Vor Börsenbeginn : Commerzbank und Telekom übertreffen Erwartungen

Die Commerzbank und die Telekom legen relativ gute Quartalszahlen vor. Wegen Putins Importstopp für Lebensmittel aus Sanktionsländern sowie bevorstehenden Entscheidungen von EZB und Fed halten sich die Börsen zurück. Der Dax liegt vorbörslich etwas tiefer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt. Foto: dpa
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Besseres Privatkundengeschäft und weniger Risikovorsorge - die Commerzbank arbeitet sich weiter nach oben. Im zweiten Quartal erwirtschaftete das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut nach 40 Millionen Euro vor einem Jahr nun einen Überschuss von 100 Millionen Euro, wie es am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Der operative Gewinn stieg von 74 Millionen auf 257 Millionen Euro. Das Institut profitierte vor allem von einer mehr halbierten Risikovorsorge. Zudem zahlt sich die von hohen Werbeanstrengungen begleitete Offensive im Privatkundengeschäft aus.
Die konzerneigene Bad Bank reduzierte ihren Verlust, wie dpa weiter meldet. In der Sparte wickelt das Institut nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Anlagen wie Schiffsfinanzierungen, Staatsanleihen und gewerbliche Immobilienkredite ab.
Wegen des Erfolgs im US-Geschäft hält die Deutsche Telekom im zweiten Quartal den Gewinn stabil. Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) sei im Zeitraum von April bis Ende Juni konzernweit um 0,3 Prozent auf 4,43 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Bonner Konzern am Donnerstag mit. Maßgeblich zu verdanken ist das Plus der Mobilfunktochter T-Mobile US, die 17 Prozent mehr Gewinn einfuhr. In allen anderen großen Geschäftsbereichen wurde hingegen weniger verdient. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem bereinigten Betriebsgewinn von 4,35 Milliarden Euro gerechnet.
Der Vorstand des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns bekräftigt die bisherige Geschäftsaussichten: In diesem Jahr werde wegen hoher Investitionen in den USA der Free Cash Flow auf 4,2 Milliarden Euro sinken - 400 Millionen Euro weniger als 2013. Das bereinigte Ebitda dürfe bei 17,6 Milliarden Euro stagnieren.

Dax vorbörslich etwas leichter

Der deutsche Leitindex Dax liegt am Donnerstagmorgen vor Börsenbeginn leicht im Minus. Der jüngste Grund für die Zurückhaltung an den Börsen könnte der angekündigte Stopp von Lebensmitteleinfuhren in Russland sein. Mit dieser Maßnahme schadet Putin der westlichen Lebensmittelindustrie in großem Maße. Er schadet gleichermaßen der eigenen Bevölkerung, für die die Preise steigen werden. Zudem steht weiter die Furcht vor einer russischen Invasion in der Ukraine im Raum. Die Frage ist, ob Entscheidungen der EZB am Mittag und Entscheidungen der US-Notenbank Fed am Abend eine größere Rolle spielen werden.

Am Mittwoch war der deutsche Leitindex bereits um 0,7 Prozent auf 9130 Zähler abgesackt. Die US-Börsen waren am Mittwoch kaum verändert aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index schloss bei 16.443 Punkten knapp 0,1 Prozent im Plus. Der S&P 500 trat auf der Stelle, der Nasdaq-Composite gewann geringfügig hinzu und schloss bei 4355 Punkten.
In Asien notierten die Börsen uneinheitlich: Der Nikkei-Index rückte am Donnerstag um 0,4 Prozent vor, der Shanghai-Composite verlor 0,7 Prozent.

Ölpreise von Krisen weiter unbeeindruckt

Die Ölpreise haben auch am Donnerstag wenig Reaktion auf hohe politische Spannungen gezeigt. Auch Handelssanktionen Russlands, die in Reaktion auf Strafmaßnahmen des Westens ergriffen wurden, zeigten am Rohölmarkt keine spürbare Wirkung. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September 104,77 US-Dollar. Das waren 18 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um neun Cent auf 97,01 Dollar. Bereits seit Wochen ist von steigenden Risikoaufschlägen für Rohöl nichts zu sehen, obwohl es an militärischen und politischen Konflikten nicht mangelt. Einige Beobachter nennen das nach wie vor reichliche Ölangebot als Grund für die augenscheinliche Gelassenheit der Investoren. (mit dpa und Reuters)


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