Vor Börsenbeginn : Fed legt Protokoll zur Zinswende vor - Dax vorbörslich im Minus

Die US-Notenbank Fed legt heute das Protokoll der jüngsten Sitzung vor, aus dem ein genauerer Zeitpunkt für die Zinswende hervorgehen soll. Der Dax liegt den dritten Tag hintereinander vorbörslich im Minus.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die US-Notenbank (Fed) legt heute das Protokoll der jüngsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) vor, nach der Fed-Chefin Janet Yellen in der vergangenen Woche angeblich versehentlich einen nur ungefähren Zeitpunkt für die Zinswende genannt hatte. Nachdem Janet Yellens Aussage, wonach die Leitzinsen im Frühjahr 2015 erhöht werden könnten, sofort relativiert worden war, werden Börsianer das Protokoll aufmerksam durchlesen, um herauszufinden, wann genau die Zinswende stattfinden wird.

Fed-Mitglieder fordern klare Aussagen über den Zeitpunkt der Zinswende

In der US-Notenbank (Fed) werden Forderungen nach mehr Klarheit zur künftigen Zinspolitik laut. Zwei Fed-Vertreter sprachen sich am Dienstag dafür aus, den Finanzmärkten konkretere Hinweise darauf zu geben, wann mit einer Anhebung des historisch niedrigen Leitzinses zu rechnen ist. Sie reagierten damit auf den jüngsten Vorstoß der neuen Fed-Chefin Janet Yellen in der vergangenen Woche. Sie gab den Märkten zuletzt eine andere Orientierungshilfe. Diese wurde von Börsianern als zu wenig berechenbar kritisiert.

Fed-Chefin Janet Yellen will sich an Inflationsziel zwei Prozent und an Vollbeschäftigung orientieren


Statt an einer konkreten Marke, nämlich einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent, will sich die Notenbank Yellen zufolge nun an dem Inflationsziel von zwei Prozent sowie an Fortschritten Richtung Vollbeschäftigung orientieren. Nach ihren Worten sollen ferner nur rund sechs Monate zwischen dem Absetzen der Konjunkturspritzen im Herbst und dem Beginn von Zinserhöhungen ins Land gehen.
Der Präsident der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, plädierte nun dafür, dass sich der für die Geldpolitik zuständige Fed-Offenmarktausschuss auf bestimmte Bedingungen dafür festlegt, wann die Notenbank die Zinsschraube wieder anzieht. Sein Kollege Charles Plosser aus Philadelphia äußerte sich ähnlich. Präzisere Angaben seien zwar schwierig, aber machbar, sagte er. Die Einigkeit zwischen Kocherlakota und Plosser in diesem Punkt ist bemerkenswert, da beide ansonsten unterschiedliche geldpolitische Vorstellungen vertreten.

Dax vorbörslich im Minus

Der deutsche Leitindex Dax wird Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Mittwoch den dritten Tag in Folge mit Verlusten in den Handel starten. Am Dienstag hatte er 0,2 Prozent tiefer bei 9490,79 Punkten geschlossen.
An der Wall Street hatten sich die US-Indizes nach dem jüngsten Kursrutsch stabilisiert. Der Dow Jones Industrial rückte letztlich um 0,06 Prozent auf 16 256,14 Punkte zu und der S&P 500 zog um 0,38 Prozent an auf 1851,96 Punkte. Seit ihren Rekordhochs vom Freitag war es für beide Indizes um rund drei Prozent abwärts gegangen. Der S&P 500 kämpfte sich in der Jahresbilanz nun wieder in die Gewinnzone zurück, die er tags zuvor verlassen hatte.
Die Technologiewerte hatte es in drei schwachen Tagen mit dem stärksten Kursrückgang seit 2011 noch schlimmer erwischt.
Entsprechend fiel ihre Erholung deutlicher aus: Der Nasdaq 100 kletterte am Dienstag um 0,87 Prozent auf 3538,23 Punkte nach oben, nachdem er zu Wochenbeginn noch auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar abgesackt war. Die Tech-Titel seien außer Kontrolle geraten, sagte ein Marktexperte über die hohen Kursabschläge besonders bei hochkapitalisierten Internetaktien. Nun kehre langsam die Vernunft zurück.

