Vor Börsenbeginn : Fed-Protokoll: Zinsen werden erst später erhöht - Dax vorbörslich im Plus

Die Fed wird die Leitzinsen erst später und weniger kräftig erhöhen als gedacht. Das geht aus den Sitzungsprotokollen hervor. Die Wall Street legte zu, der Dax liegt vorbörslich im Plus.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die US-Notenbank (Fed) unter ihrer neuen Chefin Janet Yellen wird die Zinsen voraussichtlich nicht so früh und kräftig erhöhen wie bislang gedacht. Darauf lassen die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle der jüngsten Zinssitzung von Mitte März schließen. Darin äußern mehrere Notenbanker die Sorge, dass die Märkte aus den aktuellen Projektionen für den Zeitpunkt von Zinserhöhungen die falschen Schlüsse ziehen könnten. Daraus könnte ein aggressiverer Kurs herauslesen werden als ihn die Fed tatsächlich plane, mahnten die Fed-Vertreter.

Die Wall Street reagiert positiv, der Dax legt vorbörslich zu

Die US-Aktienmärkte stiegen nach der Veröffentlichung der Protokolle auf Tageshöchststände. Der Kurs des Dollar bröckelte. Der deutsche Leitindex Dax legte am Donnerstagmorgen vorbörslich zu. Händler erwarten nun, dass eine erste Zinserhöhung noch nicht im ersten Halbjahr 2015, sondern frühestens im Juli nächsten Jahres ansteht.
In den im März veröffentlichten Projektionen war im Mittel ein Zinsniveau von 2,25 Prozent für Ende 2016 veranschlagt worden. Dies ist ein halber Prozentpunkt mehr als in der Dezember-Prognose. Aus dem Fed-Protokoll wird deutlich, dass mehrere Notenbanker diese Veränderung für “überzogen“ halten. Sie zeigten sich besorgt, dass den Märkten damit ein falsches Bild von der Zinsstrategie vermittelt werde.c

Die Fed-Chefin Janet Yellen war überraschend konkret geworden


“Man kann Hoffnung schöpfen, dass die Fed doch konjunkturstimulierender agiert als bislang gedacht - und diesen Kurs auch länger beibehält als bislang angenommen“, sagte Ökonom Steve Sosnick von Timber Hill/Interactive Brokers. Fed-Chefin Janet Yellen war in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid überraschend konkret geworden und hatte eine Zinswende für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt. Nach dem für den Herbst erwarteten Ende des Anleihenkaufprogramms dürften “rund sechs Monate“ bis zu einer Straffung der Geldpolitik vergehen, sagte sie seinerzeit.

Es könnte deutlich länger dauern, bis die Zinswende kommt


Der US-Notenbanker Charles Evans schließt nicht aus, dass deutlich mehr Zeit ins Land gehen könnte, bis die Zinswende eingeleitet wird: “Es könnten sechs, es könnten aber auch 16 Monate werden“, sagte der Chef der Fed von Chicago vor Journalisten. Die Fed hält den Leitzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Derzeit heizt die Notenbank die Wirtschaft zusätzlich noch mit monatlichen Wertpapierkäufen in Höhe von 55 Milliarden Dollar an. Das Programm soll aber Ende des Jahres auslaufen, wenn sich der Aufschwung gefestigt hat.

Griechenland platziert heute Anleihe - Anleger gespannt

Mit großer Spannung erwarten Anleger und Finanzexperten am heutigen Donnerstag die Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte. Vier Jahre nach dem ersten Hilferuf will Athen sich wieder selbstständig Milliardensummen an den Märkten beschaffen.
Nachdem das Finanzministerium am Mittwoch die Ausgabe einer Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit angekündigt hatte, stehen nun die Höhe der Verzinsung sowie das Volumen des Papiers im Zentrum des Interesses.
„Wir zielen auf die 2,5 Milliarden Euro“, sagte ein hoher Funktionär des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstagmorgen.


Es ist die erste Ausgabe einer länger laufenden Staatsanleihe, seitdem das Land 2010 mit milliardenschweren Krediten vor der Pleite bewahrt wurde. Der letzte Versuch verlief traumatisch: Athen wollte sich im April 2010 eine Milliarde Euro für 20 Jahre leihen. Es kamen aber nur Angebote für lediglich 390 Millionen Euro zusammen. Wenige Tage später richtete Athen einen Hilferuf an die Euro-Partner.
Nun will das hochverschuldete Euroland angesichts der Beruhigung der Krise testen, ob es sich wieder aus eigener Kraft finanzieren kann. Das Buch mit den Angeboten soll nur wenige Stunden aufbleiben.
„Wir werden es um 10.00 Uhr MESZ öffnen“, sagte ein Funktionär des Finanzministeriums. Es soll am frühen Nachmittag wieder schließen.
Dabei zeichne sich ein starkes Interesse ab: Die inoffiziellen Angebote sollen bereits das Dreifache des anvisierten Betrags übertroffen haben, hieß es im Finanzministerium.

Ölpreis fällt nach enttäuschenden China-Daten

Die Ölpreise sind am Donnerstag nach überraschend schwachen Konjunkturdaten aus China gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete am Morgen 107,57 US-Dollar und damit 41 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 30 Cent auf 103,30 Dollar.
Händler erklärten den Preisdruck am Ölmarkt mit unerwartet schwachen Handelsdaten aus China. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt waren Exporte und Importe im März überraschend gefallen.
Außerdem hatte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang vorübergehenden Konjunkturprogrammen zur Ankurbelung der schwächelnden chinesischen Wirtschaft eine klare Absage erteilt.
Gestützt wurden die Ölpreise aber weiterhin durch Daten zu den US-Ölreserven vom Vortag und durch die Lage in der Ukraine. Am Mittwoch hatte die US-Regierung einen unerwartet starken Anstieg der Lagerbestände an Rohöl gemeldet. Außerdem droht eine Eskalation der Ukraine-Krise: Die prowestliche Regierung der Ukraine will den Widerstand prorussischer Aktivisten im Osten des Landes notfalls mit Gewalt brechen. (mit Reuters und dpa)

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