anlegern herauszuschlagen. Bei beiden häuft sich die Kritik.
Schneiderman ließ offen, welche Summe er von der Bank verlangt. „Wir haben die Zahl nicht spezifiziert“, sagte der Staatsanwalt auf einer Pressekonferenz und schob hinterher: „Viel.“

Dax legt vorbörslich leicht zu

Der Deutsche Leitindex Dax hat am Donnerstagmorgen vor Börsenbeginn etwas zugelegt. Hintergrund sind die Kursgewinne an der Wallstreet. Die New Yorker Börsen hatten am Mittwoch wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Trotz der Unsicherheit sähen Anleger kaum Alternativen zum Aktienmarkt, begründete ein Börsianer gegenüber dpa das Plus. Im frühen Handel hatte eine überraschend schwache Wirtschaftsleistung der USA im ersten Quartal die Wall Street noch ausgebremst. Hinzu kam die politisch weiter gespannte Lage im Irak und in der Ukraine.
Aktienhändler Joe Rundle vom Londoner Broker ETX Capital sagte der dpa: „Einige Anleger hatten auf fallende Kurse gesetzt und wurden auf dem falschen Fuß erwischt.“ Dies habe sie zum Rückkauf ihrer Papiere gezwungen und die Kurse nach oben gebracht. Die derzeit extrem geringen Umsätze am Markt verstärkten diese Bewegung.

Dow Jones nach zwei Verlusttagen im Plus

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial erholte sich nach zwei Verlusttagen um 0,29 Prozent auf 16 867,51 Punkte und schloss nahe seinem Tageshoch. Für den S&P 500 ging es um 0,49 Prozent auf 1959,53 Punkte nach oben. Am Vortag hatte der marktbreite Aktienindex im frühen Geschäft bei 1968 Punkten ein Rekordhoch erreicht, bevor Anleger das hohe Kursniveau angesichts politischer Unsicherheit zum Verkauf genutzt hatten. An der Nasdaq kletterte der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,73 Prozent auf 3827,33 Punkte.


Tagesgewinner im Leitindex Dow waren Nike-Aktien mit einem Aufschlag von 1,99 Prozent auf 76,47 US-Dollar. Papiere der Merck & Co verteuerten sich um 1,62 Prozent. Der Pharmakonzern arbeitet bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer künftig mit Bionomics zusammen. Am Dow-Ende standen Boeing mit minus 1,62 Prozent auf 127,06 Dollar. Händler sprachen von Anschlussverkäufen, nachdem das Papier des Flugzeugbauers vor drei Tagen eine Korrektur eingeleitet hatte. In der Spitze verlor Boeing über fünf Prozent.
Nach Angaben von Händlern halfen aber auch die klaren Gewinne der Aktie von Monsanto dem Gesamtmarkt. Der Agrochemiekonzern begeisterte seine Investoren mit einem überraschend starken Quartalsgewinn und einem Aktienrückkauf im Volumen von 10 Milliarden Dollar. Die Aktie schloss 5,06 Prozent höher bei 126,73 Dollar. Dagegen büßten Papiere von General Mills 3,61 Prozent ein, nachdem der Lebensmittelhersteller mit seinem Quartalsbericht enttäuscht hatte.

Facebook bringt selbstlöschende Foto-App nach Deutschland

Im Technologiesektor knüpften Facebook-Titel an ihren Aufwärtstrend an. Das Online-Netzwerk bringt seine neue Foto-App nun auch nach Deutschland. Die Anwendung mit dem Namen „Slingshot“ (Steinschleuder) war vor einer Woche in den USA gestartet. Mit ihr können Nutzer Fotos und Videos verschicken, die sich nach dem Anschauen von alleine löschen. Dieses Prinzip machte bereits Konkurrent Snapchat in den USA populär. Die Facebook-Aktie gewann 2,62 Prozent auf 67,44 Dollar.
Bei Google reagierten Anleger positiv auf Nachrichten von der Entwicklerkonferenz Google I/O. Der Internetkonzern stellt bis Donnerstagabend seine Neuheiten vor und dürfte weiteren Einblick in die Zukunftspläne geben. Im Mittelpunkt stehen die Computerbrille Google Glass und tragbare Computer-Geräte wie Datenuhren. Die Google-Aktie gewann 2,48 Prozent auf 578,65 Dollar.

Euro steigt leicht

Der Euro setzte sich von 1,36 Dollar ab. Er kostete in New York mit 1,3630 Dollar rund ein Drittel Cent mehr als am Vorabend. Die richtungweisende zehnjährige Staatsanleihe der USA stieg um 5/32 auf 99 15/32 Punkte. Sie rentierte entsprechend mit 2,56 Prozent.

Demonstranten stören Eröffnung von Google-Konferenz

Der Start der Entwicklerkonferenz Google I/O ist am Mittwoch gleich zwei Mal von Demonstranten unterbrochen worden, wie dpa berichtet. „Sie arbeiten für ein totalitäres Unternehmen“, rief ein Mann zum Ende der Eröffnungs-Veranstaltung den über 5000 Teilnehmern zu.
Google stelle Roboter her, die Menschen töten, behauptete er. Er bezog sich dabei offensichtlich auf die von Google übernommene Firma Boston Dynamics, die auch an Robotern für das US-Militär forscht. Der Mann wurde schnell von Sicherheitsleuten abgeführt.
Zuvor war eine Frau vor die Bühne gesprungen, die behauptete, von einem Google-Anwalt aus ihrer Wohnung in San Francisco herausgedrängt worden zu sein. Der Google-Manager, der gerade von der besseren Batterielaufzeit in der neuen Version des Smartphone-Systems Android sprach, scherzte daraufhin, die Akkus reichten damit auch für längere Proteste. (mit dpa)


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