Vor Börsenbeginn : Börsen sinken auf breiter Front - Draghi zu massiven Wertpapierkäufen bereit

Während die Börsen weltweit deutlich sinken, hat EZB-Chef Mario Draghi seine Bereitschaft zu massiven Wertpapierkäufen bekräftigt. Der Dax lag am Freitagmorgen nach schlechten Vorgaben aus New York und Tokio vorbörslich deutlich im Minus.

Andreas Oswald
Bulle und Bär in Frankfurt.
Bulle und Bär in Frankfurt.Foto: imago

Während die Börsen in New York und Fernost deutlich sinken hat der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Bereitschaft der EZB zu massiven Wertpapierkäufen bekräftigt. Um den Risiken einer längeren Phase niedriger Inflation zu begegnen, könnte die Notenbank zu unkonventionellen Maßnahmen greifen, erklärte er am Donnerstag in Washington, wo das Treffen der der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G7) stattfindet.

EZB-Chef Mario Draghi: Keine unmittelbare Deflationsgefahr


Draghi machte zugleich aber erneut deutlich, dass er derzeit keine unmittelbare Gefahr einer Deflation sehe, also eines konjunkturschädlichen Preisverfalls auf breiter Front. Die jüngsten Daten stützten vielmehr die Erwartung, dass die Inflation zunächst noch niedrig bleiben, 2015 schrittweise zulegen und sich erst Ende 2016 einem Wert von zwei Prozent annähern werde. Bei einer Teuerung knapp unter dieser Marke sieht die EZB Preisstabilität gewährleistet. Draghi fügte hinzu, die EZB werde die Auswirkungen der geopolitischen Risiken und der Wechselkursentwicklungen auf die Inflation genau im Blick behalten. Er wiederholte, der EZB-Rat schließe eine weitere geldpolitische Lockerung nicht aus.

Internationaler Währungsfonds (IWF) fordert EZB zum Einschreiten auf


Der Internationale Währungsfonds (IWF) rief die EZB erneut auf, ihre Bilanz auszuweiten, um die Gefahr einer Deflation abzuwenden. Der Kauf von Staatsanleihen sei dabei nur eine Möglichkeit, sagte der IWF-Europa-Experte Mahmood Pradhan der Nachrichtenagentur Reuters. Möglich sei auch der Erwerb von Papieren privater Emittenten, etwa Unternehmensbonds oder forderungsbesicherte Anleihen (sogenannte ABS).

Dax nach schlechten Vorgaben vorbörslich deutlich im Minus

Der Dax liegt am Freitagmorgen vorbörslich deutlich fast 100 Punkte im Minus, nachdem die Wall Street am späten Vorabend und der Nikkei in der Nacht deutliche Verluste erlitten haben. Derzeit bewegt sich der Dax noch in der Mitte einer Seitwärtsbewegung mit einer Bandbreite zwischen 9794 und 8913 Punkten. Diese Seitwärtsbewegung existiert seit Anfang des Jahres, als der Dax ein neues Allzeithoch markiert hatte. Die Frage lautet jetzt, ob der Dax und die anderen Märkte aus der Bandbreite nach oben oder nach unten ausbrechen. In Tokio ist der Nikkei-Index in der vergangenen Nacht nach unten ausgebrochen. Beim Dax ist noch etwas Luft nach unten.


Der erneute Kurseinbruch an der Wall Street

Die Stabilisierung am US-Aktienmarkt war nur von kurzer Dauer. Nach zwei freundlicheren Tagen gingen die wichtigsten Indizes am Donnerstag wieder auf Talfahrt. Dabei gerieten erneut vor allem Technologietitel unter massiven Verkaufsdruck. An der Nasdaq schloss der Auswahlindex Nasdaq 100 mit minus 3,13 Prozent auf 3487,76 Punkten und damit dem tiefsten Stand seit Anfang Februar. Mit dem größten Tagesverlust seit November 2011 machte er die Erholung von zwei Tagen zunichte. Ein Portfoliomanager sprach von einer anhaltenden Umschichtung aus Wachstumswerten in werthaltigere Defensivtitel.

