Vor Börsenbeginn : Angst vor russischer Invasion in der Ukraine belastet Börsen

Die Manöver Russlands an der Grenze zur Ukraine lösen an den Börsen Angst vor einer möglichen Invasion aus. Nach schwachen US-Vorgaben liegt der Dax am Mittwochmorgen vorbörslich im Minus.

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Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

An der Wall Street sorgten die Äußerungen des polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski im späten Handel für Unruhe, wie Reuters berichtet. Nach Darstellung der polnischen Regierung zieht Russland Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen und bereitet damit möglicherweise eine Invasion vor.

Die wichtigsten Indizes bauten ihre Verluste aus. Der Dow-Jones-Index verlor am Dienstag 0,8 Prozent, der S&P 500 ein Prozent und der Nasdaq-Composite 0,7 Prozent. In Frankfurt war der Dax mit einem Plus von knapp 0,4 Prozent aus dem Handel gegangen.
Der Nikkei-Index gab am Mittwoch 1,1 Prozent nach, der Shanghai-Composite 0,2 Prozent.

Der Dax notiert am Mittwochmorgen vor Börsenbeginn im Minus. Ein wichtiges Thema ist die Frage, ob die US-Notenbank Fed die Leitzinsen früher anhebt als gedacht. Gute Wachstumszahlen aus den USA sprechen dafür. Die Frage ist, ob das Thema Russland eine Ursache oder nur ein Anlass ist, dass die Börsen eine längst fällige Korrektur eingeleitet haben. Der breit aufgestellte S&P 500 hat seit zwei Jahren keine deutliche Korrektur mehr erlebt.

Gewinne bei Lanxess und Hannover Rück

In Deutschland hat der Chemiekonzern Lanxess dank Einsparungen und einer besseren Auslastung seiner Anlagen im abgelaufenen Quartal mehr verdient, berichtet Reuters. Der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe um 20,7 Prozent auf 239 Millionen Euro zugenommen, teilte das Kölner Unternehmen am Mittwoch mit. Analysten hatten 234 Millionen Euro erwartet.
Rückläufige Preise führten allerdings dazu, dass der Umsatz von April bis Juni binnen Jahresfrist um 5,7 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro sank. Der Konzerngewinn schnellte auf 55 Millionen Euro in die Höhe nach neun Millionen Euro vor Jahresfrist. Vor einem Jahr hatten Sonderlasten für einen Spartenumbau das Ergebnis um 40 Millionen Euro gedrückt.
Für das Gesamtjahr stellte Lanxess nun einen bereinigten operativen Gewinn von 780 bis 820 Millionen Euro in Aussicht. Bisher wurden 770 bis 830 Millionen Euro erwartet nach 735 Millionen Euro im Vorjahr. Neue Wettbewerber, fallende Preise und Überkapazitäten im Markt für synthetischen Kautschuk hatten Lanxess zuletzt arg zu schaffen gemacht. Der neue Konzernchef Matthias Zachert, der Lanxess seit April leitet, will das Ruder herumreißen.
Zachert hatte ein neues Sparprogramm angekündigt. So sollen unter anderem jetzt die Geschäftseinheiten von 14 auf zehn verringert und die Verwaltung verschlankt werden. Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wurden eingeleitet.
Hannover Rück sieht sich dank einer geringen Belastung aus Naturkatastrophen und anderen Großschäden auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Im zweiten Quartal lag der Nettogewinn mit 211,5 Millionen Euro zehn Prozent über dem Vorjahresniveau, blieb aber leicht hinter den Analysten-Erwartungen zurück. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer bestätigte am Mittwoch aber seine Prognose, in diesem Jahr einen Gewinn von rund 850 (2013: 905) Millionen Euro zu erwirtschaften. Begünstigt wurde Hannover Rück vor allem von einer geringen Großschaden-Belastung, die in der ersten Jahreshälfte mit 105 (260) Millionen Euro deutlich hinter dem Vorjahreswert zurückblieb. Budgetiert hatte Hannover Rück bis zu 276 Millionen Euro. Damit bleibt ein zusätzliches Polster für das zweite Halbjahr.

Disney wegen Kino-Blockbustern mit guten Zahlen

In den USA treiben Kino-Kassenschlager die Gewinne des US-Medienkonzerns Disney. Im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Juni) stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar. Der Überschuss verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf unterm Strich mehr als 2,2 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro), wie Walt Disney am Dienstag mitteilte.
Die Erwartungen der Analysten konnte Disney mit den Zahlen übertreffen. Der Aktienkurs des Unternehmens aus dem kalifornischen Burbank stieg nachbörslich leicht. Vor allem mit zwei Kinofilmen punktete der weltgrößte Unterhaltungskonzern im Berichtszeitraum. Mit der Fortsetzung von Marvels „Captain America“ und dem Fantasyfilm „Maleficent - die dunkle Fee“ konnte Disney an den Erfolg der „Eisprinzessin“ anknüpfen.


Und der nächste Blockbuster ist mit „Guardians of the Galaxy“ - einer weiteren Verfilmung eines Marvel-Comics - bereits angelaufen. Das Fantasyspektakel ist seit vergangenem Wochenende in den USA und Kanada auf den Leinwänden zu sehen und hat sich mit weitem Abstand an die Spitze der Kinocharts gesetzt. „Wir sind begeistert“, kommentierte Disney-Chef Robert Iger den gelungenen Start.
Das wichtigste Standbein für Disney bleiben allerdings die Fernsehsender mit dem Flaggschiff ABC; danach folgen die Urlaubsresorts, Freizeitparks und Kreuzfahrtschiffe. Zur Filmsparte gehört mittlerweile auch das „Star-Wars“-Imperium von George Lucas.

Murdoch sagt Übernahme von Time Warner ab

Medienmogul Rupert Murdoch hat die feindliche Übernahme von Time Warner durch seinen Konzern 21st Century Fox abgeblasen. Das Angebot im Volumen von rund 80 Milliarden Dollar (59 Milliarden Euro) sei vom Tisch, erklärte Murdoch in der Nacht zum Mittwoch. Er begründete den Schritt mit der ablehnenden Haltung von Time Warner und den daraus resultierenden Kursverlusten für seinen Konzern. Die Übernahme sei dadurch für die Fox-Aktionäre nicht länger interessant, erklärte Murdoch.
Zur Abwehr der Offensive hatte Time Warner erst kürzlich seine Unternehmenssatzung geändert - um die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung durch eine Minderheit von Aktionären zu blockieren. Wäre der Konzern vom Murdoch-Imperium geschluckt worden, hätte dies die Medien-Unterhaltungsbranche kräftig durcheinander gewirbelt.
Murdoch hatte seinen Medienkonzern News Corp vergangenes Jahr aufgespalten. Die profitablen Film- und Fernsehfirmen wurden dabei unter dem Namen 21st Century Fox von den teilweise angeschlagenen Zeitungs- und Buchverlagen abgetrennt. Neben Zeitungen in Großbritannien und Australien besitzt Murdoch das US-Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal". (mit Reuters, dpa und AFP)

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