Zum Start der US-Berichtssaison legt Alcoa trotz herber Verluste nachbörslich zu

Zum Start der US-Berichtssaison für das erste Quartal hat der US-Aluminiumriese Alcoa trotz starker Verluste die Anleger erfreut. Der vom früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Konzern wies am Dienstagabend zwar einen Ergebnisrückgang aus. Dieser war aber nicht so stark wie von Branchenexperten vorausgesagt. An der Wall Street legte die Alcoa-Aktie im nachbörslichen Handel 2,4 Prozent zu.
Alcoa gibt traditionell als erster großer amerikanischer Konzern Einblick in die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal. Das Unternehmen hat Kunden in wichtigen Branchen wie Auto-, Flugzeug- und Bauindustrie. Manche betrachten es daher als Konjunkturindikator.


Im ersten Vierteljahr bekam Alcoa die gesunkenen Aluminiumpreise zu spüren. Der Umsatz sank um 6,5 Prozent auf 5,45 Milliarden Dollar und fiel damit niedriger aus als von Analysten prognostiziert. Auf das Ergebnis drückten auch Restrukturierungskosten im Zuge der Schließung von Aluminiumhütten. Unterm Strich rutschte das Unternehmen daher in die Verlustzone. Um Sonderposten bereinigt ergab sich jedoch ein Gewinn von 98 Millionen Dollar. Dieser lag zwar um fast ein Fünftel unter dem Niveau vor Jahresfrist, aber höher als am Markt erwartet.

Erholung in den USA

Viele US-Unternehmen haben sich zuletzt über den strengen Winter in Amerika beklagt. Investoren rechnen daher mit weniger überzeugenden Zahlen für das erste Quartal, allerdings auch mit einer schnellen Erholung im Frühjahr, worauf zuletzt bereits Daten vom Auto- und Häusermarkt hindeuteten.
Thomson-Reuters-Daten zufolge gehen Experten nur noch von einem Gewinnwachstum der wichtigsten Firmen von durchschnittlich 1,2 Prozent aus. Vor einigen Monaten hatten sich die Schätzungen noch auf 6,5 Prozent belaufen. Alle Branchen sind davon betroffen - mit Ausnahme der Energieversorger. Für das zweite Quartal wird dann wieder mit einem Plus von 8,5 Prozent gerechnet.

Nikkei-Index in Tokio deutlich schwächer

In Tokio gab der Nikkei-Index am Mittwoch um 1,9 Prozent auf 14.328 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite stieg dagegen um 0,3 Prozent auf 2105 Punkte.

Für große US-Banken gelten schärfere Regeln

Die Schwergewichte der US-Bankenbranche müssen sich künftig mit einem um 68 Milliarden Dollar größeren Kapitalpuffer krisenfest machen. Für die acht führenden Geldhäuser, darunter JPMorgan Chase und Citigroup, gelten in Zukunft schärfere Eigenkapitalregeln, wie das Direktorium der US-Notenbank Fed am Dienstag mitteilte. Kernpunkt ist eine strengere Verschuldungsquote (leverage ratio): Sie schreibt vor, dass die Banken ab 2018 für sechs Prozent ihrer Bilanzsumme Eigenkapital vorhalten müssen. Für ihre Holdings gilt eine Quote von fünf Prozent. Das soll die Verschuldung der Geldhäuser beschränken. Mit den härteren Regeln ziehen die Aufseher die Konsequenz aus der Finanzkrise von 2007 bis 2009, als mehrere Institute ins Wanken gerieten und vom Staat aufgefangen werden mussten.
Der internationale Basel-III-Standard schreibt nur eine Quote von drei Prozent vor. Das bedeutet, dass Banken von 2018 an Eigenkapital in Höhe von mindestens drei Prozent der Bilanzsumme und außerbilanzieller Verpflichtungen vorhalten müssen. Doch die Bilanzsumme wird in der US-Rechnungslegung anders kalkuliert als nach den in Europa gültigen Standards, was einen direkten Vergleich erschwert. Zudem ist die Leverage Ratio in Europa umstritten, da sie die Risiken einzelner Positionen nicht berücksichtigt. (mit Reuters und dpa)

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