Mit Technologie-Titeln fing es an, jetzt trifft es auch die Standard-Titel


Aber auch bei den Standardwerten hielt die Freude über das Fed-Sitzungsprotokoll vom Vortag und eine wohl spätere Leitzinserhöhung als gedacht nicht lange an. Für den Dow Jones Industrial ging es um 1,62 Prozent auf 16 170,22 Punkte abwärts und der S&P 500 sank um 2,09 Prozent auf 1833,09 Punkte. Er rutschte auf den tiefsten Stand seit Ende Februar und liegt auch in der Jahresbilanz 2014 wieder im Minus. China hatte mit einem Rückgang des Handels im März negativ überrascht, positive Signale vom US-Arbeitsmarkt beeindruckten kaum.

Besonders hat es die Biotech-Titel getroffen


Die Anleger sorgen sich weiter um die Bewertung der bisherigen Börsenlieblinge. Besonders schwer traf es die Biotechtitel, deren Sektorindex um gut fünfeinhalb Prozent auf das Niveau von Dezember einbrach - mit dem obendrein größten Tagesverlust seit 2011. Keines der 121 Indexmitglieder konnte zulegen, dafür sackten sieben Werte um über zehn Prozent ab. Aber auch den Internettiteln erging es kaum besser. Im Nasdaq 100 konnten nur die Papiere des Logistikdienstleisters C.H.Robinson nach einem positiven Analystenkommentar mit einem Gewinn aus dem Handel gehen.


Für die Papiere von Bed Bath & Beyond ging es um gut sechs Prozent nach unten. Der Einzelhändler für Küchen- und Haushaltsartikel sowie Wohnraumausstattungen war mit seiner Ergebnisprognose für das erste Quartal unter den Erwartungen geblieben. Ebay sanken um über drei Prozent. Das Management und Großaktionär Carl Icahn hatten sich im Streit um die Abspaltung von Paypal und die Besetzung von Posten im Verwaltungsrat auf einen Kompromiss geeinigt. Damit bleibt Paypal Bestandteil des Ebay-Konzerns.

Apple half eine Kaufempfehlung

Apple half eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank nur zu einem vergleichsweise moderaten Abschlag von gut einem Prozent. Schwächster Dow-Wert waren die Papiere des Kreditkartenunternehmens American Express mit fast vier Prozent Minus. Die Umsätze mit dem Plastikgeld waren im März in den USA zum Vormonat deutlich zurückgegangen. Auch Visa litten deutlich. Chevron sanken derweil um zwei Prozent. Der US-Ölkonzern rechnet für das erste Quartal zwar auf bereinigter Basis mit einer stabilen Gewinnentwicklung zum vorherigen Jahresviertel. Unter Berücksichtigung von Währungseffekten und Abschreibungen auf Vermögenswerte werde das Ergebnis aber niedriger ausfallen, hatte das Unternehmen am Mittwoch mitgeteilt. Bester Dow-Wert waren McDonald's mit gut einem Prozent Aufschlag.

Anleihen steigen


Die neu notierten Aktien des in der Krise vom Staat geretteten Finanzkonzerns Ally Financial erlebten ein schwaches Börsendebüt. Nach einem Ausgabepreis von 25 Dollar wurden die Papiere zuletzt mit 23,98 Dollar gehandelt. Ally Financial hieß früher GMAC und finanzierte vor allem Autos für General Motors. Deren Papiere sanken um ein Prozent. Die Rückruf-Serie wird für GM immer teurer. Der Konzern rechnet für das abgelaufene erste Quartal mittlerweile mit Belastungen aus den Reparaturen diverser Mängel von rund 1,3 Milliarden Dollar (940 Mio Euro). Bislang hatte die Rechnung bei 750 Millionen Dollar gestanden.
Der Euro kratzte an seinem vierten starken Tag in Folge an der Marke von 1,39 US-Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,3888 Dollar. Richtungweisende zehnjährige Anleihen gewannen 15/32 Punkte auf 100 31/32 Punkte. Ihre Rendite sank auf 2,636 Prozent.

Tokio mit starken Verlusten

Die Börse in Tokio hat am Freitagvormittag in Folge negativer Vorgaben der Wall Street und der Festigung des Yen starke Verluste verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte unter die psychologisch wichtige Marke von 14 000 Punkten und notierte zur Handelsmitte einen heftigen Abschlag von 330,47 Punkten oder 2,31 Prozent beim Zwischenstand von 13 969,65 Punkten. Der breit gefasste Topix sackte bis dahin um 13,75 Punkte oder 1,20 Prozent auf den Stand von 1135,74 Zählern. (mit Reuters und dpa)

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